Schönebeck l Ein bisschen wie ein Abenteurer auf Expedition wirkt Alexander Elsner. Er kämpft sich durch seinen zukünftigen Garten. Hinweg über Mauerreste, dicke Baumwurzeln, diversen Müll und viel Gestrüpp zum Eingang seines späteren Domizils. In der Villa „Carlshall“, in der bereits bekannte Persönlichkeiten (eine Prinzenfamilie, Familie Wanckel und Gustav Hoyer von „Weltrad“) residierten, will künftig nun der 39-Jährige mit Familie Wurzeln schlagen. Bereits in zwei Jahren soll es soweit sein, erklärt der dreifache Vater im Gespräch vor Ort.

Über dem Vordereingang der Villa thront ein großes Wappen der ehemaligen Familie des Industriellen Gustav Hoyer, der das Gebäude 1860 erwarb und umbauen ließ. „Ein bisschen dekadent“, kommentiert Alexander Elsner kurz mit einem Schmunzeln und steigt durchs zerschlagene Fenster in das Foyer im Erdgeschoss. Ein Schloss an der Tür gibt es noch nicht. Auch im Gebäude lassen sich viele, teilweise auch nicht notwendige Überbleibsel vergangener Jahrzehnte finden.

Der letzte offizielle Bewohner der Villa war Reeder Wolfgang Wanckel, der 1964 verstarb. Dann gehörte sie durch Erbschaft zunächst der Familie und später einem Herrn Format. Nun ist Alexander Elsner der stolze Eigentümer. „Als ich vom Verkauf erfahren habe, sagte ich sofort: Das mache ich.“

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Zwei Etagen und eine Lichtkuppel mit Treppe gibt die alte Villa preis. Die Kuppel befindet sich gleich hinter dem Foyer und lässt den Blick auf die anderen Etagen zu. Da das Dach der Villa vor zehn Jahren einem großen Brand zum Opfer fiel, ist es eine Leichtigkeit, sich ein lichtdurchflutetes Atrium vorzustellen. Im Erdgeschoss befanden sich damals Wirtschaftsräume und Keller, erklärt der Unternehmer.

Über einen schmalen Treppengang im hinteren Bereich des Hauses geht es in das erste Stockwerk – dem ehemaligen und zukünftigen Wohnbereich. Stattliche Räume sind in der ganzen Villa zu finden – 30 bis 35 Quadratmeter sind sie teilweise groß, vier sind es pro Etage. An den Rändern der Decke ist noch ein wenig Stuck erkennbar. Manchmal erinnern alte Gardinen oder spärliche Holzverkleidungen an die Vergänglichkeit.

Substanz ist gut

Im zweiten Obergeschoss ist die Decke teilweise eingestürzt, mancherorts wächst und gedeiht Grün, die stützenden Holzbalken sind durch den Brand verkohlt oder teilweise verschwunden. Den Eindruck, dass hier nicht mehr viel zu retten ist, lässt Alexander Elsner nicht im Raum stehen: „Die Substanz der Wände ist noch ganz gut. Der ehemalige Besitzer wird schon ein paar Euro für den Bau übrig gehabt haben“, erklärt er mit Blick auf den dicken Beton. Einsturzgefahr besteht nicht.

Das Material überdauerte die Jahrzehnte, nur der Putz hat sich stellenweise verabschiedet. Auch das verkohlte Holz ist nur in seinem Äußeren beschädigt. An einem alten Schrank schimmert es noch hell unter der schwarzen Kruste hindurch. Beim Dach hingegen ist nicht mehr viel zu retten – es ist nicht mehr da. Hier sprießen die Bäume. Im „Türmchen“ (erkennbar im historischen Foto auf der linken Seite) war seit Jahren niemand, da es derzeit keinen Zugang gibt.

Dafür gibt der Dachbereich auch den Blick auf das nebenstehende Jagdschloss frei. Es ist das ursprüngliche Gebäude, die Villa eigentlich ein Anbau. Auch der Gebäudeteil soll wieder hergerichtet werden.

Beim weiteren Blick über das Gelände fällt aber noch ein zweiter großer Gebäudekomplex auf dem Grundstück ins Auge. Dabei handelt es sich um zwei Mühlengebäude aus DDR-Zeiten. Sie waren Lagerhallen der GHG Haushalt und Waren. Teilweise sind sogar noch Maschinen mit VEB-Platten zu finden. Die Gebäude bieten viel Platz – zwei Räume mit je 220 Quadratmetern. Alexander Elsner will sie zu Wohngebäuden umbauen – 14 Wohneinheiten mit jeweils 90 bis 100 Quadratmetern und hohen Decken. Der Unternehmer spricht von „loftartigem Wohnen“. Ein Teilbereich wird als Parkgarage für die Mieter umfunktioniert.

„Aber erstmal muss alles abgeschippt und abgetragen werden“, erklärt der Unternehmer besonnen. Er muss sich in der Bauzeit sicherlich auf Überraschungen einstellen. Insgesamt ist das Projekt ein großer finanzieller Aufwand – aber nicht nur für die Zukunft seiner Familie, sondern auch zum Bewahren der Stadthistorie.