Der Jugendclub Rainbow und das Geld

Die Arbeiterwohlfahrt hat zuletzt zwei Halbtagsstellen für jeweils etwa 24 000 Euro für ihre beiden Jugendclubs in Schönebeck und Barby vom Salzlandkreis gefördert bekommen. Das Geld stammt dabei zu 70 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt und zu 30 Prozent vom Kreis. Die Stelle in Schönebeck wurde durch EU-Fördergelder in etwa gleicher Höhe zu einer Vollzeitstelle aufgestockt. Anfang des Jahres ist das Förderprogramm ausgelaufen. Mittel aus einem Nachfolgeprogramm stehen nicht bereit. Die Arbeiterwohlfahrt sah sich daher gezwungen, die beiden Halbtagsstellen zu einer Vollzeitstelle im Teen Club in Barby zusammenzuführen. Es ist der einzige Jugendclub in der Stadt. Jugendarbeit ist eine Pflichtaufgabe. Die genaue Höhe ist allerdings nicht gesetzlich festgelegt. Der Landkreis Wittenberg übernimmt ab nächsten Jahr 90 Prozent der Personalkosten der Jugendarbeit. (ji)

Schönebeck l Es ist ruhig in den Räumen des Schönebecker Jugendclubs Rainbow bei der Arbeiterwohlfahrt in der Otto-Kohl-Straße. Fünf große Zimmer stehen den Jugendlichen dort zur Verfügung, mit vielen Sitzecken, Tischen und einem Tischkicker. Besser gesagt: Die Räume standen zur Verfügung. Wegen dem Ausbleiben von Fördergeldern musste die Arbeiterwohlfahrt die Betreuung der jungen Leute durch eine Sozialarbeiterin vorerst einstellen. „Wir haben jetzt einen der Räume an eine Krabbelgruppe untervermietet“, erzählt Ines Grimm-Hübner, Chefin der Arbeiterwohlfahrt Salzland.

Seit Sommer steht der Jugendclub Rainbow nun schon leer. Die letzte zuständige Sozialarbeiterin der Awo hatte noch 20 Stunden gearbeitet im Teen Club in Barby und 20 Stunden in Schönebeck. „So kann man aber keine vernünftige Jugendarbeit machen“, sagt Awo-Chefin Grimm-Hübner.

Denn die Jugendlichen brauchen eine tägliche Anlaufstelle, damit sie ein Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeiterinnen aufbauen können. Zwei Tage in der Woche reichen dafür nicht. Auch für die Betreuer sei das nicht zumutbar. Und so hat man sich bei der Arbeiterwohlfahrt schweren Herzens dazu durchgerungen, den Teenclub in Barby in Vollzeit zu betreiben und dafür den Jugendclub in Schönebeck bis auf Weiteres zu schließen.

Unterschriftensammlung für die Jugendarbeit

Doch um den Jugendclub Rainbow möglicherweise doch noch zu retten, hatte sich die Arbeiterwohlfahrt einer Unterschriftensammlung für eine Petition unter dem Motto „Jugendarbeit vor Ort retten!“ angeschlossen. Mehr als 8000 Unterschriften haben die Arbeiterwohlfahrt und andere Sozialverbände für ihre Petition gesammelt, die sie unlängst der Präsidentin des Landtages, Gabriele Brakebusch (CDU), übergeben haben. Darin fordern die Verbände zusätzliche drei Millionen Euro für die Jugendarbeit im Land, insbesondere im ländlichen Raum, und einen jährlichen Anstieg der Förderung um 2,5 Prozent. Dies sei notwendig, um die Tarifsteigerungen für die Angestellten abzufangen. Denn die Personalkosten machen bei der Jugendarbeit den größten Anteil aus.

„Wichtig ist für uns auch, dass wir für die Förderung der Jugendarbeit feste Ansprechpartner und Gesprächsrunden haben“, sagt die Geschäftsführerin Grimm-Hübner. „Es kann nicht sein, dass wir wie in der Vergangenheit ständig hin und her geschickt werden und am Ende niemand zuständig ist.“ Besonders kompliziert wird es dabei, weil Fördergelder der EU vom Bund über das Land an den Kreis weitergereicht werden.

Bei der Übergabe der Petition in Magdeburg haben die Vertreter der Arbeiterwohlfahrt und ihre Mitstreiter auch noch einmal das Gespräch mit mehreren Landtagsabgeordneten gesucht. Positiv: „Einige der Politiker haben zum ersten Mal richtig verstanden, was wir mit unserer Petition eigentlich wollen“, sagt Grimm-Hübner. Allerdings wurde auch deutlich, dass im immer noch nicht verabschiedeten Doppelhaushalt wohl kein zusätzliches Geld für Jugendarbeit eingestellt. Zwar gab es jede Menge Verständnis für das Anliegen der Verbände seitens der Politik. „Man war zumindest so ehrlich, uns keine Hoffnung zu machen“, sagt Grimm-Hübner.

Trotzdem will die Awo-Chefin weiter für den Schönebecker Jugendclub Rainbow kämpfen. „Ich verliere die Hoffnung nicht so schnell und werde nicht einfach so aufgeben“, sagt sie. Auf der anderen Seite müsse der Politik aber auch klar sein, dass es irgendwann keine Jugendarbeit mehr gibt, wenn immer weiter gespart wird.

Arbeiterwohlfahrt gibt nicht auf

Für das kommende Jahr hat die Arbeiterwohlfahrt die Finanzierung von zwei Vollzeitstellen beim Kreis für die beiden Jugendclubs in Schönebeck und Barby beantragt. Dass die Chancen dafür wegen des harten Konsolidierungskurses des Kreises allerdings eher schlecht stehen, ist ihr dabei bewusst. „Wir werden aber nicht im vorauseilendem Gehorsam auf unsere Anträge verzichten“, so Grimm-Hübner.

Die rund 30 bis 40 Kinder und Jugendliche, die regelmäßig im Rainbow vorbei geschaut haben, gehen seit der Schließung zumindest teilweise in den Jugendclub Future. Dort haben die Mitarbeiter nun alle Hände voll zu tun. Und ganz einfach ist die Integration der neuen Jugendlichen offenbar auch nicht immer.

Unklar ist zudem, wie es mit einer Initiative aus der lokalen Wirtschaft für die Jugendarbeit weitergeht. Rund ein Dutzend Unternehmer aus Schönebeck hatten in einem offenen Brief an die Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) den Erhalt von Jugendclubs in der Stadt gefordert. Denn ab 2021 will auch die Stadt Schönebeck 75 000 Euro beim Kinder- und Jugendbüro Piranha des Trägers Rückenwind sparen, was wohl zu dessen Schließung führen würde. Ein Termin für ein Treffen zwischen den Unternehmern und der Ministerin ist noch nicht bekannt.

Wie geht es nun weiter? Im November wird der Kreis bei einer Klausurtagung mit den Sozialverbänden über die Planung für die Jugendarbeit diskutieren. Im Dezember trifft sich der Jugendhilfeausschuss, um über die Förderung der Jugendclubs zu entscheiden.

„Selbst wenn wir eine Zusage erhalten sollten, könnten wird den Jugendclub wohl nicht, wie vorgesehen, Anfang des nächsten Jahres wieder eröffnen“, sagt Ines Grimm-Hübner. So lange bleiben die Räume des Jugendclubs erst einmal leer. Ob dort jemals wieder Jugendliche einziehen werden, ist allerdings ungewiss.