Calbe l Langsam fährt die Wirtschaft wieder hoch. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis das Leben wieder so wird, wie es vor der Corona-Pandemie war, sagt die Calbenser Taxiunternehmerin Dagmar Linke. Aus ihrer Sicht ist sie von der früheren Normalität noch ein ganzes Stück entfernt. Die Zahl der täglichen Fahrten nimmt zwar von Woche zu Woche zu. Dennoch ist der kleine Betrieb mit 16 Mitarbeitern noch weit von den früheren Kilometerleistungen der Fahrzeuge entfernt, schildert sie.

Damit sich ein Taxibetrieb rentiert, muss sich das Fahrzeug bewegen. Stehende Taxis verdienen kein Geld. Das gilt auch für andere Unternehmen, die ihre Dienste auf Rädern anbieten. In den zurückliegenden Jahren hat die Unternehmerin in Calbe ihren kleinen Betrieb stetig ausgebaut. Der Bedarf von Fahrdienstleistungen wuchs in den zurückliegenden Jahren. Längst warten die Taxibetriebe nicht mehr nur auf die Bestellung einer privaten Fahrt. Vielfältig sind die Unternehmen heute tätig und bieten ihre Dienste ebenso an, wenn Patienten zur Behandlung in Kliniken gefahren werden müssen. Längst nicht immer ist dafür ein Krankenwagen notwendig. Die Mehrheit der Patienten kann ganz normal im Auto gefahren werden.

Wegen der Corona-Pandemie konzentrierten sich die Krankenhäuser allerdings auf die angekündigten schweren Verläufe der Pandemie. Der normale Klinikalltag veränderte sich so. Was nicht unbedingt notwendig war, wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, um die Kapazitäten des Gesundheitssystems nicht zu überlasten.

Der Alltag kehrt zurück

Fahrten zu Kliniken gab es monatelang so gut wie nicht mehr. Langsam, sagt sie, kehre der Alltag aber nun wieder zurück und die Zahl der Klinikfahrten nehme wieder täglich zu.

70 Prozent der sonst eingehenden Fahraufträge blieben aktuell noch aus, sagt sie. Doch sie hat bereits drei Fahrer aus der Kurzarbeit zurück geholt. Während der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen war das gesamte Personal in der Kurzarbeit. Dabei musste der Betrieb weiter rund um die Uhr erreichbar sein, sehen die Bedingungen für die Lizenz des Betriebes vor. Mit den Einschränkungen einer Pandemie hatte da wohl niemand gerechnet.

Eine Soforthilfe habe sie auch vom Land erhalten, bestätigt die Chefin. Das Geld habe sie gut gebrauchen können, um die nötigen Zahlungen leisten zu können. In der Regel gehören die Fahrzeuge nicht dem Unternehmen, sondern finanziert. Das sei auch bei ihr so, sagt sie. Die Bank habe zwar eine Ratenpause angeboten. Die hätte dem Unternehmen aber nichts gebracht, erzählt sie weiter. Deshalb habe sie sie nicht in Anspruch genommen.

„Ich bin froh, dass ich alle Beschäftigten behalten konnte, auch wenn sie in Kurzarbeit sind“, sagt sie. Elf der Mitarbeiter sind aktuell noch zu Hause. Sie hoffe, dass sie in den kommenden Wochen den weiter hochfahren könne. Allerdings wird es wohl in den kommenden Monaten noch weitere Einschränkungen geben. Viele private Feiern sind in den zurückliegenden Wochen ausgefallen. Gerade bei Jugendweihen und Konfirmationen sind die Dienste der Taxiunternehmen regelmäßig gefragt, erzählt sie. Die Feiern sind abgesagt und offen ist, ob sie in diesem Jahr noch nachgeholt werden. Ähnlich wie die Gastronomie sei auch das Taxigewerbe von den privaten Feiern mit betroffen. Wann sich hier die Situation normalisiere, hänge von den weiteren Einschränkungen in der Zukunft ab.

Einziger Trost

Der einzige Trost sei in den vergangenen Wochen gewesen, dass die Spritpreise im Keller waren. Allerdings war der geringe Treibstoffpreis an den Tankstellen auch mit den fast weltweiten Einschränkungen in Verbindung zu bringen. Die Nachfrage nach Treibstoffen brach in vielen Ländern dramatisch ein, weil Menschen zu Hause blieben und die Wirtschaft weniger Öl verbrauchte. Das Taxiunternehmen gehörte ebenso zu den Firmen, die in den vergangenen Wochen weniger Treibstoffe benötigten.

Welche finanziellen Spuren die Corona-Pandemie im Jahresabschluss des kleinen Betriebes hinterlässt, muss noch abgewartet werden. Der Umsatzrückgang der vergangenen Wochen dürfte aber kaum in der zweiten Jahreshälfte noch aufzuholen sein, schätzt die Unternehmerin die Zukunft vorsichtig ein.