Schönebeck l An der Hausfassade prangt noch der übergroße Schriftzug „Teutloff Kita“. Nur am Haupteingang ist ein kunterbunt gestalteter Dachziegel mit der Aufschrift „Kita Altstadt“ zu finden. Der Übergang ist bereits im April passiert. Fast unbemerkt. „Alles bleibt, wie gehabt. Wir haben alles, wie es ist, übernommen“, sagt Remo Kannegießer, Geschäftsführer des Vereins Nestwärme. Es gebe keine Einbußen, keine Verschlechterungen. Die Kita biete weiterhin 26 Krippen-, 34 Kita- und 32 Hort-Plätze. Das Team bestehe weiterhin aus 15 Mitarbeitern.

Das kann Kitaleiterin Heike Sandau nur bestätigen. „Aus meiner Sicht ist das das Beste, was uns als Kita passieren konnte. Nun sind wir bei einem Träger, der größer aufgestellt ist. Eine positive Entwicklung für alle.“ Sie spielt damit auf den chronischen Fachkräftemangel an, mit dem auch die Teutloff-Kita oft zu kämpfen hatte. Diese Sorge müsse sie nun nicht mehr haben. „Da der Verein Nestwärme mehrere Einrichtungen hat, kann das Personal im Notfall auch mal verschoben werden. Zum Zeitpunkt der Übernahme waren wir zum Beispiel unterbesetzt und haben sofort Unterstützung bekommen“, erzählt sie.

Der neuen Trägerschaft blickt Heike Sandau gelassen entgegen. „Ich kenne den Träger sehr lange, der Verein hat einen guten Ruf.“ Dennoch: Die Teutloff-Zeit möchte sie nicht missen. Sie sei seit 1988 Leiterin dieser Einrichtung, erst in städtischer und dann in freier Trägerschaft.

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Enge Kooperation

Und die Verbindung zu Teutloff wird und soll erhalten bleiben. Das liegt allen Seiten am Herzen. Es gibt einen Kooperationsvertrag. Denn die Kita ist spezialisiert auf den technisch, handwerklichen Bereich und das soll so bleiben und weiterhin gefördert werden. Eben in Zusammenarbeit mit Teutloff. Somit hat jede Nestwärme-Kita eine andere Ausrichtung: Ranies – Musik und Natur; Barby – Sprache; Felgeleben – Gesundheit, Kneipp; Altstadt – Technik.

Das Lernen ein Leben lang, von ganz klein bis ins hohe Alter – das sei einst auch der Ansatz gewesen, warum sich die Bildungseinrichtung 1992 für eine eigene Kita entschieden habe, sagt Susan Brauer, Prokuristin bei Teutloff. Doch in den vergangenen Jahren sei es immer schwieriger, Fachpersonal zu finden – wenn Erzieher in Rente gehen, der Liebe wegen wegziehen oder sich für eine wohnortnähere Arbeit entscheiden. „Remo Kannegießer hat uns oft ausgeholfen“, schätzt sie auch die gute Zusammenarbeit vor der Übernahme. Dennoch hieß es oft für das Teutloff-Team: „Alarm, wir müssen Ersatz besorgen“, schildert Prokurist Dominik Langoff. „Doch der Markt ist wie leer gefegt, es war ein ständiges Suchen.“

Auf Kerngeschäft konzentrieren

Dazu kommt, dass die Teutloff-Schulung und Schweißtechnische Bildung gGmbH seit geraumer Zeit einen chinesischen Gesellschafter hat. „Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren“, sagt Susan Brauer. Und so habe man nach Absprache mit China entschieden, die Kita abzugeben. Es sei ein klassischer Betriebsübergang, das Gebäude gehöre weiterhin Teutloff. „Ein wenig traurig sind wir schon ... Es war eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Kita-Team“, so die Prokuristin. „Wir denken aber, bei Remo Kannegießer ist die Kita in besseren Händen. Wir haben als Arbeitgeber ja auch eine Verantwortung. Und wenn die Erzieher immer Überstunden machen und am Limit arbeiten müssen, ist das auf Dauer nicht der richtige Weg.“

Nicht nur bezüglich der Kita gibt es bei Teutloff Veränderungen. Hat die gemeinnützige Gesellschaft zu Spitzenzeiten, wie 2006, 110 Mitarbeiter gehabt (2006), so sind es derzeit 32. Dominik Langoff verweist auf geänderte Strukturen am Arbeitsmarkt: „Die Arbeitslosigkeit ist 2006 eine ganz andere gewesen. Derzeit ist es schwierig, Teilnehmer zu finden. Wir sind ein Träger, der gewerblich-technisch angehaucht ist. Da muss es dann ja auch passen.“ Man arbeite jetzt mehr mit Unternehmen zusammen: um potenzielle spätere Mitarbeiter zu qualifizieren und bereits im Betrieb Tätige weiterzubilden.