Schönebeck l Wie an einer Perlenschnur gereit haben sich in den vergangenen Wochen zu bestimmtem Zeiten hell leuchtende Punkte zügig durch das Himmelsbild bewegt - und für manche Spekulationen gesorgt. Aber manchmal ist etwas harmloser als man denken mag. Und zugleich kann es aber auch sehr interessant sein.

Das, was dort als eine Art leuchtende Kette durch den Himmel flog und auch künftig hin und wieder fliegen wird, ist zunächst ungefährlich. Es handelt sich um Satelliten. Allerdings nicht um ganz normale von der NASA oder anderen Weltraumorganisationen, sondern um die von Tesla-Chef Elon Musk. Der Unternehmer baut und verkauft nämlich nicht nur Elektroautos sondern vertreibt sich auch mit seinem 2002 gegründeten Raumfahrtunternehmen namens "SpaceX" die Zeit.

Diese Satelliten, die abends und morgens am Himmel sichtbar sind, werden unter der Mission "Starlink" ins Weltall geschossen. Sie werden aufgrund ihrer Beschaffenheit sehr hell angeleuchtet und heben sich deswegen so von anderen Himmelskörpern ab.

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René Neumann von der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg erhält immer wieder Anfragen zu den Sichtungen. Gerade nach den Starts sind die „Kettengruppen" am Himmel gut erkennbar. Es dauere allerdings nicht lange, bis sich die Kettenformation auflöse. Aber in Rythmus von mehreren Wochen hat man wieder die Chance sie zu sehen. Ob die Satelliten überhaupt bei uns sichtbar sind, hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt und wo sie ausgesetzt werden.

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Natürlich spielt auch das Wetter mit. Wer wissen will, wann sich das Gucken lohnt, wird auf der Internetseite findstarlink.com fündig. Dort müssen nur die Koordinaten des eigenen Standortes eingegeben werden und schon wird die Himmelsrichtung und die Zeit angegeben, in der die Satelliten zu sehen sind.

Die Satelliten von Starlink 4, 5 oder 6 sind demnach in Schönebeck und Staßfurt derzeit zu folgenden Zeiten ganz gut sichtbar:

  • 2. April 2020 - 5.59 Uhr - von Westen nach Osten (für 5 Minuten)
  • 2. April 2020 - 20.54 Uhr  - von Westen nach Osten (für 6 Minuten)
  • 3. April 2020 - 4.50 Uhr - von Süden nach Osten (für 2 Minuten)
  • 3. April 2020 - 21.29 Uhr - Westen nach Osten (für 6 Minuten)

Zehntausende Satelliten geplant

Die ersten Satelliten des Projektes wurden bereits im vergangenen Jahr, zuletzt aber 60 Stück am 18. März 2020, ins All befördert. Die Trägerrakete "Falcon 9" hat die als Art Paket geschnürte jeweils rund 260 Kilogramm schwere Technik vom Weltraumbahnhof in Florida auf etwa 280 Kilometer Höhe gebracht und ausgesetzt. Derzeit kreisen schon hunderte Satelliten von Musk in 550 Kilometer Höhe um die Erde, in einer ersten Ausbaustufe des Projektes sollen schon bald mehr als 1500 unterwegs sein. Aber Elon Musk hat noch mehr vor, er plant mit zehntausenden. Der Tesla-Chef will damit schnelles, flächendeckendes und günstiges Internet selbst in den entlegensten Ecken der Welt ermöglichen. Trotz zunehmender Konkurrenz ist der Tesla-Chef damit auf dem besten Weg zum größten Satellitenproduzenten.

Ein Umstand, der bei einigen Astronomen für Skepsis und Beunruhigung sorgt. Warum, ist für René Neumann einfach erklärt: „Der Einsatz dieser Satelliten hat den Effekt, dass die Forschung letztendlich gar nicht mehr wirklich arbeiten kann". Denn die Satelliten hinterlassen auf Bildern und Forschungsergebnissen ihre Spuren. „Der Himmel wird dadurch nie mehr so sein wie vorher", so der Astronom gegenüber der Volksstimme. Die professionelle Astronomie werde dadurch geschädigt. Musk und sein Team wollen dagegen steuern, indem sie die Beschichtung der Satelliten verdunkeln wollen. Damit sollen die Satelliten nicht mehr so gut sichtbar sein. Erste Testobjekte sind wohl schon im Einsatz.

Aber das ist nicht der einzige Kritikpunkt der Astronomen. Hinzu kommt zum Beispiel die erhöhte Kollisionsgefahr durch die vielen Objekte. Neumann spricht von einem möglichen Domino-Effekt, wenn eines der Geräte aus der Bahn gerät. Die Höhe von 550 Kilometern sei auch deswegen angesetzt, weil unter 450 Kilometern bereits andere Satelliten oder beispielsweise die Raumstation ISS unterwegs seien. „Die Satelliten müssen aber erst einmal durch diese Zone mit hoher Verkehrsdichte durch", erklärt er. Sie sind zwar mit einem eigenen Antrieb ausgestattet aber ein gewisses Risiko könnte es trotzdem geben. Die Folge wäre mehr Weltraumschrott.

Die Lebensdauer der Satelliten ist zudem begrenzt. Laut „SpaceX" liegt sie pro Satellit bei ein bis fünf Jahren, bevor er gezielt zum Verglühen gebracht werden soll.

Verstoß gegen Umweltschutz?

Auch global sorgen die Pläne von Elon Musk mancherorts für Skepsis. Das Magazin Spektrum berichtete bereits Anfangs des Jahres von einer bislang nicht veröffentlichten Studie, aus der hervorgehen soll, dass das Satellitenprojekt womöglich gegen US-Umweltrecht verstoßen könnte. Konkret geht es um die Freisetzungserlaubnis der zuständige US-Behörde Federal Communications Commission (FCC), die dem Projekt das grüne Licht erteilt hatte.

Ob eine mögliche Klage jetzt aber noch etwas bringen würde, weiß auch René Neumann nicht. Das Projekt "Starlink" ist bereits in vollem Gange. Und auch andere Anbieter - wie das britische Unternehmen "OneWeb" oder Amazon  wollen in diesem Segment mitmischen. „Und dann wird es schon unentspannt, wenn 100.000 solche Minisatelliten herumschweben", so Neumann. Auch die Internationale Atsronomische Union schätzt die Folgen der Satellitenkonstellationen Medienberichten nach als "besorgniserregend" ein.