Schönebeck l Wehrleiter Dirk Dietzmann von der Stadtteilwehr Schönebeck wirkt ein bisschen abgekämpft. Doch selbst wenn er das zurückweisen würde, konnte das auch mit dem enormen Pensum zu tun haben, dass seine Einsatzkräfte in diesem Jahr bereits abgeleistet haben.

In dieser Woche mussten die Kameraden von der Tischlerstraße bereits zum 200. Mal seit Anfang Januar ausrücken. Im Schnitt bedeutet das ein Einsatz alle 1,65 Tage für die ehrenamtlichen Kameraden. Das letzte Mal hatte die Stadtteilwehr Schönebeck 1995 die 200er Marke gerissen, also vor 24 Jahren. „Und damals gab es eine Brandserie in der Stadt“, sagt Wehrleiter Dirk Dietzmann. Auf 247 Einsätze brachte es die Wehr damals. Im Vergleich dazu waren es im gesamten Vorjahr 2018 noch 179 Einsätze.

Doch auch das laufende Jahr 2019 ist noch nicht vorbei. Es werden also mit Sicherheit noch mehr Einsätze. Gerade im Advent und zu Silvester drohen wegen Kerzen und Raketen noch so manche Feuer. Allein in der vergangenen Neujahrsnacht 2019 waren die Feuerwehrleute vier Mal gefordert. „Silvester verbringen immer einige Kameraden im Gerätehaus, weil es dann soviel zu tun gibt“, sagt Dietzmann.

Alle Wehren haben viel zu tun

Natürlich haben auch die anderen Wehren in Schönebeck viel tun. Allein die Feuerwehr Bad Salzelmen wurde mehr als 130-mal alarmiert. Allerdings muss niemand so oft ausrücken wie die Kameraden von der Tischlerstraße.

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Doch warum gibt es in diesem Jahr eigentlich so viele Einsätze? So genau kann das der Wehrleiter auch nicht sagen. „Es gibt keine Brandserien, und die Einsätze verteilen sich eigentlich gleichmäßig auf alle Bereiche“, sagt Dirk Dietzmann. Von den 200 Alarmierungen in diesem Jahr waren es 105 Brände und 95 Fälle von technischer Hilfeleistung, etwa das Öffnen von Wohnungstüren von hilflosen Patienten oder die Absicherung von Unfällen oder Hubschrauberlandungen.

Zumindest gefühlt wurden allerdings die Unterstützungseinsätze bei anderen Kommunen in der Region mehr. „Und das sind dann immer besonders anstrengende Einsätze“, sagt Dirk Dietzmann. Denn schließlich müssen die Schönebecker in anderen Kommunen im Salzlandkreis nur dann aushelfen, wenn es besonders brenzlig wird. Allein schon wegen des heißen und trockenen Sommers gab es in diesem Jahr mehrere Feldbrände in der Umgebung, bei denen auch Feuerwehrleute aus Schönebeck löschen mussten. Der August war mit 25 Einsätzen daher auch der intensivste Monat. Hinzu kam der Großbrand in einer ehemaligen Schule in Calbe im November, bei dem nicht nur die Schönebecker Drehleiter gefordert war.

In besonderer Erinnerung geblieben ist den Einsatzkräften in diesem Jahr auch der Brand im Chemieunternehmen Schirm im November. Dazu kamen wieder einmal eine Vielzahl an ausgelösten Brandmeldeanlagen, darunter zahlreiche Fehlalarme. Immer wieder werden die Feuerwehrleute zu Türöffnungen gerufen, um Notärzten Zugang zu Patienten zu verschaffen. Auch beim 200. Einsatz handelte es sich um eine solche Öffnung.

Die Moral den Einsatzkräften, versichert Dietzmann, ist aber trotz der hohen Beanspruchung und der vielen Fehlalarme immer noch gut. „Da gibt es keine Probleme“, sagt Dirk Dietzmann. Doch Feuerwehrleute klagen auch selten. Rund 50 Aktive zählt die Stadtteilwehr von der Tischlerstraße, hinzu kommen jeweils rund 20 Mitglieder bei der Jugendwehr und der Altersabteilung.

Zudem findet Dirk Dietzmann viel Lob für die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und dem Stadtwehrleiter Daniel Schürmann. „Auch wenn die Ausrüstung mal verschlissen ist, wird immer schnell für Ersatz gesorgt“, sagt der Wehrleiter.

Neuer Wehrleiter wird gesucht

Und doch hat die Belastung der vielen Einsätze ihre Spuren hinterlassen. Bei der Wahl zum Wehrleiter im Februar wird Dirk Dietzmann nicht noch einmal antreten. Das war nicht unbedingt so geplant. „Ich möchte in die zweite Reihe zurücktreten“, sagt Dietzmann, der der Stadtteilwehr trotzdem weiterhin erhalten bleiben wird. Das sei mit seiner Familie so abgesprochen. Und dann ist da ja auch noch der anspruchsvolle Schichtdienst, den er als hauptamtlicher Disponent bei der Berufsfeuerwehr Magdeburg verrichtet.

Auch sein Stellvertreter Frank Mantwill wird sich nicht erneut zur Wahl stellen. Es gebe allerdings bereits einige andere Kameraden, die laut über eine Kandidatur nachdenken würden. „Am Ende muss man allerdings sehen, wer sich wirklich zur Wahl aufstellen lässt“, sagt Dirk Dietzmann. Sorgen um seine Nachfolge macht er sich allerdings nicht. Sein Bericht zur Jahreshauptversammlung im Februar wird damit vermutlich eine seiner letzten Amtshandlungen als Wehrleiter der Stadtteilwehr Schönebeck sein. Und bis dahin gehen die Kameraden erst einmal in die Winterpause, zumindest, was die Dienste angeht. Denn der nächste Einsatz kommt bestimmt schon bald.