Pretzien/Plötzky l So schnell wie der Radfahrer kommt, ist er auch wieder verschwunden. Doch der Zuruf des Mannes an den Fotografen ist deutlich: „Willst den Verkehr fotografieren? Das is‘ ne Katastrophe.“ Seitdem seit Montag die Salzstraße in Gommern voll gesperrt ist, wird der Verkehr der Bundesstraße von Plötzky über Pretzien nach Dannigkow umgeleitet. Seither glauben die Pretziener, die an der Kreisstraße wohnen, und die Plötzkyer in der Karl-Marx-Straße in einem anderem Film zu sein.

Von morgens bis abends rollt nicht nur der gesamte Umleitungsverkehr über die Kreisstraße 1759. Vor allem donnern die schweren 40-Tonner an den Fenstern der Anwohner vorbei. Egal, ob Pretziener im Dorfkonsum oder auf der Straße befragt werden: Sie alle schimpfen ziemlich lautstark.

Selbst Feuerwehr hat Probleme

Einer von ihnen ist Michael Vorwerk. Der Leiter der Ortsteilfeuerwehr nutzt die Straßen im Dorf nicht nur privat, sondern auch als Feuerwehrmann. Als die Kameraden am frühen Montagnachmittag zu einem schweren Verkehrsunfall nach Elbenau gerufen werden, wird der sonst gemütliche Feuerwehrchef zum wütenden Choleriker. „Wir sind mit Blaulicht und Martinshorn gefahren. Die Magdeburger Chaussee war voll. Die Leute wollten uns Platz machen, konnten aber weder vor noch zurück. Das geht so nicht weiter“, moniert Michael Vorwerk.

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Nicht vor und zurück? Das darf eigentlich kein Dauerzustand sein. Sowohl in der Magdeburger Chaussee als auch in der Dornburger Straße gilt ein Parkverbot. Das aber wiederum ist ein Fall für das Ordnungsamt in Schönebeck, denn es gibt eine Reihe von Autofahrern, die die dörfliche Idylle wörtlich nehmen, die Straßenverkehrsordnung als Empfehlung betrachten und dort dauerhaft parken. „Wenn wir zu Einsätzen rausfahren und dort nicht vorbeikommen, dann ist das von den Betroffenen, die uns die Straße zuparken, verantwortungslos“, so der Feuerwehrleiter.

Michael Vorwerk und der neue Ortsbürgermeister von Pretzien, Frithjof Meussling (CDU), sehen Handlungsbedarf. „Durch die Umleitung hat der Straßenverkehr in Pretzien massiv zugenommen. Vor allem die Lkw donnern durch den Ort. Wir können nur hoffen, dass nichts passiert“, sagt der Pretziener Ortsbürgermeister Meussling bei der Sitzung des Ortschaftsrates am Montagabend.

Ampel und absolutes Halteverbot?

Eigentlich müsste eine Ampel eingerichtet werden, so wie es in der Vergangenheit schon einmal war. Zudem sollte wieder ein absolutes Halteverbot in der Magdeburger Chaussee und in der Dornburger Straße ausgewiesen werden. „Vor allem für die Feuerwehr ist die Situation schwierig, wenn sie ausrücken muss“, gibt auch Meussling Michael Vorwerk recht. Selbst eine zeitliche Befristung von 8 bis 20 Uhr wären schon ein erster Schritt hin zu mehr Sicherheit.

Zudem hält sich eine Reihe Autofahrer nicht an die 50 km/h innerorts. Nicht wenige Pretziener prophezeien, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein Auto in ein Wohnhaus fährt.

Der vorherige Ortsbürgermeister Gundhelm Franke (CDU) hat nach eigenen Angaben eine Anfrage für eine Verkehrsberuhigung an die Stadt Schönebeck gestellt. Das Schreiben sei bisher jedoch nur an den zuständigen Salzlandkreis weitergeleitet worden. Eine Reaktion habe es aus Bernburg bisher nicht gegeben. Dezernentin Gisela Schröder von der Stadt Schönebeck kündigte an, erneut beim Salzlandkreis nachzuhaken.

Nun kommt Bewegung in die Sache

Das hat am Dienstag auch die Volksstimme getan – mit Erfolg. Nach Auskunft von Marianne Bothe von der Pressestelle des Landratsamtes erwies sich eine noch schnelle Lösung etwas problematisch, weil die federführende Behörde der Landkreis Jerichower Land ist. Trotzdem haben Salzlandkreis, Jerichower Land und die Stadt Schönebeck nun ein Ergebnis erreicht:

• Ein eingeschränktes Haltverbot kommt nicht nur in der Magdeburger Chaussee, sondern auch in den übrigen Bereichen der Ortsdurchfahrten der Kreisstraßen Pretzien und Plötzky, das bedeutet Am Park, August-Bebel-Straße, Dornburger Straße sowie Karl-Marx-Straße.

• In den betroffenen Bereichen wird eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer angeordnet.

• Eine zusätzliche Fußgängerampel im Bereich der Verkaufsstelle in Pretzien wird nicht aufgestellt.

Die ersten beiden Punkte haben aus Sicht der Bürger nur Sinn, wenn Polizei und Ordnungsamt in den nächsten Wochen die verkehrsbehördlichen Anordnungen auch kontrollieren. Ansonsten werden die Schilder zu Staubfängern.