Schönebeck l Die schlechten Nachrichten überbrachte Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) eher nebenbei. Bei seiner jüngsten Bürgersprechstunde in Elbenau erwähnte das Stadtoberhaupt, dass es Probleme bei der Beantragung von Fördermitteln für den Rückbau von verlassenen Gartenanlagen gibt. Seine Vermutung: „Unsere beantragte Summe war möglichweise zu klein“, sagte Oberbürgermeister Bert Knoblauch.

Stadt hat 150.000 beantragt

Doch so gering war die Summe eigentlich nicht. Immerhin 150.000 Euro hatte die Stadt Schönebeck beim Land Sachsen-Anhalt beantragt, um leerstehende Gartenhäuser in den Schönebecker Sparten abzureißen. Denn viele Vereinsmitglieder, die ihre Gärten unter anderem wegen Alter oder Krankheit aufgeben, können den Rückbau finanziell nicht stemmen, obwohl sie rechtlich eigentlich dazu verpflichtet wären. Mit rund 5 000 Euro rechnet der Verband der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung im Durchschnitt für den Rückbau eines Gartens inklusive Abriss und Entsorgung der Häuser. Gerade für viele Rentner ist das viel Geld. Die Folge: Immer mehr leerstehende Gärten verwildern.

Gartenverband übernimmt Eigenanteil der Stadt

Der Schönebecker Verband legt daher auch Geld für den Rückbau zurück. Bei der beantragten Förderung wollen die Gartenfreunde sogar den Eigenanteil der Stadt Schönebeck übernehmen, der immerhin 63.000 Euro beträgt. Geld, dass die Stadt nicht hat. „Die Verwaltung hat aber den Antrag für uns gestellt, und das hat sehr gut funktioniert“, sagte Siegfried Kliematz, Fachberater des Verbandes. Mit den insgesamt 213.000 Euro konnten etwa 40 bis 50 Gärten zurückgebaut werden.

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Dass Oberbürgermeister Bert Knoblauch das Thema ausgerechnet bei seiner Sprechstunde für die Bürger von Elbenau und Grünewalde ansprach, hatte allerdings seinen guten Grund. Denn die Fördergelder waren insbesondere für den Kleingartenverein Waldesruh in Grünewalde beantragt worden. Denn spätestens seit dem Hochwasser 2013 ist der Leerstand in der Gartenanlage massiv angestiegen. Damals hatte das Grundwasser als sogenanntes Drängwasser das Areal überschwemmt. „Bei mir stand das Wasser sechs Wochen lang 80 Zentimeter hoch im Garten“, erinnert sich Wolfgang Bock, Vorsitzender des Vereins Waldesruh. Auch vielen anderen Vereinsmitgliedern erging es so. „Viele Ältere haben damals aufgehört“, sagte der Vereinsvorsitzende. Einen Neuanfang noch dem Hochwasser hätten sich viele nicht mehr zugetraut. Und so stehen von ursprünglich 300 Gärten in Grünewalde mittlerweile etwa die Hälfte leer.

Gartenanlagen sollen umgenutzt werden

Damit ist das Problem beim Gartenverein Waldesruh besonders groß. Nun verfolgt das Kleingartenentwicklungskonzept Schönebeck (Keks)neben dem Erhalt von Gärten auch das Ziel, Teile der Fläche für eine neue Nutzung vorzubereiten. Möglich sind etwa landwirtschaftliche Flächen, Ausgleichsflächen oder Bauland. Rund 21.000 Quadratmeter der Anlage will die Stadt als Eigentümerin der Fläche umnutzen. Zunächst sollen Streuobstwiesen angelegt werden. „Das Konzept ist für uns überlebenswichtig“, sagte Siegfried Kliematz. Voraussetzung ist allerdings, dass die Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt doch noch fließen.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch hat nun angekündigt, noch einmal mit dem Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr verhandeln zu wollen, das für die Förderung zuständig wäre. Möglicherweise könnte der Antrag der Stadt Schönebeck noch einmal nachgebessert werden, hofft er. Bisher sendet das Ministerium allerdings eher zurückhaltende Signale.

Schafe halten Garten sauber

Nach dem ganzen Hin und Her um die Fördergelder des Landes ist der Vorsitzende des Vereins Waldesruh allerdings skeptisch geworden. „Ich glaube erst, dass wir das Geld kriegen, wenn ich es schwarz auf weiß sehe“, sagte Wolfgang Bock. Mittlerweile hat der Vereinsvorsitzende zur Selbsthilfe gegriffen und sich vier Schafe zugelegt. Die halten die verlassenen Parzellen um seinen Garten sauber.