Wissenswertes und Kurioses aus der Welt der Sammelkarten

Seltene Karten:

Wenn es um seltene Karten geht, sind meist Karten aus älteren Editionen gemeint. Die haben dann auch ihren Preis. Die aktuell teuerste Karte im Onlineshop von Markus Schwarze kostet 379,90 Euro und stammt aus der ersten Pokemon-Edition. Die Karte, die das Pokemon Glurak zeigt, ist bespielt, sprich in keinem guten Zustand. Grundsätzlich gilt: Je besser der Zustand – beschrieben mit englischen Begriffen –, desto höhrer der Preis. Karten im Einzelverkauf sind zudem immer teurer als eine Karte, die im Booster erworben wird, runtergerechnet auf eine einzelne Karte, kostet. Das liegt daran, dass der Kunde beim Einzelkartenkauf weiß, welche Karte er bekommt. Kauf er einen Booster, ist der Inhalt eine Überraschung.

Deckboxen, Spielmatten und Co.:

Ein Rucksack speziell für Sammelspielkarten: Auch sowas ist im Schönebecker Onlineshop zu finden. Ähnlich wie bei einer Fototasche können Elemente innerhalb des Rucksacks ganz variabel versetzt werden, sodass die Deckboxen, in denen sich die Spielkarten befinden, sanft transportiert werden können. Deckboxen, in denen sich die meist in Folien geschützen Karten befinden, gibt es im Online-Shop ebenfalls. Teils sind diese Zubehörartikel von anderen Hersteller eingekauft, andere, wie beispielsweise individuelle Spielmatten mit Wunschmotiv, werden in Schönebeck hergestellt. Seit kurzem hat Markus Schwarze was Zubehör angeht auch seine eigene Marke herausgebracht – „Arkero-G“. Produziert werden die Artikel in Fernost und im Onlineshop verkauft.

Gefälschte Karten:

Gefälschte Handtaschen kennt wohl jeder, doch gefälschte Spielkarten? Tatsächlich gibt es auch diese. Fälscher versuchen mit ihrer Kopie so nah wie möglich an die Machart der Originale heranzukommen. Doch die geben die Hersteller nicht Preis. Fest steht: Die Spielkarten von Pokemon und Magic bestehen grundsätzlich aus drei Schichten. Die mittlere dieser Schichten ist blau. Bei Pokemonkarten kann zudem beispielsweise der „Knicktest“ Aufschluss geben. Wird eine originale Karte nämlich vorsichtig in der Mitte geknickt, ist sie nach kurzer Zeit wieder in der Originalposition. Für die Spielkartenexperten in Schönebeck ist es aber ein leichtes, Fälschungen zu erkennen. Beispielsweise unter der Lupe am Druckmuster des Hersteller oder durch einen Lichttest, der die blaue Mittelschicht zeigt.

Schönebeck l „Yu-Gi-Oh-Experte gesucht“: Eine Stellenanzeige, die es so wohl eher selten gibt. In Schönebeck allerdings wird nicht nur eine Yu-Gi-Oh-Expertin, sondern auch Experten für Pokemon und Magic beschäftigt – bei „Gate to the Games“, zu Deutsch „Tor zu den Spielen“. Denn all diese Begriffe – Yu-Gi-Oh, Pokemon und Magic – sind Namen verschiedener Sammelkartenspiele. Und solche Sammelkarten werden aus Schönebeck an Spieler und Sammler in ganz Deutschland verschickt.

Was einst in einem kleinen Kinderzimmer in Gerwisch begonnen hat, füllt mittlerweile hunderte Quadratmeter Büro-, Lager- und Versandräume. Und die wiederum platzen mittlerweile gefühlt aus allen Nähten, dabei wurden die großzügigen Räumlichkeiten an der Karl-Marx-Straße erst 2017 bezogen. Das Kinderzimmer, in dem alles begann, bewohnte einst Markus Schwarze. Der 31-Jährige ist Inhaber von „Gate to the Games“ einem landesweit agierenden Versandhandel für Sammelkarten und Zubehör mit Sitz in Schönebeck.

Sets können erweitert werden

Doch was hat es mit diesen Sammelkarten auf sich? Auf der Hand fühlen sich die Spielkarten an, als halte man Skat-Karten. Der Unterschied: Ein Skat-Blatt hat eine begrenzte Zahl an Karten, Sammelkartensets – wie es der Name schon vermuten lässt – können hingegen beliebig erweitert werden. Gespielt wird aber trotzdem nur mit einer begrenzten Anzahl an Karten. „Sieben Karten hat man auf der Hand, 60 befinden sich im Deck, also im Spiel“, erklärt Markus Schwarze die Grundsituation für ein Spiel mit Magic-Karten. Denn genau die sammelt der 31-Jährige selber.

Die Sammelleidenschaft entwickelt sich bei Markus Schwarze als er zwölf Jahre alt war. Und da er doppelte Karten hatte – gekauft werden diese Spielkarten nämlich meist in sogenannten Boostern und Displays mit unbekannten Karten –, kam ihm die Idee, diese im Internet zu verkaufen. „Zu der Zeit war Ebay gerade voll im Kommen und dort habe ich meine doppelten Karten dann angeboten.“ Dabei habe er als Jugendlicher schnell festgestellt: Für einzelne Karten, bekommt er prozentual mehr Geld, als wenn er mehrere zusammen verkauft.

Das durch den Verkauf eingenommene Geld gab er dann wiederum aus, um seine Sammlung von Magic-Karten zu erweitern.

20.000 verschiedene Karten

„Magic: The Gathering“ ist ein 1993 erstmals erschienenes Sammelkartenspiel. Es ist das erste Spiel dieser Art. Laut der offiziellen Datenbank gebe es mittlerweile über 20.000 verschiedene Karten und nach Herstellerangaben im Jahr 2018 über 35 Millionen Spieler und Fans weltweit.

Auch in Deutschland erfreut sich das Kartenspiel nicht nur bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Markus Schwarze berichtet, dass insbesondere erwachsene Sammelkartenspieler auf Magic-Karten setzen würden. Bei Jugendlichen hingegen seien Pokemon und Yu-Gi-Oh beliebter.

Angeboten werden in dem Onlineshop neben Karten dieser drei Spiele aber auch andere Sammelkarten. Während Einzelkarten, Booster und ganze Displays, in denen sich wiederum viele Booster befinden, mehrere Dutzend Metallregale einnehmen, werden die Karten der anderen Spiele in gerade einmal zwei Regalen gelagert. „Die großen drei sind einfach Yu-Gi-Oh, Pokemon und Magic und werden es wohl auch bleiben“, ist sich Markus Schwarze sicher.

30 Mitarbeiter

Allein könnte er die Bestellungen, die täglich aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eingehen, aber schon lange nicht mehr bewältigen. „Drei- bis fünftausend Postsendungen gehen jeden Monat raus, zu Weihnachten besonders viele“, berichtet der 31-Jährige und ist froh sein Team, zu dem mittlerweile fast 30 Mitarbeiter gehören, zu haben.

Zu seinen Mitarbeitern zählt auch Kathrin Saykal. Sie hatte sich bei Markus Schwarze gemeldet als er in einer seiner ungewöhnlichen Stellenanzeigen einen Yu-Gi-Oh-Experten gesucht hat. So kam es, dass sich für sie die einmalige Gelegenheit bot, ihre Leidenschaft für Yu-Gi-Oh-Sammelkarten zum Beruf zu machen. Dafür hat sie sogar ihre Heimat im Raum Konstanz verlassen und ist nach Schönebeck gezogen. Das Expertenbüro teilt sich Kathrin Saykal mit weiteren Kollegen – einer davon ist Experte für Pokemon-Karten, der andere kennt sich mit Magic-Karten bestens aus. „Deutlich besser als ich“, gesteht Markus Schwarze.

„Ich habe vor zwei Jahren zwei Magic-Karten ‚Black Lotus‘ gekauft, einige Monate später für circa 650 Euro wieder verkauft. Jetzt kostet die Karte allerdings um die 10.000 Euro“, berichtet Markus Schwarze. Björn Bluhm, der im Unternehmen als Magic-Experte arbeitet, hätte das vielleicht gewusst. Er selbst hatte sich mal eine gefälschte Magic-Karte gekauft – ebenfalls eine „Black Lotus“. Eine sehr gute Fälschung, wie Markus Schwarze findet. „Man muss schon Experte sein, um sie zu erkennen.“ Björn Bluhm habe es erkannt, weil das Druckmuster durch eine Lupe betrachtet nicht dem von original Karten entspreche und durch einen Lichttest, bei dem man durch die Karte schaut, um die innere Lage der drei Papierschichten zu erkennen, „die bei originalen Magic-Karten immer blau ist und bisher noch nicht gefälscht werden konnte“, erklärt Markus Schwarze.

Inhaber Markus Schwarze selbst ist allerdings nicht immer in Schönebeck. Der Liebe wegen wohnt er zusammen mit seiner Frau in Rommerskirchen bei Düsseldorf, da sie dort als Lehrerin arbeitet. „Ich kann mich aber auf mein Team verlassen“, sagt er.

Firmengründung mit Familienunterstützung

Wenn er vor Ort ist, übernachte er natürlich bei seinen Eltern in Gerwisch – dort wo 2008 durch die Gründung von „Gate to the Games“ alles angefangen hat. Gegründet hatte der damals gerade Volljährige die Firma zusammen mit seiner Mutter Ingrid Schwarze. Ein erstes Gewerbe hatte er zuvor bereits mit 15 angemeldet. Nach und nach kaufte Markus Schwarze immer mehr Karten an und entwickelte eine eigene Verkaufstaktik für den Weiterverkauf. „Meine Mutter hat mir dann irgendwann geholfen, die Bestellungen zu verpacken und zur Post zu bringen. Mittlerweile ist Ingrid Schwarze Rentnerin, hilft ihrem Sohn und seinem Team stundenweise aber immer noch aus.

So ein Spiel mit Sammelkarten kann sich übrigens ordentlich in die Länge ziehen. „Manchmal geht ein Spiel nur wenige Minuten, manchmal dauert es aber auch mehrere Stunden“, erzählt Markus Schwarze. Heute finde er allerdings nur noch selten Zeit, selber zu spielen.

Aktuell drehen sich seine Gedanken nämlich um die Vergrößerung der Räumlichkeiten von „Gate to the Games“. Weil der Onlineshop stetig wächst und mehr und mehr Karten und Zubehör gelagert werden müssen, befindet sich das fein säuberlich sortierte Einzelkartenlager in dem Raum, der eigentlich Markus Schwarzes Büro ist. Sein Schreibtisch wird mittlerweile von Regalen, in denen sich die nach Editionen sortierten Karten befinden, umzingelt.

Eingekauft werden die Karten displayweise bei den Produzenten. Die einzelnen Editionen, werden aber nur in bestimmter Stückzahl produziert, weshalb Markus Schwarze und sein Team oft nicht die Menge erhalten, die eigentlich bestellt wurde.

Begrenztes Kontingent

Dadurch kommt es manchmal vor, dass nicht alle Käufer, die schon vorbestellt haben, auch beliefert werden. „Das führt natürlich zu Unmut“, sagt der 31-Jährige, weiß aber, dass die meisten seiner Kunden das verstehen. Bedingt durch das begrenzte Kontingent steigt schließlich auch der Wert der Karten, die früher auf dem Schulhof getauscht wurden – zumeist ohne Schutzfolien. Je nach Art der Karte kann so eine Karte schon mal mehrere Tausend Euro kosten – wenn sie denn in einem guten Zustand ist. Deshalb werden die meisten Sammelspielkarten in eine oder mehrere Schutzfolien verpackt und lagern in sogenannten Deck-Boxen – ebenfalls im Schönebecker Onlineshop erhältlich. Neben viel Neuware kauft Markus Schwarze aber auch Karten von privat an.

Ihre Leidenschaft für Sammelkarten zum Beruf gemacht, haben allerdings nicht nur die Experten des Onlineshops, sondern auch manche Spieler. So gibt es in der Szene auch Profispieler, die bei Yu-Gi-Oh-, Pokemon- und Magic-Spielen Geld verdienen. Bei Meisterschaften würden Preisgelder von bis zu 100.000 Euro gezahlt.

Bei diesen Meisterschaften die richtigen Karten zu haben, ist bei passender Spieltaktik also bares Geld wert. Und die Karten zum Meisterschaftserfolg wurden womöglich aus Schönebeck versendet ...