Calbe l Uwe Klamm freut sich auf die kommenden Monate. Schließlich steht ein rundes Jubiläum für sein kleines Schmuckkästchen, die Heimatstube in Calbe, bevor. Vor bald 35 Jahren, im April 1981, war das Objekt als neues Domizil der Arbeitsgemeinschaft „Heimatgeschichte“ eröffnet worden. Da war Klamm freilich noch nicht dabei. Aber natürlich weiß er, wie es damals gewesen ist. Schließlich hat er 2001 die Geschichte der Heimatstube in einer Chronik festgehalten.

Im Winter 1980 seien die bereits organisierten Heimatfreunde in das obere Geschoss des „Braunen Hirsch“, damals wie heute eine Gaststätte, hinaufgestiegen, um die Räumlichkeiten auf deren Tauglichkeit zu inspizieren.

Alter Gasthof richtiger Ort

Schnell war man sich einig, dass der an historischer Stelle gelegene Gasthof von 1653 der richtige Ort sei, um Großes entstehen zu lassen. Nichsdestotrotz - auch darüber war man sich dereinst einig - waren die Wohnräume über der Gaststätte in einem katastrophalen Zustand. „Was daraufhin begann, grenzte an eine Herkulesaufgabe“, weiß Klamm. Und er kann es belegen. Der 59-Jährige präsentiert in einem Fotoalbum Schwarz-Weiß-Bilder aus der Zeit der kräfteraubenden Bauarbeiten. Türen und Fenster waren kaputt, der Putz fiel von Wänden und von der Decke. Alte Kachelöfen rotteten vor sich hin. Dass die Substanz teilweise allerdings „nur“ etwas aufpoliert werden musste, bewies der Blick unter die ausgetretenen Fußbodenbeläge. Wer heute durch das Museum lustwandelt, kann sich an den original erhaltenen Dielen erfreuen.

Bilder

Trotzdem sei damals zunächst tonnenweise Schutt und Müll aus dem Gebäude geschafft worden, berichtet Klamm. Unter Aufsicht des technischen Leiters Peter Dahlke seien Balken erneuert und ausgetauscht worden.

Die Schilderungen des Museumsmachers sind abenteuerlich. So habe man in einem Raum der Statik ein Schnippchen schlagen müssen und einen völlig vermoderten tragenden Balken mit großem Improvisationsgeschick auszuwechseln versucht. Es gelang. Das Haus steht noch. Ein Energieleistung sondergleichen im Winter 1980/81, wenn man der Chronik des Museumsmachers Glauben schenken darf.

Eine lustige Anekdote am Rande: Bei den anfänglichen Aufräumarbeiten seien, laut Chronik, unter anderem 44 Tüten mit Taubendreck aus dem Gebäude geschafft worden. „Dann ging es aber erst so richtig los“, berichtet Klamm.

Der Vorraum bekam eine neue Treppe, Fenster und Türen wurden eingebaut, der Putz wurde erneuert. Überall hielt frische farbe Einzug, eine kleine Küche erhielt Gasherd und Spüle. Zu guter Letzt ging es an den Versammlungsraum. Hier wurden Bänke und Tische aufgebaut. Tischlermeister Ulrich aus Schwarz fertigte die Vitrinen für den Ausstellungsraum.

Bautrupp der seinesgleichen sucht

Dass auch die Elektrik auf Vordermann gebracht und eine Toilette eingebaut werden konnte, verdeutlicht nur, dass in der Heimatstube ein hochmotivierte Truppe am Wer war. „Da haben wirklich alle an einem Strang gezogen“, lautet das Fazit Uwe Klamms. Das Ziel damals gleicht der aktuellen Vision des heutigen Vereinsvorsitzenden. Man wolle veranschaulichen, wie es damals ausgesehen habe, welche Geräte etwa die Ackerbürger benutzt haben, kurzum: Zeitgeschichte zum Anfassen wolle man präsentieren. Das Hauptaugenmerke gilt dabei, so Klamm, der jungen Generation.

Und darin bestand auch das Projekt vor 35 Jahren. Sicher, man wollte gleichwohl eine Versammlungsstätte herrichten, wollte dem Verein endlich ein stabiles Dach über dem Kopf bescheren.

Die Schaffung eines Museums und das Ausstellen der Exponate habe aber immer im Vordergrund gestanden, sagt Klamm. Heute ist die Zahl der Ausstellungsstücke kaum mehr überschaubar. Das Museum ist ein wahres Schmuckstück, im vermeintlichen Durcheinander entfalten die abwechslungsreichen Exponate einen einzigartigen Charme. Und wie geht es im laufenden Jahr weiter im der Heimatstube? „Der Raum 1 bekommt neue Informationstafeln, die inhaltlich bis in die Gegenwart reichen. Die alte Bausubstanz muss ebenfalls immer im Auge behalten werden.“ Wichtig seinach wie vor die Unterstützung durch die Stadt, durch Sponsoren und im Rahmen der Möglichkeiten des zweiten Arbeitsmarktes, sagt Klamm. „Man darf nicht vergessen, das hier alles ehrenamtlich vonstatten geht.“

Am 10. April, zum 35-jährigen Jubiläum der Eröffnung der Heimatstube, wird es indes keine gesonderten Feierlichkeiten geben. „Da ist bislang nichts geplant, Veranstaltungen gibt es bei uns ohnehin das ganze Jahr über“, freut sich der Vereinsvorsitzende.