Volksstimme: Man gerät in eine Notsituation. Erst helfen, oder erst den Notruf absetzen?
Daniel Schürmann: Ganz wichtig ist hier erst einmal: Wer sich nicht traut, selber zu helfen, sollte in jedem Fall einen Notruf absetzen. Aber besser ist es, wenn man sich schon einmal einen groben Überblick über die Situation verschafft hat. Denn hier gilt: Umso genauer die Person, die den Notruf absetzt, die Lage beschreiben kann, umso besser können sich die Einsatzkräfte vorbereiten. Sollte man in der Zwischenzeit selbst helfen, muss man unbedingt darauf achten, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen.

Auf welche Fragen müssen sich Menschen gefasst machen, wenn sie die „112“ wählen?
Auf jeden Fall werden die fünf „Ws“ abgefragt: Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Was für Verletzungen haben sie? Und – ganz wichtig: Warten auf mögliche Rückfragen. Einige legen in der Hektik während des Telefonates auf. Das sollte man auf keinen Fall tun.

Einige Anrufer haben bestimmt Angst, dass das Gespräch zu lange dauert, dass nicht schnell genug jemand kommt. Was können Sie diesen Menschen zur Beruhigung sagen?
Meist werden bereits während des Gespräches Einsatzkräfte losgeschickt. Auch gilt die Hilfsfrist von zwölf Minuten bereits ab dem Anruf. Diese Hilfsfristen werden im Salzlandkreis in aller Regel eingehalten.

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Was kann man in der Zwischenzeit selbst tun, um dem oder den Verletzten zu helfen?
Am wichtigsten ist es, zu versuchen, ruhig zu bleiben. Und so auch den Verletzten zu beruhigen. Auch kann man bereits Erste-Hilfe-Leistungen durchführen – etwa blutende Wunden stillen. Hier hilft es, zu wissen, dass selbst Bagatellverletzungen wie Platzwunden oft viel dramatischer wirken, als sie tatsächlich sind. Es hilft also nicht, in Panik zu geraten.

Wenn man den Notruf abgesetzt hat, wie lange sollte man dann bleiben?
Prinzipiell ist es immer schön, wenn der Anrufer dableibt. Das kann etwa helfen, wenn die Unfallstelle schwer zu finden ist. Dann kann der Anrufer beispielsweise den Rettungsdienst einweisen. Bei Verkehrsunfällen kann der Anrufer auch der Polizei als Zeuge dienen.

Was kann man sonst noch tun, um den Einsatzkräften vor Ort die Arbeit zu erleichtern?
Die Erleichterung beginnt bereits auf der Straße: Wer einen Rettungs-, Feuerwehr- oder Polizeiwagen mit Blaulicht sieht, sollte unbedingt den Weg freiräumen, eine Rettungsgasse bilden. Das kann man nicht oft genug sagen. Auch am Unfallort sollte man den Anweisungen der Einsatzkräfte folgen und beispielsweise den Weg für sie freiräumen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern. Leider kommt es immer häufiger vor, dass man als Einsatzkraft am Unfallort angepöbelt wird. Das behindert unsere Arbeit natürlich. Dabei tun wir wirklich alles, um den Menschen so schnell und so gut wie möglich zu helfen.