Schönebeck l Die gute Nachricht zuerst: Die kleine weiße wuschelige Hund, der Donnerstagfrüh mutterseelenallein in Schönebeck gefunden wurde, ist wieder zu Hause bei seinem Herrchen. Ein 27-Jähriger aus Schönebeck hatte das Tier entdeckt und bei der Polizei in der Innenstadt abgegeben. Die Beamten fütterten es mit Broten, die vielleicht nicht unbedingt auf dem Speisezettel von Hunden stehen, aber der Kleine war offenbar schon die ganze Nacht unterwegs gewesen und hatte Hunger. Und Hundefutter gehört nicht zur Grundausstattung der Schönebecker Polizei.

Am nächsten Tag brachten die Beamten den Hund ins Tierheim, wo er später von seinen Besitzern abgeholt wurde. Und so wurde zumindest bekannt: Der kleine Bichon Frisé heißt Happy und ist elf Jahre alt. Und offenkundig ging es ihm wieder gut, heißt es aus dem Schönebecker Tierheim.

Polizei rettet Hunde, Pferde, Rinder und Rehe

Für die Polizei im Salzlandkreis war die Betreuung von Hund Happy in der vergangenen Woche nicht der erste tierische Einsatz. „Vor allem außerhalb der Öffnungszeiten der Tierheime bringen die Leute gefundene Tiere häufig zur Polizei“, sagte Marco Kopitz, Sprecher des Polizeirevier Salzlandkreis in Bernburg. Das würde schon mehrmals im Jahr vorkommen. „Die Kollegen kümmern sich aber gern um die Hunde. Polizisten sind auch nur Menschen“, sagt Kopitz.

Bilder

Besonders in Erinnerung geblieben ist den Beamten auch ein kleiner Jack-Russel-Terrier namens Jacky, der Neujahr 2017 im Kommissariat in Bernburg verbrachte. „Ein Kollege hatte den kleinen Terrier in der Silvesternacht aufgegriffen, als er völlig verängstigt von der Knallerei weggelaufen war“, erzählt Polizeisprecher Marco Kopitz. Damals hatten die Polizisten gewitzelt, dass der kleine Terrier vielleicht noch eine Ausbildung zum Einsatzhund machen könnte. Daraus wurde zwar nichts. Doch der Hund konnte mit Hilfe des Tierheim zurück an die Besitzer übergeben werden.

Die Polizeireviere sind allerdings nicht unbedingt für die Betreuung von Hunden ausgelegt. Und gerade in der Nacht sind in der Regel weniger Beamte im Dienst, die zudem auf Streife oder im Einsatz sind. „Wenn es kleinere Fundhunde sind, fahren die in der Nacht auch mal im Streifenwagen mit, bis sie im Tierheim abgegeben werden können“, sagte Polizeisprecher Marco Kopitz.

Zwar gehören Fundtiere eigentlich sofort ins Tierheim. Grundsätzlich sei es aber durchaus sinnvoll, immer auch bei der Polizei Bescheid zu sagen. „Wir können dann an die Tierheime weiter vermitteln. Und viele Besitzer melden sich bei uns, wenn sie ihr Tier verloren haben“, sagte Kopitz.

Doch nicht nur mit gefundenen Hunde muss sich die Polizei regelmäßig auseinandersetzen. „Die Bürger melden uns auch ausgebrochene Rinder, der auf der Straße herumlaufen“, sagte Kopitz. Dann versuchen die Beamten, den Eigentümer herauszufinden, damit der seine Tiere wieder einfängt. Ein besonderer Einsatz war die Rettung eines Pferdes vor ein paar Jahren, das vom Hochwasser in der Bode überrascht worden war. „Das Pferd schaute nur noch ein bisschen mit dem Kopf aus dem Wasser und konnte sich nicht mehr bewegen“, so Marco Kopitz. Die Polizisten haben das Tier dann gemeinsam mit der Feuerwehr aus dem Fluss gezogen.

Tierrettung aus Magdeburg kommt als Verstärku

Auch beim Hochwasser 2013 musste die Polizei einige Tiere retten. Ein besonderer Fall war ein Reh, das die Beamten völlig erschöpft bei Groß Rosenburg gefunden hatten. Es hatte sich durch die Wassermassen gekämpft und war so schwach, dass es sich von den Beamten von Hand widerstandslos in einen Transporter verladen ließ, damit es in Sicherheit gebracht werden konnte.

Gelegentlich kommt die Polizei mit exotischen Tieren aber an ihre Grenzen. So wurde im August eine 1,80 Meter lange Riesenschlange gemeldet, die sich bei Breitenhagen um das Halteseil der Gierfähre über die Elbe gewickelt hatte. Da die Boa Constrictor doch eine Nummer zu groß und zu ungewöhnlich für die Polizei war, mussten die für den Salzlandkreis zuständigen Tierretter der Magdeburger Feuerwache Nord anrücken. Die Schlange wurde mit einer Schlinge eingefangen und zunächst ins Magdeburger Tierheim gebracht. Später bekamt sie einen Platz im Zoo von Aschersleben.

Gelegentlich wird den Polizisten auch ein möglicher Angriff eines Wolfes auf ein Nutztier gemeldet. „Da können wir aber nichts machen, da Wölfe geschützt sind“, sagte Polizeisprecher Marco Kopitz. In so einem Fall können die Beamten nur an das Wolfskompetenzzentrum in Iden in der Altmark verweisen. Die Wolfsexperten nehmen DNA-Proben, um einen Wolfsriss zu bestätigen oder zu widerlegen.

Die meisten Einsätze der Polizei mit Tieren sind allerdings noch unerfreulicher: Denn Unfallursache Nummer eins sind im Salzlandkreis immer noch Wildunfälle. Die Beamten werden dann gerufen, um den Schaden für die Versicherung aufzunehmen. Das kann zwar auch der Jagdpächter. Der ist aber gerade in den Unfallzeiten nachts selten erreichbar.

Tierheim Schönebeck. Barbyer Str. 9c/d, Tel. 03928 9 07 02 84