Biere l Heute sitze ich zum aller ersten Mal in meinem Leben hinter dem Steuer eines Trabis. Das hatte ich mir schon immer einmal vorgenommen. Allerdings hat es sich bisher einfach noch nicht ergeben. Ich selbst bin Baujahr 1976 und war bei der Wiedervereinigung im Alter von 14 Jahren noch viel zu jung zum Autofahren. Von meinen Freunden fährt auch keiner Trabi, aus meiner Familie sowieso nicht. Bin ich doch in Hamburg aufgewachsen, um nicht zu sagen: im Westen.

Doch das anstehende IFA- und Ostmobile-Treffen am Sonnabend in Biere ist für mich ein willkommener Anlass, das Projakt Trabi fahren endlich einmal umzusetzen. Als „Fahrlehrer“ stellt sich mir Martin Kusebauch vom Ersatzteilhandel Zweitaktladen.de zur Verfügung. „Trabi fahren ist ganz einfach“, sagt 34-Jährige beruhigend. Da bin ich mir allerdings nicht so sicher. Was ich bisher über die Lenkradschaltung und den Choke gehört habe, stimmt mich nicht gerade zuversichtlich. Ehrlich gesagt bin mir sogar unsicher, ob ich den Trabanten von Kusebauch überhaupt starten kann. Immerhin will er mir sein eigenes Fahrzeug für eine Probefahrt zur Verfügung stellen.

Wo ist die Klimaanlage?

Wir treffen uns am Festplatz in Biere, an dem am Sonnabend auch die Veranstaltung steigt. Martin Kusebauch rückt auf den Befahrersitz seines grauen Trabis, und ich nehme tatsächlich um ersten mal in einem Trabanten Platz, und dann auch noch auf dem Fahrersitz. Wichtigste Frage zuerst: „Wo ist die Klimaanlage?“, möchte ich bei der Hitze wissen, auch wenn ich keine großen Hoffnungen habe. Martin Kusebauch zeigt auf das heruntergekurbelte Autofenster. „Die ist doch schon an“, sagt er und lacht. Das war zu erwarten.

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Die nächste Hürde: Ich kriege den Gurt nicht aus der Halterung. Mein Fahrlehrer muss mir schon beim Anschnallen helfen. Das fängt ja gut an. Als nächstes soll ich den Benzinhahn öffnen. Gar nicht einfach, den kleinen Knopf zu drehen. Ich habe Angst, ihn abzubrechen. Doch Kusebauch redet mir gut zu, und mit etwas Kraft dreht sich der Knopf schließlich doch noch. Benzin: läuft!

Als nächstes die Hände ans Steuer. Ganz schön dünn, wie mir auffällt. Dann die gute Nachricht: Den Choke brauche ich überhaupt nicht. Denn Martin Kusebauch ist mit dem Trabi zum Treffpunkt gefahren und der Motor ist schon warm. Das trifft sich gut. Ich habe sowieso nie verstanden, wozu der eigentlich gut sein soll.

Trabi fahren macht Spaß

Zündschnüssel drehen. Der Motor springt tatsächlich an und es ertönt der typische Trabi-Klang, der mich eher an ein Mofa erinnert. „Einfach Gas geben“, sagt Martin Kusebauch und ich lasse den Motor röhren. „Jetzt den Gang einlegen.“ Leichter gesagt als getan. „Den Schalter nach unten ziehen.“ Und los. Der Trabi setzt sich in Bewegung. Ehrlich gesagt hatte ich zweifel, dass ich es überhaupt so weit schaffe. Wir tuckern im ersten Gang am Festplatz vorbei. Klappt schon mal ganz gut. „Und jetzt auf die Straße“, sagt mein Fahrlehrer. Ich schlucke kurz. Soweit wollte ich eigentlich gar nicht fahren. Aber wenn er mir dass zutraut, dann muss ich wohl auch. Und so finde ich mit Hilfe von Martin Kusebauchs Anweisungen schließlich den zweiten und auch den dritten Gang und fahre durch Biere.

„Macht Spaß, durchs Dorf zu fahren, was?“ sagt mein Fahrlehrer. Tatsächlich hat der Begriff Rennpappe etwas für sich. Trabi fahren erinnert vielleicht ein bisschen an GoKart fahren und macht Spaß. Vorteil: Der Kleine passt auch bei Gegenverkehr durch schmale Straße durch. „Der Trabi kommt einfach immer an. Auch bei langen Strecken“, sagt Martin Kusebauch, der tatsächlich am liebsten mit seinem Trabanten in den Urlaub fährt. „Über die Alpen nach Italien, das fetzt.“

Sein ersten Trabi hat er bereits im Alter von 17 Jahren gekauft. „In der Volksstimme wurde in einer Anzeige einer für 200 DM verkauft“, erinnert er sich. Güngstig für einen Wagen mit gerade 47.000 Kilometern auf dem Buckel. „Ich bin mit meiner Muter hingefahren, damit sie ihn abholt.“ An Mofas hat er schon vorher herum geschraubt. 2005 eröffnete er schließlich seinen Zweitaktladen. Das ist vor allem ein Internetversanhandel. „Einige Stammkunden und auch die Trabi-Fans aus der Regon kommen allerdings diret zu mir“, sagt Martin Kusebauch.

Den Rückwärtsgang gefunden

Nachdem ich sogar den Rückwärtsgang gefunden habe und schließlich wende, fahren wir wieder zurück zum Festplatz. Martin Kusebauch hat viel Geduld und gibt mir sehr verständliche und ruhige Anweisungen für die Schaltung. „Ich zeigt den Leuten öfter mal, wie man Trabi fährt“, sagt er und das merkt man auch. Mein Fahrlehrer in der Fahrschule war sehr viel ungeduldiger.

Am Festplatz steigen wir aus, und ich bin schon ein biss- chen stolz, dass ich mit dem Trabi ganz gut zurecht gekommen bin. Das hat sehr viel besser geklappt als erwartet. Ok, der Trabant ist auch nur ein Auto, aber die Lenkradschaltung hat te mir vorab doch etwas Respekt eingeflöst. Mission Trabi erfolgreiche abgeschlossen.

An unserem Ziel wartet Björn Reimann von den Trabantfreunden auf mich, die das IFA- und Ostmobile-Treffen mit dem Bierer Kulturverein organisiert. Als Chef der Gruppe möchte er sich nicht so gern bezeichnen lassen, da alle Mitglieder wichtig seien. Zumindest ist er seit dem Anfang vor zehn Jahren dabei und ist mein Ansprechpartner. „In diesem Jahr hat uns vor allem der Brandschutz Sorgen gemacht“, sagt Björn Reimann. Denn wegen der Hitze seien die Sicherheitsauflagen so hoch gewesen, dass die Veranstaltung auf der Kippe stand. „Es hat aber alles geklappt.“

300 Fahrzeuge werden erwartet

Auch zur zehnten Auflage der Veranstaltung werden wieder mehr als 300 Ost-Fahrzeuge mit ihren Fahrern aus nah und fern erwartet und noch einmal doppelt so viele Zuschauer. „Im vergangenen Jahr waren sogar Leute aus Bad Doberan oder Hessen da“, erzählt Reimann. Denn Trabi-Liebhaber gibt es inzwischen schon längst nicht mehr nur in den neuen Bundesländern. „Beim Trabant geht es eben immer noch ohne die ganze moderne Technik. Da muss man noch richtig von Hand fahren“, sagt Björn Reimann über seine Begeisterung für das alte Fahrzeug.

Und natürlich werden auch Motorräder und Mofas bei der Veranstaltung am Sonnabend zur sehen sein. „Und wenn jemand mit einem alten VW-Käfer kommt, dann schicken wir ihn natürlich auch nicht weg“, sagt Björn Reimann. „Das war schließlich in Westdeutschland ein ähnliches Kult-Auto wie bei uns der Trabant.“

Was wiederrum ein interessanter Vergleich ist, auf den ich gar nicht gekommen wäre. Tatsächlich hat mein Vater früher immer von seinem altem Käfer geschwärmt. Ich selbst bin nur den Nachfolger Beetle als Cabrio gefahren. Aber der fährt sich zumindest mit offenem Verdeck auch nicht wirklich viel schneller als der Trabi.

Positives Fazit

Insgesamt fällt mein Fazit zur Rennpappe positiv aus. Ich habe mich nicht ganz so blöd angestellt wie befürchtet, und vermutlich könnte man nach einer Weile auch die Gänge intiutiv und ohne großes Überlegen finden. Bei der jetzigen Hitze würde mir die Klimaanlage meines Twingos allerdings auf Dauer doch fehlen. Nicht zuletzt macht Trabi fahren aber einfach Spaß.

10. IFA- und Ostmobile-Treffen. Bördeland Orteil Biere. Festplatz Friedensstraße/Pfinggraseweg. Sonnabend, 10 bis 17 Uhr. Ausstellung, Teilemarkt und Live-Musik.