Grünewalde l „Schön“, sagt Rosel Schramm und blickt auf eine riesige Skulptur, mitten auf dem Kreisverkehr Grünewalde. Ihr Mann Horst nickt. „Wir finden das gut“, meint er und gibt zu, dass sie erst Bedenken hatten, ob denn der Verkehr immer noch gut einsehbar sei, aber ist er. Sie sehen den Kreisverkehr durch das Kunstwerk erheblich aufgewertet. Auch die erklärende Hinweistafel loben sie, suchen nur vergeblich das Datum der Einweihung. Das wäre doch gut, wenn dieses irgendwo vermerkt wäre, meinen sie.

Bildhauer Matthias Trott und die Ideengeber, Mitglieder der hiesigen Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT), hören das zur Einweihung am Sonnabend gern und hoffen auf weitere positive Resonanzen. Der Künstler hat die Skulptur entworfen, Eckhard Henschel hat sie in seinem Tornitzer Metallbetrieb gebaut. Nun steht die Kunst da, wo sie hingehört: im Kreisverkehr Grünewalde, in unmittelbarer Nähe zur Elbe.

Da der Fluss zu Schönebeck gehört und damit die Schifffahrt, lag eine solche Skulptur nahe. Und in der Ausfertigung hat sie eine Besonderheit zu bieten: Historische Gründungspfähle aus dem Ufergrund der Elbe sind darin verbaut. Das Alter des Holzes kann auf etwa 300 Jahre geschätzt werden. Somit paaren sich uralte Eichenholzpfähle (Masten), mit Edelstahl (Segel) und Cortenstahl (rostiger Edelstahl, Rumpf).

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Schritt in Richtung "Kulturmetropole"

„Vor Jahren habe ich mal von der ,Kulturmetropole Schönebeck‘ gesprochen“, erinnert MIT-Vorsitzender und Kultusstaatssekretär Gunnar Schellenberger. Viele hätten darüber geschmunzelt. Nun sei man einen weiteren Schritt in diese Richtung gegangen. Doch der sei nur möglich gewesen, weil viele mitmachen und gemeinsame Aktivitäten starten. Wie eben diese Skulptur. Die zweite nach „Salzstadt“ auf dem Heinitzhof-Kreisel, die 2016 aufgestellt worden ist.

Und: Die Stadt Schönebeck hat keinen Cent dazu bezahlt. Die Kunst im Kreisel – im Wert von etwa 20.000 Euro – fußt komplett auf Privatinitiative und -engagement, Sponsoren und rührigen Unterstützern. Dazu gehören unter anderem der Elbufer Förderverein und die Stadtwerke. Stadtverwaltung und Kreiswirtschaftsbetrieb haben mit sogenannter Manpower unterstützt, etwa beim Ausfüllen von Anträgen.

„Kunst im öffentlichen Raum ist eine schwierige Geschichte und für den Künstler eine Herausforderung“, meint Matthias Trott und spielt damit auf die bürokratischen Hürden an. So seien zwei Jahre von der Idee bis zum Platzieren am Ort der Bestimmung ins Land gegangen. Mit der Schiffsskulptur wolle er den Menschen auch etwas mit auf den Weg geben: Kurs halten, Fahrt aufnehmen – auch in schwierigen Zeiten. Der Magdeburger Bildhauer hofft, dass die Schönebecker ihre neue Skulptur annehmen und Gäste, ob mit dem Rad oder dem Auto, auch mal genauer schauen. Gleich nebenan ist ein Parkplatz, ein Verweilen ist also gut möglich. Trott findet es schön, dass die Region trotz finanzieller Schwierigkeiten versuche, Kunst zu integrieren. „Kunst ist identitätsstiftend“, betont er immer wieder.

Stück Kultur mehr

Zustimmung findet er bei Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch, der viel Lob für die Skulptur äußert. Die Stadt sei seit der Wende dabei, ihre Identität zu suchen, „uns ins Bewusstsein rufen: Was macht uns aus?“ Bezugnehmend auf die von Schellenberger angestrebte „Kulturmetropole“ erinnert Knoblauch: „Vieles wird anfangs verlacht. Wie einst das Ringheiligtum Pömmelte. Jetzt zählen wir dort 4000 Besucher im Monat.“ Auf alle Fälle freue ihn, dass Schönebeck nun ein Stück Kultur mehr habe.

Und kaum ist das eine Projekt abgeschlossen, haben Künstler und MIT schon das nächste im Blick. Der Kreisel Ortsausgang Schönebeck, Richtung Barby, soll mit einer Skulptur, die auf das Ringheiligtum hinweist, versehen werden. Und dann ist da noch der Skulpturenpark. Dieser könnte am Weg entstehen, der das Ringheiligtum mit der zweiten Kreisgrabenanlage, die sich näher an Schönebeck heran befindet, verbindet.