Barby l Nun war die Vertreterin der Stadtverwaltung wegen ihres feinen Büro-Zwirns eher weniger geeignet, mit dem Spaten Löcher in die Erde zu buddeln und Blumenzwiebeln zu versenken. Dennoch war es eine symbolische Geste, dass sie zusammen mit Antje Knopf, Reha-Qualitätsbeauftragte Sabine Futterlieb und mehr oder weniger begeisterten Siebtklässlern der christlichen Sekundarschule das Pflanzprojekt im feucht-kühlen Schlosspark unterstützte.

Denn was dank Antje Knopf hier (und auch in Schönebeck) geschah, war und ist eine engagierte Meisterleistung. „Wir stecken rund 13.000 Zwiebeln früher und mittlerer Narzissen, Traubenhyazinthen, Krokussen und Schneeglanz in den Boden“, freute sich die 39-Jährige. Denn in unserer zunehmend „ausgeräumten“ Landschaft werden blühende Flächen immer seltener.

Landwirtin Antje Knopf erklärte den Kindern, dass nicht nur der Schönheitsgedanke in der Aktion zähle, sondern auch ein Naturschutzgedanke hinter allem stecke. „Die frühen Krokusse sind die ersten Nektarquellen für Wildbienen und Hummeln“, so die junge Frau.

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Vielfalt lebensnotwendig

Neben der Varroa-Milbe, die die Bienen existenziell gefährdet, macht ihnen andererseits die Intensivierung der Landwirtschaft zu schaffen. Die lebensnotwendige Blütenvielfalt geht dadurch verloren. Wiesen werden meist schon vor der Blüte gemäht, blühende Unkräuter bekämpft, Insektizide und Pestizide schaden den nützlichen Insekten.

„Die Bienen finden immer weniger Nahrung“, bringt es Antje Knopf auf den Punkt. Denn der einseitige Anbau in der industrialisierten Landwirtschaft lässt kaum noch eine wilde Pflanze stehen. Sie appelliert auch an die Hausbesitzer, statt „öder“ Koniferenhecken lieber blühende Sträucher zu pflanzen. Vorgärten mit Thujahecken, exotischen Zierpflanzen und Schotterflächen seien „bienenunfreundlich“. Denn ohne die Bestäubungsleistung der Bienen könnten wir nur einen Bruchteil der jetzigen Menge an Obst und Gemüse ernten. Auch andere Tiere leben von Samen und Früchten, die es ohne Bienen nicht gäbe. Die Krokuswiese im Barbyer Schlosspark dürfte aber noch einen anderen Effekt haben: Die Kinder werden sich vermutlich später daran erinnern, dass sie es waren, die den Grundstein legten.

Gesponsertes Saatgut

Den Kontakt zu Antje Knopf hatte Barbys Bauamtsleiter Holger Goldschmidt im vergangenen Jahr hergestellt, dem deren bisherige Aktivitäten im Stadtgebiet von Schönebeck nicht verborgen blieben. Die ehrenamtliche Naturschutzhelferin hatte Orte wie den Ruth-Lübschütz- und den Karl-Jänecke-Platz, den Kurpark oder ein Areal am Ameos-Klinikum mit ihren Krokussen veredelt. Auch hier waren es Freiwillige, die ihr zur Seite standen.

Antje Knopf ist seit mehreren Jahren im Herbst unterwegs, um pflanzend den Startschuss dafür zu geben, dass es im Frühling hier und da blüht. Sie organisiert das Saatgut, das von Sponsoren finanziert wird.

In Barby waren das hauptsächlich der Weizenverarbeiter Cargill und die Reha-Klink.