Schönebeck l Wenngleich es nicht vordergründig war: Der 3. Schülertag an der Berufsbildenden Schulen des Salzlandkreises, Standort Schönebeck, erfüllte durchaus eine tiefgründige pädagogische Idee. Die Schulbänke wurden Mittwoch eingetaucht gegen Stationen im Schulgebäude und auf dem Schulhof. Alles stand unter dem Motto „Come together“. Es ging um ein Miteinander, um ein Füreinander.

Welche Organisation hinter dem Schülertag stand, das wussten vor allem zwei Macher zu berichten: Schülerratsvorsitzender Nicolas Maurice Lehmann und seine Stellvertreterin Gina-Maria Schumacher. „Nach dem Schülertag ist vor dem Schülertag“, erklärte Nicolas Maurice Lehmann, was so viel bedeutet wie: Ist der Schülertag vorbei, wird bereits auf den nächsten geschaut.

Mit Kritik arbeiten

Nicht ohne Grund, denn statisch ist das Konzept der Schüler nicht. „Wir sind sehr offen für Kritik: für positive als auch für negative“, macht der Schülerratsvorsitzende deutlich. So gab es unter anderem eine Konsequenz aus dem vorangangenen Schülertag. Damals waren die Klassen als Gruppen von Station zu Station unterwegs. „Das ist okay. Aber für einen Kennenlerntag vielleicht nicht optimal“, so Gina-Maria Schumacher. Der Grund: Eine Klasse im zweiten oder dritten Lehrjahr muss sich nicht mehr „kennenlernen“. Sie marschierten durch das Haus und hatten zwar ihren Spaß. Doch ein übergreifender Kontakt der einzelnen Fachausbildungen und Klassenstufen fand nicht statt.

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Aus diesem Grund wurden in diesem Jahr gemischte Gruppen für den Kennenlerntag zusammengestellt – nach dem Zufallsprinzip, wie Nicolas Maurice Lehmann berichtete. Und das neue Konzept ging auf: Wie vor allem die Lehrer feststellen, gingen die insgesamt 28 Schülergruppen vor allem leiser und konzentrierter von Station zu Station, die von 30 Helfern betreut wurden. Es fand ein echtes Kennenlernen statt.

Die in der Regel sich untereinander unbekannten Schüler mussten sich vorstellen, miteinander Sprechen, diskutieren und gemeinsame Aufgaben lösen. Deutlich wurde das beim Aufbau eines Holzturmes mittels eines Greifers, der mit Seilen von allen zwölf Schülern bedient werden musste. Wie die Helfer an den Stationen berichteten, hob sich in der Gruppe schnell jemand hervor, der das Sagen übernahm, der die Anweisungen gab. Alle anderen Jugendlichen steckten zurück, was auch gewollt war. „Das Ganze dient dem besseren gegenseitigen Kennenlernen – jetzt, noch am Anfang eines Schuljahres“, sagt Schulsozialarbeiterin Eileen Ohle.

Station in der Autowerkstatt

Und es wurden die Rollen getauscht: Kindererzieherinnen waren in der Autowerkstatt schon mal „Mode“, einen Reifen von einem Auto zu wechseln. Praktische Übungen also, die auch das richtige Leben prägen. Während also an einer Station die Mechatroniker glänzten, mussten sie sich an der anderen Station wieder in das Gruppengefüge einreihen.

So ging es den ganzen Tag darum, Dinge abzuwägen. Wer übernimmt eine Aufgabe, wer leitet die anderen? Es wurde diskutiert und es wurden Meinungen ausgetauscht. Die Schüler hörten die Vorgehensweise der anderen und dachten über ihren eigenen Standpunkt nach. „Genau darum geht es, Vor- und Nachteile zu besprechen“, erklärt Nicolas Maurice Lehmann. Welcher Standpunkt ist der Richtige? Oder sind alle Standpunkte gleich wichtig? Es ging in den Aufgaben um die gegenseitige Achtung, auch um Vertrauen. Ein Lächeln oder ein Like-Daumen nach einer bewältigten Übung seines Gruppenmitschülers war vorgestern wohl mehr Wert als eine gute Note.

Großes Lob kam vom stellvertretenden Schulleiter Herbert Mill. Vor allem die Schüler der Erzieherklassen und der Schülerrat investierten viel Zeit. Mittwoch wurde kein Unterricht absolviert, was im Übrigen auch für die Lehrer wichtig war: Sie erlebten eine ganz neue Seite ihrer Schüler.