Schönebeck l Dort wo sich vom Menschen genutzte Flächen (Siedlungen, Landwirtschaftsflächen) und der Lebensraum des Bibers überlappen, bleiben Konflikte meist nicht aus. Denn um den unter Wasser liegenden Eingang zu seinem Bau zu schützen, staut der Biber Wasser auf und überflutet so Flächen, die mitunter vom Menschen genutzt werden.

In Sachsen-Anhalt gibt es 1300 bekannte Biberreviere, in denen insgesamt rund 3400 Tiere leben. Diese relativ genauen Zahlen stammen aus der jährlichen Erfassung des Arbeitskreises Biberschutz Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Referenzstelle für Biberschutz im Land Sachsen-Anhalt sowie den unteren Naturschutzbehörden.

Knapp 300 Tiere

Laut Stand November 2018 liegen 111 dieser Reviere mit ungefähr 300 Tieren im Salzlandkreis. „In Schönebeck gibt es fünf Reviere“, berichtet Michael Wunschik vom Schönebecker Ortsverein des Naturschutzbundes (Nabu) während er rund um den Schönebecker Salinekanal nach den dort lebenden Bibern Ausschau hält. Konflikte zwischen Mensch und Biber gibt es hier nicht – an anderen Stellen in und um Schönebeck herum allerdings schon.

Bilder

Langsam aber stetig stirbt derzeit ein Pappelwäldchen in der Welsleber Röthe zwischen Welsleben und Schönebeck ab. Grund ist die Besiedlung eines Grabens durch den Biber, der den Graben staut – immer mit dem Ziel, den Eingang zu seinem Bau unter Wasser zu halten, um sich vor Feinden zu schützen. Auch angrenzende landwirtschaftlich genutzte Ackerflächen wurden dadurch bereits zeitweise unter Wasser gesetzt und die Ernte gefährdet.

In Schönebeck selbst kam es in der Vergangenheit am Solgraben zu Problemen mit einer Biberfamilie. „Bereits 2005 wurde durch die Referenzstelle Biber eine Biberfamilie entnommen und umgesiedelt. Eine Wiederbesiedlung erfolgte kurze Zeit später“, erklärt Kreissprecher Marko Jeschor und ergänzt: „Die Umsiedlung als Maßnahme der Konfliktlösung hat daher keine nachhaltige Aussicht auf Erfolg.“

Umsiedeln macht keinen Sinn

Dem kann Michael Wunschik vom Nabu Schönebeck nur zustimmen: „Es macht keinen Sinn, Biber umzusiedeln. Sind die einen weg, kommen auch schon die nächsten.“ Es habe ja schließlich Gründe, warum sich Biber genau dort ansiedeln, wo sie sich ansiedeln.

Den besten Schutz gegen Schäden durch Biber an Flussufern bieten breite Randstreifen mit natürlicher Vegetation. Diese sind gleichzeitig eine gute Nahrungsquelle für die Tiere.

Durch Bebauung – auch mit Deichen – und die landwirtschaftliche Nutzung dieser Flächen, kommt es immer wieder zu Problemen.

Deiche werden mit Gittermatten gesichert

Im Deichbau beispielsweise werden Gittermatten eingesetzt, um den Biber daran zu hindern, den Deich zu untergraben. Diese Maßnahme hilft auch gegen Nutrias. Denn auch die Bisamratten, die dem Biber zwar ähnlich sehen, aber nicht mit ihm verwandt sind, nutzen den Fuß von Deichen, um sich dort einzugraben.

„Zur Lösung bestehender und sich anbahnender Konflikte nimmt die Untere Naturschutzbehörde regelmäßig an den Gewässerschauen des Unterhaltungsverbands Elbaue teil“, berichtet Marko Jeschor. Auch Ortstermine mit Vertretern betroffener Gemeinden und Kommunen sind möglich. Auf Grundlage dieser wird dann über Einzelmaßnahmen, die die Situation entspannen sollen, entschieden.

Doch gäbe es den Biber in und um Schönebeck und entlang der Elbe nicht, wäre die Elbe ein anderer Lebensraum. Denn durch den Bau der Dämme kann der Biber wie keine zweite heimische Tierart seinen Lebensraum aktiv gestalten. Vom Biber angelegte Lebensräume sind artenreiche Biotope für viele anderer Arten: Fischotter, Schwarzstorch, Ringelnatter, Amphibien und Libellen.

Betroffene müssen ernst genommen werden

Dennoch: „Die Sorgen der Betroffenen müssen ernst genommen werden“, sagt Marko Jeschor. Vor diesem Hintergrund hat das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie im Oktober 2018 die Handlungsempfehlungen zum Bibermanagement in Sachsen-Anhalt herausgegeben. Diese richtet sich primär an die Unteren Naturschutzbehörden, die für Bürger erster Ansprechpartner in den einzelnen Landkreisen zum Thema Biber sind.