Zweites Adventskonzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie am Sonntag in der Calbenser Heger-Sporthalle

Ungewöhnliche Mischung begeistert erneut

Von Andreas Pinkert

Klassik trifft Sporthalle: Mit dieser ungewöhnlichen Melange begeisterte die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie zum zweiten Mal in der Rolandstadt. Das Publikum dankte es mit manchmal frühzeitigem, aber stets reichlichem Applaus.

Calbe l Da musste Solist Wieslaw Borowko inmitten der Sinfonia für Trompete und Streicher D-Dur von Alessandro Scarlatti lächelnd dem Publikum etwas Einhalt gebieten, denn schließlich gehört auch die Pause zur Musik. Die Gäste auf den Tribünenplätzen verstanden seine Gestik, der aufbrausende Beifall verstummte schnell und das Orchester konnte mit einem Allegro fortfahren.

Weihnachtsbräuche aus vielen Ländern der Erde

Übel genommen hat es der Solist wohl niemandem in der Heger-Sporthalle. Denn wie Dirigent und Generalmusikdirektor Christian Simonis erklärte, war am Sonntagnachmittag nicht nur Wieslaw Borowko, sondern auch die stellvertretende Konzertmeisterin Natalia Oreschkow besonders stolz auf die jeweiligen Töchter.

Elisaweta Oreschkow überzeugte angesichts ihrer jungen Jahre an der Violine, während Thekla-Theresa Borowko weihnachtliche Lyrik und wissenswerte Weihnachtsbräuche aus aller Welt vortrug. So ist in Finnland mit "Joulupukki" der Weihnachtsmann gemeint, was wörtlich "Weihnachtsbock" bedeutet und auf die mythische Gestalt des Julbockes verweist. Der Ausdruck stammt aus einer Zeit, als es üblich war, sich nach dem Weihnachtsessen mit Ziegenhäuten zu verkleiden.

Ein Potpourri weihnachtlicher Weisen lies kein Lied aus, das unmittelbar mit der Weihnachtszeit verknüpft ist. "Tochter Zion" wechselte sich mit "Es ist für uns eine Zeit angekommen" und vielen weiteren volkstümlichen Liedern ab.

Zum Abschluss des ersten Konzertteils lud Christian Simonis ein, gemeinsam das "Oh du Fröhliche" und "Es ist ein Ros\' entsprungen" an jenem Ort zu intonieren, wo an den Wochenenden sonst die Fanrufe der TSG-Fans auf das Spielfeld schallen.

Nach einer kurzen Pause, in der sich mit Sekt, Saft oder Selters gestärkt werden konnte, ging es mit "Die Schlittenfahrt" von Wolfgang Amadeus Mozart gedanklich auf eine Tour durch den verschneiten Winterwald. Thematisch passend folgten Werke von Johann Strauß (Vater und Sohn).

Aufsitzen zur Kutschfahrt durch den verschneiten Winterwald

Wie schon bei der Premiere im vergangenen Jahr hatte Christian Simonis wieder im musikalischen Schatzkästchen der Region gesucht und ist im altmärkischen Komponisten Wilhelm Lüdecke (1868-1938) sowie in Franz Xaver Chwatal, der von 1822 bis 1832 in Merseburg als Musiklehrer tätig war, fündig geworden. Auch letzgenannter hatte eine heitere Schlittenpartie mit vielen ungewöhnlichen Instrumenten komponiert. Das Publikum war begeistert und auch die bekannte "Petersburger Schlittenfahrt" als Zugabe stammt aus der Feder des Merseburger Komponisten Richard Eilenberg (1848-1927).

"Wir kommen gern wieder nach Calbe", verkündete Christian Simonis. Voraussetzung ist, dass ein Sponsor wie die Erdgas Mittelsachsen GmbH auch 2013 für vergünstigte Eintrittspreise sorgen kann. Mit rund 200 Gästen konnte zwar nicht an die Besucherzahl vom Premierenjahr angeknüpft werden, doch Bürgermeister Dieter Tischmeyer ist sicher: "Aus dem Konzert kann sich durchaus eine Tradition entwickeln."