Calbe l Mauern der Vorurteile einreißen und durch Brücken des Dialogs ersetzen. Mit dem Kunstprojekt „Engel der Kulturen“ - initiiert durch die beiden bildenden Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich - brachte der 6. April für die Saalestadt ein historisches Ereignis mit: Gemeinsam mit Schülern, Kirchenmitgliedern und weiteren Interessenten wurde ein 1,50 Meter hoher, stählerner Ring mit 85 Kilogramm Eigengewicht durch die Saalestadt gerollt. Am Rand des Ringes zu erkennen sind die drei Symbole der drei monotheistischen Weltreligionen. Das Jesuskreuz für das Christentum. Den Davidstern für das Judentum. Die Halbmondsichel für den Islam.

„Ich finde es bewundernswert, dass wir nun so etwas hier haben“, freute sich Zehntklässler Fabian Sandring aus Barby. Mit seinen Mitschülern rollte er den Ring über den Schulhof und legte ihn auf den Boden. Für die freie Fläche hielt Merten Quarzsand bereit, der in der Form gleichmäßig verteilt und festgeklopft wurde. Diese Fläche - lediglich umgeben von den Religionssymbolen - ergibt die Gestalt eines Engels. „Der Engel ist etwas Verbindendes in allen Religionen“, schilderte Carmen Dietrich den symbolischen Hintergrund und forderte zugleich, den Religionen Raum zur Entfaltung zu geben. Gegen das Gegenteilige - nämlich Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fundamentalismus - richtet sich das kulturelle Symbol.

Projekt für den Frieden

Solch ein Sandengelabdruck wurde zudem vor der Neuapostolischen und der St.- Norberti-Kirche aufgebracht. Gemeinsam fasste man an. „Mit diesem Projekt schafft man Frieden“, argumentierte Andreas Gauditz von der Neuapostolischen Kirche.

Frieden durch gemeinsames Agieren. Ohne religiöse Ausgrenzung. Toleranz sei ein hohes Gut, das Aufklärung bedinge, fand der Calbenser Dieter Steinmetz im Rahmen des Glaubensprojektes. Die Vorsitzende des evangelischen Gemeindekirchenrates, Liane Hilfert, formulierte zudem: „Der Islam gehört zu Deutschland“. Genauso wie das Juden- und Christentum, die allesamt auf einen Gott zurückgeführt werden können. Eine weitere Begründung ihrer Meinung schob Hilfert umgehend nach: So lebten Musline heute bereits in der zweiten und dritten Generation in Deutschland. Zu Millionen. „Und wir können doch keine Millionen ausgrenzen“.

Intarsie entstand in Freiburg

Eine Stadt mit drei christlichen Glaubenseinrichtungen, zu denen neben evangelisch und neuapostolisch auch die katholische Kirche zählt. Alle drei haben das Projekt bis zum Schluss begleitet. Bis zum Schluss, der nach gemeinsamen Schneidbrennen mit zwei kräftigen Hämmerschlägen endete. Zum Konzept gehört, dass eine Stadt für die nächste die zu verlegende Bodenintarsie (den Symbolring) herstellt. Die Intarsie für Calbe - verlegt an der St.-Stephani-Kirche - entstand am 8. November 2017 in Breisach/Freiburg. Diejenige, die in Calbe entstand, wird in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen) verlegt. Die beim Ausbrennen mit dem Schneidbrenner innere Engelsfigur wird aber Teil einer Stele sein. Auf dieser wurden bereits 115 dieser zwei Zentimeter dicken „Engel“ aufgeschichtet. Sie soll voraussichtlich in zwei Jahren in Jerusalems Altstadt zu sehen sein - als Bestandteil eines interreligiösen Gartens.

Neben Ideengebern braucht es Unterstützer, die finanziellen Schub für der Gemeinschaft und dem Frieden dienende Projekte wie dieses leisten. Auch in Calbe wäre das Kulturengel-Projekt mit Kosten von insgesamt 4000 Euro ohne Unterstützung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“, die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands sowie den Kirchenkreis Egeln nicht umsetzbar gewesen.