Ranies l Das Novemberwetter trägt seinen Teil dazu bei: Das Sängerwäldchen in Ranies zeigt sich trist. Die Bäume fast ohne Laub. Die Bühne vereinsamt. Die Tischtennisplatte irgendwie nicht dazugehörig. Ebenso die Lianenschaukel. Dabei sollte dort zu jeder Jahreszeit Leben herrschen. Kinder sollten beim Spielen lachen, Eltern beim Aufpassen miteinander plaudern. Das ganze normale Dorfleben eben.

Doch der Spielplatz ist schon lange kein Spielplatz mehr. Das Holz, das verbaut worden war, ist morsch gewesen. „Die Spielkombination ist schon seit 2018 weg“, sagt Silke Beyme vom Sachgebiet Grünflächen der Stadt, unter anderem für die Spielplätze zuständig. Stichwort: Gefahrenabwehr. Nur Lianenschaukel und Tischtennisplatte sind geblieben ...

Der Verwaltung ist bewusst, dass der Ort, der aktuell 33 Kinder unter 14 Jahre zählt, einen Spielplatz braucht. Darauf verweisen auch immer wieder die Ranieser. Deshalb sei 2018 auch – weil die Stadt es aufgrund der klammen Kasse nicht komplett aus dem eigenen Säckl bezahlen kann – ein Antrag auf Fördermittel gestellt worden. Abgelehnt. 2019 ein neuer Versuch, erklärt sie. „Jetzt stehen wir auf der Prioritätenliste.“ Ein gutes Zeichen, um beim Verteilen der Gelder aus dem Topf des Programms Leader (für Investitionen und Aktionen, die zu einer nachhaltigen Stärkung ländlicher Räume beitragen) mit dabei zu sein, findet die Stadtmitarbeiterin. Ein entsprechender Antrag soll gleich im Januar 2020 gestellt werden. Und dem Wunsch der Ranieser, dass der Spielplatz umziehen könnte, soll Rechnung getragen werden. Aber nicht wie vor Jahren angedacht auf den alten Tennisplatz vis-a-vis des Sängerwäldchen – denn da soll nun Platz für Häuslebauer entstehen. Damals seien die Spielgeräte auch noch in Ordnung gewesen und die Stadt hatte kein Geld für einen Umzug. Der Spielplatz soll auf die freie Grünfläche in der Dorfmitte verlagert werden.

Anliegen schon länger verfolgt

Rüdiger Kunze, Ortschef von Ranies, freut es, dass der Spielplatz umzieht. Dieses Anliegen verfolge der Ortschaftsrat schon länger, sagt er auf Volksstimme-Nachfrage. Denn: Nach den letzten Stürmen sei das Sängerwälchen oft gesperrt worden. Größere und kleine Äste lagen nicht nur auf dem Boden, sondern hingen auch in den Bäumen fest. Zu groß wäre die Gefahr, wenn in dem Bereich gespielt worden wäre. „Deshalb hatte sich der Ortschaftsrat schon Gedanken gemacht, wohin der Spielplatz umziehen könnte“, so Kunze. „Es ist schön, dass die Stadt sich kümmert.“ Er wisse, dass die Verwaltung schon länger dieses Projekt für Ranies verfolgt.

Seit Sommer gibt es noch einen weiteren Grund für einen Umzug aus dem Sängerwäldchen. Der Eichenprozessionsspinner hat die Bäume befallen. Das Areal wurde gesperrt. Sichtbare Nester, vor allem in Kita-Nähe, sind abgesaugt worden. Aufgrund der Jahreszeit ist das Risiko – die Härchen der Raupen können allergische Reaktionen auslösen – derzeit gebannt. Doch der Spinner könne auch in den kommenden Jahren wieder auftreten. „Jetzt können immer noch die winzig kleinen Eier des Spinners an den Zweigen hängen, für das menschliche Auge nicht sichtbar“, weiß Silke Beyme. Aufgrund des sehr großen Eichenbestandes und der klimatischen Veränderungen sei die Wahrscheinlichkeit, dass die gefährlichen Raupen dort wieder auftauchen, sehr groß. Und diese Gefahr wolle man nicht eingehen. „Damit wäre keinem geholfen. Aber: Wir wollen keine Panik machen. Wir hatten zwar Nester, aber keinen Kahlfrass. Dann wäre es richtig schlimm. Dennoch bergen die Raupen für empfindliche Personen eine Gefahr.“

Die Spielgeräte, die neu angeschafft werden, sollen das Miteinander der Generationen fördern, betont die Diplom-Gartenbauingenieurin. Sie sollen also nicht nur für Kinder sein, sondern auch für Erwachsene, zum Beispiel eine Doppelschaukel für Mutter oder Vater und Kind oder Geräte für jüngere und ältere Kinder.

Infoveranstaltung

Mitarbeiter der Verwaltung wollen den Ortschaftsrat und interessierte Bürger über das Vorhaben informieren. Sie werden auf den Stand der Planungen eingehen, Wünsche zu den Spielgeräten aufnehmen. Und zwar am Dienstag, 10. Dezember, 18 Uhr im Ortschaftsbüro. Daran schließt sich um 19 Uhr die Ortschaftsratssitzung an.

Doch auch wenn die Vorzeichen durchweg optimistisch stimmen, merkt sie an: „Wir bewerben uns erst um Fördermittel. Es kann sein, dass die Bewilligung erst im Laufe des Jahres kommt und wir erst 2021 bauen können.“ – Es könne aber auch der Fall eintreten, dass die Mittel nicht fließen, aus welchen Gründen auch immer. Doch die Stadtmitarbeiterin ist zuversichtlich und geht davon aus, dass Ranies bald wieder einen Spielplatz hat. An neuem Ort, mit neuen Geräten.

Die Stadt rechnet dafür mit einer Bausumme von 50.000 Euro. Gezahlt werden muss per Vorkasse. 65 bis 75 Prozent würden über das Förderprogramm dann wieder in die Stadtkasse zurückfließen.