Verkehr

Schönebeck: E-Scooter sind trendig, neu und gefährlich im und für den Straßenverkehr

Laut einer Umfrage des ADAC fühlen sich Fußgänger in deutschen Großstädten unwohl. Besonders ärgern sie sich über E-Scooter, die als besonders rücksichtslos gelten. Trügt der Schein? ADAC und Polizei geben Auskunft

Von Stefan Demps 13.05.2022, 17:00
Achtlos weggeworfen sind E-Scooter für Füßgänger ein Ärgernis
Achtlos weggeworfen sind E-Scooter für Füßgänger ein Ärgernis Hannes P. Albert/dpa

Schönebeck/Staßfurt - Wer in den vergangenen zwei Wochen den Meldungsbereich der Volksstimme gelesen hat, wird über verschieden Vorkommnisse gestolpert sein, die mit E-Scootern zusammenhängen.

So hielt die Polizei am 7. Mai einen Verkehrsteilnehmer an, weil keine Pflichtversicherung ersichtlich war. Am 5. Mai ging den Beamten ein E-Scooter ins Netz, der bauartverändert war. Schließlich, am 30. April, wurde ein weiterer E-Scooter Fahrer entdeckt, der ohne Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und Versicherungsnachweis unterwegs war. Dies ist nur eine kurze Auswahl. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Stellt man dies in Verbindung mit der Umfrage des ADAC ergibt sich ein Bild, dass die Fahrer von E-Scootern ziemliche Rüpel sein müssen.

Was sind E-Scooter?

„E-Scooter sind Tretroller mit Elektroantrieb, meistens klappbar“, definiert Katrin van Randenborgh Sprecherin vom ADAC.

Ingo Reupsch vom Polizeirevier Salzlandkreis erklärt: „E-Scooter zählen zu den Elektrokleinstfahrzeugen, sie sind zulassungsfrei, aber versicherungspflichtig. Das Führen bedarf keiner Fahrerlaubnis und keiner Mofaprüfbescheinigung.“ Entsprechend sind sie von jedem nutzbar. Beispielsweise können E-Scooter ausgeliehen werden.

Doch für das Fahren gelten Regeln, die eingehalten werden sollen. Ähnlich wie beim Auto gelten Promillegrenzen, die beim Überschreiten mit Bußgeldern oder Punkten bestraft werden können. „Bei Vorhandensein eines Radweges müssen die Radwege benutzt werden, sonst die Fahrbahn“, erklärt Reupsch.

„Auf dem Gehweg, in der Fußgängerzone und in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung sind die kleinen E-Tretroller verboten – außer das Befahren wird durch das Zusatzzeichen ,E-Scooter frei’ erlaubt“, ergänzt van Randenborgh. Sie unterstreicht noch einmal den Fakt, dass nicht auf den Gehwegen gefahren werden soll.

Zukunft?

„E-Scooter sind inzwischen insbesondere in den Städten weit verbreitet“, teilt die Sprecherin des ADAC mit. In einigen Städten wie Staßfurt gibt es inzwischen auch Verleiher, die E−Scooter anbieten. Nach Ansicht von Katrin van Randenborgh bilden diese Gefährte einen Beitrag zum Mobilitätswandel und eine mögliche dauerhafte Alternative.

Versicherung

„Seit Januar haben wir eine starke Nachfrage“, erklärt Andreas Schumann aus Schönebeck von der Zurich Versicherung. Und ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. „Der Markt wird größer“, macht er deutlich.

E-Scooter und andere sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge dürfen seit Juni 2019 auf deutschen Straßen fahren. Ebenso wie Mofas und Mopeds brauchen sie eine Betriebserlaubnis des Kraftfahrtbundesamtes und unterliegen der Versicherungspflicht: Für jeden Scooter muss eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden, die durch eine Versicherungsplakette am Fahrzeug nachgewiesen wird. „Wer sein E-Scooter illegal verbessert, verliert seinen Versicherungsschutz“, macht Schumann deutlich. Er selbst habe aber einen solchen Fall noch nicht gehabt.

Gefährdung

Wie jeder andere Teilnehmer im Straßenverkehr sind auch Fahrer von E-Scootern gefährdet. Neben der Pflicht auf Alkohol weitestgehend zu verzichten, gilt ebenfalls, kein Handy zu nutzen.

„Eine Helmpflicht besteht für E-Scooter nicht – es ist aber empfehlenswert, sich mit einem Helm zu schützen“, erklärt Katrin van Randenborgh.

Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit bei derzeit 20 Stundenkilometer liegt, stellen Unfälle auch bei der Geschwindigkeit eine Gefahr dar.

Wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen, wäre sicher vieles einfacher. Lesen Sie dazu auch den Kommentar des Autors