Schönebeck l Organisator Jens Kurth hat seinen ganz eigenen Rückblick auf den Nikolausmarkt am vergangenen Wochenende. „Wir haben wirklich alles mitgenommen: Verdi-Demo, Feuerwehr- und Polizeieinsatz und jede Menge Regen“, sagte der Inhaber der Veranstaltungsagentur Modus Vivendi, die seit vier Jahren den Schönebecker Weihnachtsmarkt auf die Beine stellt.

Und trotzdem ist Jens Kurth eigentlich nicht unzufrieden. „Der Freitag war zwar unterirdisch, weil die Besucher wegen des Regens weggeblieben sind. Dafür sind aber viele Leute am Sonnabend und Sonntag gekommen“, sagt er. Und für das Wetter könne schließlich niemand etwas.

Am Sonnabend hat offenbar die Geschenkeaktion der Bürgerstiftung für Grundschüler die eine oder andere Familie zusätzlich auf den Schönebecker Markt gelockt. Und auch der verkaufsoffene Sonntag hat den Besucherzahlen gut getan. „Seit wir den Weihnachtsmarkt organisieren war er sonntags noch nie so gut besucht wie in diesem Jahr“, sagte Jens Kurth. „Die Geschäfte sollten daher in Zukunft immer zum Weihnachtsmarkt öffnen dürfen.“

Doch sehen das die Händler in der Innenstadt auch so? Lohnt sich der verkaufsoffene Sonntag überhaupt für den Einzelhandel, den es in diesem Jahr erstmals wieder gab?

Kunden kaufen Geschenke und Gutscheine

Eine große Befürworterin der zusätzlichen Öffnungszeiten ist Steffi Himmelreich von Himmelreich Moden. „Für uns lief es super. Die Leute kaufen immer viele Weihnachtsgeschenke und Gutscheine bei uns. Der Advent ist mit die umsatsstärkste Zeit für uns“, sagte Steffi Himmelreich, die sich selbst in der Vergangenheit immer wieder für den verkaufsoffenen Sonntag stark gemacht hatte. „Auch zwischen Weihnachten und Neujahr haben wir immer noch viel zu tun, weil die Leute dann ihre Gutscheine einlösen und ihr Weihnachtsgeld ausgeben.“

Auch im Elektrohaus Neubauer am Salztor war am gesamten Wochenende viel Kundschaft. „Das liegt aber vor allem an unserem Sortiment. Wir haben nun mal viel Weihnachtsdekoration und Weihnachtsgeschenke“, sagte Bettina Neubauer. Allerdings seien am Sonnabend wahrscheinlich doch mehr Kunden da gewesen, weil die Geschäfte am Sonntag nur fünf Stunden geöffnet haben durften.

Petra Wolff vom Markt-Café hat gleich einen eigenen Stand auf dem Weihnachtsmarkt vor ihrem Lokal bezogen. „Das machen wir fast jedes Mal. Nur im vergangenen Jahr wurden wir vergessen“, sagte sie. Am Stand vom Café gab es Glühwein und Kartoffelpuffer. „Das läuft immer sehr gut“, sagt sie zufrieden. Obwohl sich ihr Café direkt am Markt befindet, sei der eigene Stand wichtig. „Wenn eine andere Bude vor unserer Tür steht, kommen die Leute auch nicht mehr zu uns rein“, sagt sie.

Konzert im Geschäft

Ramona Krebs vom Geschäft Ramona Dessous hat ihre eigenen Tricks, um die Kunden in ihren Laden zu locken. Denn der liegt an der Elbstraße ein bisschen abseits vom Weihnachtsmarkt. „Wir haben ein kleines Konzert für unsere Stammkunden veranstaltet.

Dabei konnten sie sich gleich ein bisschen inspirieren lassen“, sagte Ramona Krebs. Und vielleicht kommt der eine oder die andere dann später noch einmal vorbei, um ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Den verkaufsoffenen Sonntag hält Ramona Krebs grundsätzlich für eine gute Idee.

„Wir haben aber eben vor allem Stammkunden und weniger die Laufkundschaft vom Weihnachtsmarkt“, sagte sie. Nur dass die Weihnachtsbeleuchtung nicht bis zu ihrem Geschäft reicht, findet sie ein bisschen Schade.

Weniger zufrieden mit dem verkaufsoffenen Sonntag war hingegen Christel Beyer vom Miederwaren-Geschäft am Salztor. „Wir hatten am Sonntag genau eine Kundin im Laden. Das lohnt sich für uns nicht“, sagte Christel Beyer. Eigentlich findet sie es aber gut, dass die Geschäfte auch mal am Sonntag im Advent geöffnet haben dürfen.

„Das ist nun mal ein Weihnachtsmarkt, auf den die Leute zum Glühwein trinken gehen. Aber das ist auch völlig in Ordnung so, wie es ist“, sagte sie. Ihren Laden würde sie im kommenden Jahr aber wohl nicht mehr am Sonntag öffnen. „Der Schönebecker Nikolausmarkt ist klein, aber fein“, sagte Christel Beyer.

Keine Umsatzrekorde

Insgesamt ist vielen Händlern aber auch anzumerken, dass sie sich die Schönebecker Innenstadt nicht mehr schlecht reden (lassen) möchten, selbst wenn vielen von ihnen ein verkaufsoffener Sonntag vielleicht keine Umsatzrekorde bescheren sollte.

Man ist offenbar eher froh, dass überhaupt mal etwas in der Stadt passiert und möglich gemacht wird. Selbst eine Händlerin von der Friedrichstraße, die am Sonntag nicht öffnen durfte, weil ihr Geschäft zu weit vom Weihnachtsmarkt entfernt liegt, mochte sich darüber nicht beklagen.

Trotzdem findet sie es gut, dass es wieder einen verkaufsoffenen Sonntag in Schönebeck gab. Sie selbst könne aber auch an anderen Tagen verkaufen, wenn es rechtlich nicht anders möglich sei.

Keine Beschwerden

Jens Kurth von Modus Vivendi hat noch nicht entschieden, ob er den Weihnachtsmarkt im kommenden Jahr noch einmal organisieren möchte. „Da müssen wir erst noch einmal alles nachrechnen und mit der Stadtverwaltung sprechen“, sagte er. Reich werde er mit der Veranstaltung zwar nicht, aber er möchte eben auch keine Verluste machen.

Auf den ersten Blick spricht zumindest erst einmal nichts grundsätzlich dagegen. Auch Händler und Besucher seien seiner Wahrnehmung nach insgesamt zufrieden gewesen. „Zumindest hat sich bisher niemand beschwert, auch nicht im Internet“, sagte Jens Kurth. Und das würde in Schönebeck schon eine ganze Menge heißen. „Ein größeres Lob gibt es hier eigentlich nicht“, sagte Jens Kurth lachend.