Barby l Heiko Rasch ist wütend und enttäuscht. Das Mitglied der Nabu-Ortsgruppe Schönebeck zeigt die Schäden an einem jungen Apfelbaum. Der Ast ist fast komplett durchbrochen. Und dabei wurde der Baum doch erst im November in einer Aktion auf Initiative der Arbeitsgruppe Elbbrücke gepflanzt. Für das Vorhaben, die arg gelichtete Streuobstwiese am Barbyer Elbwerder wieder dichter zu bepflanzen, gab es einen riesigen Zuspruch: Es fanden sich zahlreiche Sponsoren für Bäume – Privatpersonen, Vereine und Firmen – die die insgesamt 47 Bäume spendeten. Die alten Apfel-, Birnen- und Pflaumenbaumsorten wurden mit fachlicher Hilfe eines Barbyer Gartenbaubetriebes fachgerecht in die Erde.

Dass allem Augenschein nach Zerstörungswütige jetzt hier langgehen und das kaputtmachen, was in einer liebevollen Aktion errichtet worden sei, das tut Heiko Rasch besonders weh.

Schaden begutachtet

Mitbekommen habe er es von einem Nabu-Mitglied bei der Jahreshauptversammlung vergangenes Wochenende in Schönebeck. „Ich bin dann hergefahren und habe mir den Schaden angesehen“, so Rasch.

Bilder

An einigen Stellen haben die Täter schon versucht, die Holzpfähle aus der Erde zu reißen – und einen der Apfelbäume haben sie eben jenen jungen Apfelbaum durchbrochen. „Wir werden jetzt versuchen, den Baum mit Baumharz wieder zu flicken. Doch ob uns das gelingt und der Baum es überlebt, steht in den Sternen“, so Heiko Rasch.

Besondere Sorten

Der Nabu selbst habe damals extra Sorten gewählt, die mit dem eventuell hohen Wasserstand am Elbwerder gut zurechtkommen. Die Bäume tragen so klangvolle Namen wie Finkenwalder Herbstprinz, Bonenapfel, Hasenkopf oder Grafensteiner. Dabei hätten sie sich Tipps geholt vom 81-jährigen Obstexperten Walter Naundorf aus Barby. Bei dem zerstörten Baum handelt es sich gerade um eine der edelsten Sorten: den Finkenwalder Herbstprinzen – der im 18. Jahrhundert auf einer Elbinsel gefunden wurde. Rasch: „Eine extrem wohlschmeckende und gleichzeitig sehr robuste Sorte, die gar nicht so einfach zu bekommen ist.“

Heiko Rasch möchte jetzt nicht zuletzt die Barbyer sensibilisieren. „Man ist hier auch ein bisschen auf die Wachsamkeit der Bürger angewiesen. Wer etwas sieht, sollte es deshalb unbedingt melden“, so der Schönebecker. Bei der Polizei angezeigt habe man den Vorfall nicht. „Leider bleibt eine Anzeige gegen Unbekannt ja oft erfolglos“, findet Rasch. „Dass das gerade jetzt bei der Kälte passieren muss, wo der Frost in die Wunde kommt“, sagt er – die Enttäuschung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Man habe die Bäume so gut geschützt – sie sind alle von Drähten umzäunt, damit der Biber sie in Ruhe lässt. „Vor den Tieren haben wir sie also geschützt. Sie vor den Menschen zu schützen, das gelingt uns offenbar nicht.“