Eggersdorf l Jeannette Neumann schwankt zwischen Enttäuschung und Hoffnung über die Corona-Situation. „Jedem Verein geht es aktuell schlecht, weil wir nichts machen dürfen. Bei uns kommt noch hinzu, dass unsere Pferde natürlich Bewegung brauchen. Wir können nur abwarten und hoffen, dass es im nächsten Jahr besser wird.“ Die Vorsitzende des Eggersdorfer Reit- und Fahrvereins kümmert sich zusammen mit ihrem Mann Ulrich Neumann um insgesamt sechs Pferde und ein Pony.

Normalerweise ist der Master Cup der Höhepunkt in jedem Reitjahr. Die Veranstaltungen, bei denen sich die besten Ringreiter aus dem Bördeland treffen, musste in diesem Jahr wie so vieles ausfallen. Die Mitglieder des Reit- und Fahrvereins Eggersdorf hoffen, dass die Termine aus diesem Jahr im nächsten nachgeholt werden können. Jeannette Neumann betont, dass sie lieber etwas länger warten würde, um dann eine „richtige Veranstaltung“ feiern zu können. Sonst müssten sie viele Ordner beschäftigen, die die Leute zum Beispiel an das Einhalten der Abstandsregeln erinnern.

Pferde brauchen Auslauf

„Wir haben das Glück, dass wir unsere Pferde direkt bei uns im Haus haben. Wir müssen also nicht in einen gemeinsam genutzten Reitstall fahren. Zusätzlich haben wir auch noch eine relativ große Koppel, wo sich unsere Pferde gut bewegen können.“ Wenn es die Zeit zulässt, bringe sie gemeinsam mit ihrem Mann die Tiere auf eine Weide am Ortseingang von Eggersdorf.

Ob die Ringreitturniere im nächstem Jahr in gewohnter Manier über die Bühne gehen können, hänge auch zu einem Großteil von der Unterstützung der Sponsoren ab. „Wir hoffen natürlich, dass uns unsere Sponsoren die Treue halten und uns nach wie vor unterstützen. Aber ich kann auch verstehen, dass es vielen Firmen gerade sehr schlecht geht und sie deshalb jeden Cent umdrehen müssen“, so Neumann.

In der aktuellen Lage bietet der Verein seinen Mitgliedern, allen voran den Jugendlichen, weiter Training an. Dabei achten Neumanns natürlich darauf, dass die Abstände eingehalten werden. „Wir reiten maximal mit drei Pferden, und auf der Straße oder auf den Wiesen lassen wir zusätzlich Platz zwischen den Reitern“, so Neumann. Gleich zu Beginn hätte der Verein auch in Absprache mit der reiterlichen Vereinigung ein Rundschreiben an alle Mitglieder des Vereins geschickt.

Reitleidenschaft seit Geburt

Die Reaktion auf die eingeschränkten Möglichkeiten sei unter den Mitgliedern unterschiedlich ausgefallen. Einige würden für die Corona-Maßnahmen Verständnis zeigen. Anderen würde langsam die Decke auf den Kopf fallen.

Die Leidenschaft fürs Reiten und Pferde allgemein wurde Jeannette Neumann quasi in die Wiege gelegt. „Ich konnte reiten, bevor ich laufen konnte“, erzählt die Vorsitzende des Reitvereins stolz. Ihr Vater sei als Vielseitigkeitsreiter (Military) aktiv gewesen.

Ihre Mutter hätte im Dressurreiten Erfolge gefeiert. Daher sei früh klar gewesen, dass auch sie sich dem Reitsport widme. Sie selber habe auch an vielen Turnieren teilgenommen, in den letzten Jahren sei es aber aus zeitlichen Gründen immer weniger geworden. Für ein Reitsportturnier müsse sie jeden zweiten Tag trainieren. Das sei meist nicht mehr möglich.

Pferde verlangen viel Arbeit

Jeannette Neumann berichtet, dass im vergangenen Jahr leider ein Pferd eingeschläfert werden musste. „Da waren wir natürlich sehr traurig, die Pferde sind schließlich Familienmitglieder.“

Wer glaubt, den Neumanns würde in der Corona-Zeit langweilig, der täuscht sich gewaltig. Neben den Pferden arbeitet Jeannette Neumann noch hauptberuflich im Schichtdienst bei der Post. Ansonsten muss die Pferdekoppel täglich ausgemistet werden und die Tiere brauchen natürlich auch Futter.

Neben den Pferden besitzen die Neumanns auch noch Hunde, Hühner und die Hausziege Emma. All diese Tiere müssen versorgt werden. Ulrich Neumann macht dies ebenso wie seine Frau mit voller Hingabe und gibt das Motto der beiden vor. „Erst kommen die Tiere, dann kommen wir.“