Krankenhaus

Tarif-Verhandlungen für Mitarbeiter im Krankenhaus bei Ameos gestalten sich für Verdi schwierig

Die Friedenspflicht für die Tarif-Verhandlungen von Verdi mit Ameos endet am 30. Juni. Derzeit geht es in den Verhandlungen um Sonderzahlungen, Urlaub und Arbeitszeiten im möglichen Tarifvertrag. Dazu wurde über eine Corona-Prämie vom Arbeitgeber und weitere Lohnerhöhungen gesprochen.

Von Enrico Joo
Seit Februar 2020 wird um Tarifverträge in den Krankenhäusern bei Ameos Ost verhandelt. Auch für das Staßfurter Krankenhaus.
Seit Februar 2020 wird um Tarifverträge in den Krankenhäusern bei Ameos Ost verhandelt. Auch für das Staßfurter Krankenhaus. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zenralbild

Staßfurt/Schönebeck

Ticktack. Die Zeiger der Zeit bewegen sich und der 30. Juni als Frist rückt näher. Im Februar 2020 hatten Krankenhausbetreiber Ameos und die Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund Tarifverhandlungen für Mitarbeiter aufgenommen. Die Streiks für bessere Löhne wurden vorerst eingestellt, man einigte sich auf eine Friedenspflicht bis zum 30. Juni 2021. Seitdem treffen sich die Verantwortlichen einmal im Monat zu Verhandlungen.

Im Sommer 2020 stieg der Marburger Bund aus den Verhandlungen aus, weil Ameos aus Sicht der Ärzte-Gewerkschaft den Ärzten keinen eigenen Tarifvertrag zugesteht. Verdi verhandelt seitdem allein, vor allem für Pflegekräfte der Kliniken in Aschersleben, Bernburg, Haldensleben, Schönebeck und Staßfurt. Am 22.

April fand die nächste Verhandlungsrunde statt.

Wie ist der Stand? „Wir arbeiten weiter an einem Manteltarifvertrag“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Bernd Becker. „Wir orientieren uns an einem Tarifvertrag von Ameos-Krankenhäusern in Schleswig-Holstein. Dieser ist sehr nah am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst.“ So richtig positiv gestimmt ist Becker nach dem Gespräch im April aber nicht. „Es gibt bisher keinen Durchbruch in den Verhandlungen. Damit wird es schwierig bis Ende Juni. Wir halten aber am Ziel fest“, sagt er.

Nur noch ein Verhandlungstermin bis Ende Juni

Klinikbetreiber Ameos bestätigt, dass es bis dahin nur noch einen Verhandlungstermin gibt. „Bestandteile der Tarifverhandlungen sind un-ter anderem der Manteltarifvertrag und die Entgeltordnung“, teilt Ameos-Sprecherin Maren Brandt mit. „Naturgemäß vertreten die Parteien unterschiedliche Auffassungen, die in fairen und konstruktiven Gesprächen geeint werden“, so Brandt sehr allgemein. „Generell sind die Verhandlungen unter Corona-Bedingungen und insbesondere durch die ständigen Veränderungen bei den Verordnungen schwer durchführbar.“

Bernd Becker wird konkreter. „Wir kommen jetzt in das, was Geld kostet“, sagt der Verdi-Verhandlungsführer. Es gehe unter anderem um Jahressonderzahlungen, Krankheitszuschüsse, Weihnachtsgeld, den Urlaubsanspruch oder die genaue Arbeitszeit, also 38 oder 40 Stunden in der Woche.

Dazu wurde laut Becker über eine Corona-Prämie von Ameos gesprochen. Im Juni sollen die Mitarbeiter einmalig 500 Euro vom Arbeitgeber bekommen. Des Weiteren ist eine weitere Gehaltserhöhung zum Jahresende fast fix. Bereits im Sommer 2020 gab es erste Einigungen für höhere Löhne und Sonderzahlungen. In 2020 wurde das Gehalt bei Ameos Ost um drei Prozent aufgestockt. Für Haldensleben einigte man sich zusätzlich auf eine Steigerung um zweimal 2,8 Prozent im Januar und Juni dieses Jahres. In den vier Kliniken im Salzlandkreis wurde eine Steigerung der Löhne von jeweils 2,5 Prozent im Januar und Juni 2021 vereinbart.

Lohnsteigerung im Dezember

Neu ist: „Im Dezember soll es im Salzlandkreis eine erneute Steigerung um ein Prozent geben, insgesamt in 2021 also um sechs Prozent. In Haldensleben sollen die Gehälter Ende des Jahres um weitere 1,5 Prozent steigen, insgesamt im Jahr 2021 dann also um 7,1 Prozent“, sagt Bernd Becker. „Die Planungen dafür liegen in den letzten Zügen.“

Die Friedenspflicht für Streiks endet am 30. Juni für Bedingungen des Manteltarifvertrages wie Sonderzahlungen oder Urlaub. „Nicht aber für die Weiterentwicklung in der Entgelt-Tabelle“, betont Becker. Das heißt: Einigen sich Verdi und Ameos bis Ende Juni nicht bei den Bedingungen des Manteltarifvertrags, darf wieder gestreikt werden. Auf den Plakaten darf aber nicht stehen, dass mehr Lohn gefordert wird, denn darüber wird verhandelt. Hier gab es ja auch schon einige Einigungen. Es dürften aber sehr wohl mehr Urlaub oder Jahressonderzahlungen gefordert werden.

Ist es theoretisch denkbar, über den 30. Juni hinaus eine neue Friedenspflicht und neue Verhandlungstermine zu vereinbaren? „Sollte dies notwendig werden, wäre dies von Seiten Ameos sicher denkbar“, so Ameos-Sprecherin Maren Brandt.

Ob ab Juli wieder gestreikt wird, entscheidet dabei nicht Verdi. „Das muss die Tarifkommission entscheiden“, erklärt Verdi-Verhandlungsführer Becker. Diese besteht aus mehreren Mitarbeitern von Ameos, die bei Verdi organisiert sind. Diese sind auch Verhandlungspartner in Tarifgesprächen.