Schönebeck/Staßfurt l Immer häufiger ist in den Mitteilungen des Polizeireviers Salzlandkreis davon zu lesen, dass sich Autofahrer unter dem Einfluss von Alkohol oder illegalen Drogen hinters Steuer gesetzt haben. Und wie Polizeisprecher Marco Kopitz auf Nachfrage bestätigt: „Wir haben zunehmende Rauschfahrten – das ist ein Fakt.“

Die Zahlen, die das Revier der Volksstimme übermittelt, legen das auf eindrucksvolle Art dar. So wurden im Salzlandkreis dieses Jahr bislang 159 alkoholisierte Fahrer bei Kontrollen registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 121 Fälle. Ein Anstieg von 31,4 Prozent.

Konsum von Drogen

Noch weit drastischer ist der Anstieg der Fahrten, bei denen die Fahrer illegale Drogen konsumiert haben. Bei ihren Kontrollen haben die Beamten dieses Jahr bereits 136 Fälle registriert, in denen Substanzen wie Cannabis, Methamphetamin und in einigen Fällen auch Opiate bei den Fahrer nachgewiesen wurden. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 67 Fälle. Ein Anstieg von 103 Prozent – also mehr als eine Verdopplung.

Auch der Mischkonsum – also das Trinken von Alkohol und die zusätzliche Einnahme illegaler Mittel – ist unter den Autofahrern des Kreises weiter verbreitet, als noch im Vorjahr. 21 solcher Fälle hat die Polizei in diesem Jahr aufgenommen, im gleichen Zeitraum im Jahr 2019 waren es fünf. Das entspricht einer Steigerung von 300 Prozent.

Alkohol ist größtes Problem

Katrin Bock, Leiterin der Suchtberatung der Arbeiterwohlfahrt in Schönebeck, bestätigt, dass Alkohol nach wie vor das größte Problem ist und Cannabis als Nebenkonsum sei nicht selten zu beobachten. Zudem: „In der täglichen Arbeit konnten wir eine Zunahme an MPU-Vorbereitungen für Klienten mit Missbrauchsverhalten feststellen“, so Katrin Bock.

„Es sind Drogen vorhanden und die Akzeptanz der Bevölkerung dem gegenüber scheint zu wachsen“, fasst Kopitz zusammen. Dabei wächst die Unfallgefahr durch den Konsum von Alkohol und anderen Rauschmitteln massiv an. So ist es im hiesigen Kreis bis Ende Oktober zu 65 Unfällen gekommen, in denen die Fahrzeugführer Alkohol getrunken oder Drogen konsumiert hatten – oder beides.

Druck durch Kontrollen

Damit es möglichst erst gar nicht zu Unfällen kommt, erhöht die Polizei den Kontrolldruck. Es wird also derzeit auch mehr kontrolliert, was auch den Anstieg der ermittelten Fälle erklärt, so Kopitz.

Im Rahmen dieser Kontrollen kommt es auch immer wieder vor, dass die Beamten den Fahrern die Weiterfahrt untersagen – wahlweise 24 beziehungsweise 48 Stunden. „Die Dauer dieses Verbots richtet sich nach dem Konsummittel und der eingenommen Menge. Die Substanzen bauen sich nämlich unterschiedlich schnell ab“, erklärt Kopitz.

Information an Führerscheinstelle

Darüber hinaus informiert die Polizei auch regelmäßig die Führerscheinstelle über die festgestellten Verstöße der jeweiligen Fahrer. Das ist, wie Kopitz betont, auch ein Werkzeug, um den Druck auf Trunkenheitsfahrer zu erhöhen. Denn: „Die Führerscheinstelle kann bei Verstößen zu der Entscheidung gelangen, dass ein Fahrer sich gar nicht mehr ans Steuer setzen sollte. Sie können ihm daraufhin – ohne eine gerichtliche Entscheidung – den Führerschein entziehen“, sagt Kopitz. Neben ihrer eigenen Gesundheit und der der anderen Verkehrsteilnehmer riskieren berauschte Fahrer also auch den schnellen Verlust ihrer Fahrerlaubnis.

Um auf die Auswirkungen von Drogen und Alkohol auf die Fahrtüchtigkeit aufmerksam zu machen, betreibt die Polizei Aufklärung. Im Rahmen von Präventionsveranstaltungen wird beispielsweise an Schulen über das Thema berichtet. Dabei kommen unter anderem „Rauschbrillen“ zum Einsatz, die verdeutlichen, wie sehr der Konsum verschiedener Stoffe einen Fahrer beeinträchtigt.

Ob der erhöhte Kontrolldruck und die Präventionsbemühungen Früchte tragen und die Zahlen wieder sinken, wird erst die Zeit und die Statistik in den nächsten Monaten zeigen.