Bad Salzelmen l Die Zeit nach dem 5. September waren anstrengende Tage für Petra Koch. Am besagten Sonnabend Anfang September veröffentlichte die Volksstimme den Aufruf der Leiterin des Salzlandmuseums in Bad Salzelmen. Seit ewigen Zeiten schon stand im Fundus des historischen Hauses eine alte Truhe, 80 mal 60 mal 40 Zentimeter groß aus Massivholz mit Eisenbeschlägen und fest verschlossen. Weder im Inventarverzeichnis fand sich ein Hinweis darauf noch ein Vermerk, was sich darin verbergen könnte. Zudem gab es keinen Schlüssel. Weder im ehemaligen Salzelmener Rathaus, noch im Schönebecker oder gar anderswo: „Wir wissen einfach nicht, was wir machen sollten. Uns blieb nur, uns an die Öffentlichkeit zu wenden“, berichtete die engagierte Leiterin des Kreismuseums.

Nach dem Hilferuf-Artikel in der Volksstimme am 5. September klingelten die Telefone heiß. Auf dem Computer landeten E-Mails von wundersamen Schatztruhen-Öffnern, von Helden, die sicherlich schon beim Schreiben des Angebotes riesengroße Dollarzeichen in beiden Augen leuchten hatten. Deutschlands beste Schlossknacker und jene, die sich dafür hielten, hatten plötzlich in der Elbestadt ein schritliches Stelldichein. Auch ein bundesdeutscher Meister im Schlossknacken wurde vermittelt. Zudem stand ein überregionaler Fernsehsender seitdem fast dauerhaft auf der Matte des Salzlandmuseums auf der Jagd nach der Sensation.

Unter den Bekundungen waren nicht nur Scharlatane und sonderbare Gestalten. „Nein, das kann man nicht sagen. Wir hatten auch einige Anrufe von Einwohnern aus Schönebeck und Barby, die ähnliche Truhe hatten, ihre Hilfe anboten oder einfach nur erzählen wollten, was ihnen mit den Kisten wiederfahren ist“, berichtete Museumsleiterin Petra Koch.

Nach Umbau: Salzlandmuseum wiedereröffnet

Bad Salzelmen (ky) l Das Salzlandmuseum in Schönebeck ist wieder offen. Nach vier Jahren Umbauzeit haben sich die ersten Besucher am Eröffnungstag einen eigenen Eindruck machen können. Die Fotos hat Daniel Wrüske gemacht.

Unter Deckel wird Schließsystem sichtbar

Zu jenen Anrufern, die noch halbwegs im vertretbaren Rahmen ohne Glaskugel und Wünschelrute waren, gehörten Männer aus Aschersleben und Dresden. Letzterer erzählte der Museumsleiterin, dass er in Sachsen schon für Museen arbeitete und verschlossene Dinge fachgerecht öffnete. „Viele wollten, dass wir die Truhe in deren Werkstatt bringen. Aber dafür hatten wir keine finanziellen Mittel. Aus diesem Grund starteten wir ja im September den Aufruf über die Zeitung“, begründete Petra Koch.

Am Ende lag die Lösung nicht in Dresden, Dortmund oder sonstwo, sondern praktisch vor der eigenen Haustür. Ein Mitarbeiter eines Schönebecker Schlüsseldienstes erklärte sich bereit, sich das Schloss in der Freizeit ganz privat anzuschauen. An einem Sonntag nach zwei Stunden Friemelarbeit machte es dann plötzlich „klack“. Das Schloss mit dem Deckel ließ sich öffnen.

Was Museumsleiterin Koch dann sah, trug dazu bei, dass ihr der Atem stehen blieb. In der Schatzkiste war – nichts. Nur alte Luft und Staub. „Wir waren in diesem Moment so enttäuscht. Nicht, dass wir mit alten Münzen gerechnet hatten, wohl aber mit historischen Dokumenten und Papieren“, erzählt Petra Koch. Auch die Kämmerei des Landkreises wird enttäuscht gewesen sein. Ein kleiner Schatz zur Verbesserung der Haushaltslage wäre in diesen Tagen gar nicht so unpassend gewesen.

Nach dem Öffnen der schwarzen Truhe wurde deutlich, welche komplizierte Technik unter dem Deckel steckte. Acht Zapfen hielten das Geheimnis der Schatzkiste jahrelang verborgen und gaben den Inhalt nicht preis. Das komplette Schließsystem zeigte sich in der typischen rostbraunen Farbe. „Der Experte vom Schlüsseldienst sagte uns, dass sich mit Sicherheit nichts bewegt hätte – selbst mit Schlüssel“, so Petra Koch.

Wer hilft bei Aufarbeitung der Truhe?

Leer und ohne Überraschungen blieb auch das ominöse Unterfach der Kiste. „Solche Dukatentruhen hatten früher immer einen Unterboden. Meistens bewahrte man dort die Münzen auf, die auch schwerer waren, und darüber Papiere“, erklärte die Leiterin des Salzlandmuseums. Wie auf dem Foto zu erkennen, sind die Halterungen des Zwischenbodens eingearbeitet. Doch auch hier: kein Schatz.

Gegenwärtig kann die Truhe (noch) nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden. Geht es nach Petra Koch und ihrem Museums-Team, dann sollte die Kiste nun noch fachgerecht aufgearbeitet werden. Vor allem das Schließsystem bräuchte dringend eine Expertenhand, die den Rost beseitigt und die Eisenteile aufarbeitet. „Wenn sich nun dafür noch jemand finden würde, wären wir sehr dankbar“, so die Museumsleiterin abschließend. Für sie wäre so eine positive Meldung fast genauso viel wert wie ein großer Schatz in der Truhe.

Im Internet: www.salzland museum.de