Schönebeck l „Klein, aber fein“, so könnte das Motto des Traktoren-Treffens lauten, das am vergangenen Wochenende bereits im sechsten Jahr in Folge am Industriemuseum Schönebeck abgehalten wurde. „Wir wollen uns gar nicht mit den großen Veranstaltungen vergleichen. Es ist uns aber wichtig, dass wir die Tradition in der Stadt der ehemaligen Traktorenwerke aufrechterhalten“, sagte Georg Plenikowski, Vorsitzender beim Imuset-Verein, der das Treffen in Schönebeck organisiert hatte.

Immerhin 45 alte Traktoren, die meisten auch schon ganz offiziell Oldtimer, konnten die Besucher vor dem Industriemuseum am Sonnabend bestaunen. Auf dem ganzen Salzlandkreis, aber auch aus Magdeburg und sogar aus Köthen waren die Traktoristen mit ihren Gefährten angereist. Einer der Hingucker war dabei etwa ein leuchtend roter Famulus RS 14 von 1961 aus den Schlepperwerken Nordhausen. „Der sieht aus wie direkt vom Band“, sagte ein Besucher am museum anerkennend.

Komplett auseinander genommen

Zumindest hatte ihn der Magdeburger Besitzer Michael Simon einmal komplett auseinander genommen und neu aufgebaut. „Dabei lässt er sich auch sehr gut neu bemalen“, sagte der 51-Jährige, der von Beruf Techniker ist. Seine Leidenschaft gilt vor allem dem Bau von Modell-Dampfmaschinen. Doch mit dem Famulus wollte er auch einmal eine richtige Maschine in Originalgröße bauen. „Die alte Technik ist faszinierend, weil man alles selbst bauen kann“, sagte er. Nur Ersatzteile seien manchmal schwer zu bekommen, zumindest zu vernünftigen Preisen. „Die Motorhaube habe ich mir etwa komplett neu aus Kunststoff gießen lassen“, sagte Traktorist Michael Simon.

Bilder

Besondere Beachtung fanden am Wochenende auch die Miniatur-Traktoren des Vereins Truckmodell Factory aus Colbitz. So steuerte Konrad Jaschke seinen Lanz Bulldog aus den 1930er Jahren im Maßstab 1:8 über das Gelände des Museums. Der 71-Jährige hatte das ehemalige Standmodell tatsächlich in liebevoller Kleinstarbeit in einen ferngesteuerten Traktor umgebaut, inklusive Motorengeräusche, Scheinwerfer und Blinker. Eine Kuh auf einem der Anhänger kann sogar muhen.

In Schönebeck wollten die Colbitzer allerdings nicht zum ersten Mal ihre Modelle präsentieren. So sollte auch ein ZT 300 aus dem VEB Traktorenwerk Schönebeck genau vermessen werden. Denn die Vereinsmitglieder wollen demnächst mit dem kompletten Neubau eines möglichst exakten Modells beginnen.

Auch junge Leute

Dass auch junge Leute sich für Traktoren interessierten, bewiesen Robert Meussling (19) aus Pretzien und Lukas Kauert (18) aus Gommern. Beide haben gemeinsam einen alten Belarus aus einer alten Scheune gerettet und wieder fahrbereit gemacht. „Motorrad fahren kann jeder. Aber so ein Traktor ist etwas ganz anderes und hat vor allem unglaublich viel Kraft“, sagte Lukas Kauert, der nach dem Gymnasium Landwirtschaft studieren möchte. Sein Freund Robert Meussling macht jetzt schon eine Ausbildung zum Landmaschinenschlosser. „Wir wollen später auch zusammenarbeiten“, sagten die beiden.

Am Ende des Tages ist Organisator Georg Plenikowski mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden. „Es waren mehr Traktoren da, als wir erwartet haben und die Besucher waren auch begeistert“, sagte er. Was den Vereinsvorsitzenden besonders freute: Die Gäste haben sich nicht nur das Industriemuseum angeschaut, sondern auch die Kunstausstellung.