Kaleb

Verein Kaleb in der Straße der Jugend (Schönebeck) hilft bei Problemen vor, während und nach der Schwangerschaft

Die Situation von jungen Familien, Alleinerziehenden oder Schwangeren hat sich während der Corona-Pandemie verschärft. Der Verein Kaleb in der Straße der Jugend hat ein offenes Ohr für die Nöte und Sorgen der Familien. Seit Anfang des Jahres leitet eine neue Mitarbeiterin die Geschicke des Vereins. Sie zieht ein erstes Fazit ihrer Arbeit.

Von Andre Schneider
Beate Reinecke ist seit Anfang des Jahres die neue Regionalgruppenleiterin des Vereins Kaleb in der Straße der Jugend. Die Pandemie hat ihre Arbeit zwar erschwert, zeitgleich aber auch bereichert.
Beate Reinecke ist seit Anfang des Jahres die neue Regionalgruppenleiterin des Vereins Kaleb in der Straße der Jugend. Die Pandemie hat ihre Arbeit zwar erschwert, zeitgleich aber auch bereichert. Foto: Andre Schneider
Elena Garbuzora (links) und Hannelore Michler unterstützen vor allem die Arbeit der Kleiderkammer bei Kaleb.
Elena Garbuzora (links) und Hannelore Michler unterstützen vor allem die Arbeit der Kleiderkammer bei Kaleb.
Foto: Andre Schneider

Schönebeck - Ungewollt schwanger – für viele Frauen eine unlösbare Aufgabe. Vor allem für jene, die sich gar nicht oder nur schwer verständigen können. Beate Reinecke hilft dann, wenn die Not am größten ist. Sie leitet seit Anfang des Jahres die Regionalstelle des Vereins Kaleb in der Straße der Jugend. Sie hat erste Projekte begonnen.

„Unser Zugmagnet ist auf jeden Fall die Kleiderkammer“, hat Beate Reinecke festgestellt. Das hat einen guten Grund. Wenn junge Frauen plötzlich schwanger werden, mangelt es oft an ganz einfachen Dingen. Umstandskleidung, Kinderklamotten und Spielzeug – manchmal muss es eben schnell gehen. Bedürftige Frauen finden in der Straße der Jugend 117 a eine Anlaufstelle. Gerade in den vergangenen Monaten hat für viele finanziell schlechter gestellte Familien diese Anlaufstelle eine Bedeutung „in bisher nicht gekanntem Ausmaß“, so Reinecke, gewonnen. Glücklicherweise gab es während des Lockdowns viele Sachspenden.

Mehr als nur Beratungsstelle

Und mehr noch: Die Räumlichkeiten des Vereins haben sich zu einer Art Begegnungsstätte entwickelt. „Manchmal kommen Mütter oder Kinder einfach vorbei für ein Gespräch“, berichtet Beate Reinecke. „Das genieße ich schon sehr.“ Es tue den Menschen gut, sich einfach auszusprechen über Sorgen und Nöte. Eine Anlaufstelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Hilfe wurde auch und vor allem während der Pandemie gebraucht. Beate Reinecke und ihr Team stiegen auf Einzelbesuche, teils draußen um. „Diese Besuche entwickelten sich tatsächlich zu ganz besonderen, fast seelsorgerlichen Zeiten“, berichtet die Leiterin. Viele Familien seien mit dem „Zuhausebleiben“ überfordert gewesen.

Das Zuhausebleiben wirkt sich ebenfalls nicht besonders positiv auf die Sprachkenntnisse der meist ausländischen Frauen aus. Die Mütter mit Migrationshintergrund werden auch in diesem Punkt unterstützt. Ab diesem Monat finden wieder Sprachhilfen statt. Ihre Kinder können sie mitbringen.

Engagement beginnt im frühen Lebensstadium

Das Engagement von Kaleb beginnt aber weit früher. Nämlich schon vor der Geburt. Wer ungewollt schwanger wird oder dann, wenn es Probleme während dieser wichtigen Phase gibt, benötigen die Betroffenen oft Hilfe. Sie stehen vor Fragen, wie die Geburt oder das weitere Leben verlaufen kann. Die Mitarbeiter von Kaleb aus Schönebeck, zu denen auch Hannelore Michler und Elena Garbuzora gehören, stehen dann mit Rat und Tat zur Seite – auch, wenn eine Schwangerschaft einmal nicht glücklich verläuft oder es zum Schwangerschaftsverlust kommen sollte.

Beate Reinecke berichtet von einem Beispiel. Eine Familie erwartet ein Kind. Die Eltern sind bereits im fortgeschrittenen Alter. Beim Nachwuchs wurde eine Behinderung diagnostiziert. Dank des Netzwerkes von Kaleb konnte dieser Familie geholfen werden. „Das nimmt den Betroffenen viel Druck“, weiß die Leiterin der Beratungsstelle.

Gut vernetzt

Hilfe bekommen angehende Familien auch an anderer Stelle, mit denen Kaleb gut vernetzt ist. Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt bietet beispielsweise auf seiner Internetseite Unterstützungsangebote in allen Lebensbereichen des Familienlebens an. „Familien brauchen aber auch eine starke Gesellschaft, die im Bedarfsfall Unterstützung bietet“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums.

Das Ministerium vermittelt Kontakt zu Beratungsstellen zur Schwangerschaftsberatung. Auch in Schönebeck wird eine genannt. Das Paritätische Integrative Netzwerk (PIN) in der Welsleber Straße bietet nach eigenen Angaben Beratung bei allen Problemen, die eine Schwangerschaft mit sich bringen kann. Das Netzwerk unterstützt auch dabei, wenn finanzielle Hilfen aus Bundesmitteln des Programms „Familien in Not – Sachsen-Anhalt“ beantragt werden sollen.

Ähnliche Hilfen hat auch Kaleb im Programm. Der Verein setzt sich für das Leben ein. Das verdeutlicht Beate Reinecke mit ausgewähltem pädagogischem Material mit dem Titel „Wunderkind“. Sie geht in Grundschulen und zeigt, wie sich ein Kind entwickelt, wie es beispielsweise nach zwölf Wochen im Mutterleib aussieht. „Das Material zeigt die eigene wunderbare Entwicklung“, so Beate Reinecke. Corona hat dieses Vorhaben erst einmal ausgebremst. Trotzdem sieht Reinecke die Situation auch als gewinnbringend an: „Die schwierigen Umstände haben unsere Arbeit in Schönebeck eigentlich nicht behindert, sondern neue Wege und Lösungen aufgezeigt und vielleicht sogar ein stärkeres Netzwerk knüpfen lassen.“

Beratungsangebote

Der Verein Kaleb ist in der Straße der Jugend 117 a ansässig. Telefonisch sind die Mitglieder unter 03928/7687155 sowie persönlich erreichbar.

Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung im Beratungszentrum PIN: Welsleber Straße 59, Telefon: 03928/69137. Der Verein bietet auch Beratungsangebote in Staßfurt und Calbe an.

Die Schwangerschaftsberatungsstellen als Beratungsstellen für Familienplanung, Sexualität und Schwangerschaft bieten kostenlose Informations- und Betreuungsangebote.

Dazu gehören unter anderem Vorsorgeuntersuchungen und die Kosten der Entbindung, Beratung in sozialen und rechtlichen Fragen insbesondere finanzielle Leistungen, einschließlich der besonderen Rechte im Arbeitsleben

Quelle: Sozialministerium