Rettungstransport

Wenn jede Minute zählt

Im Salzlandkreis sind die Rettungskräfte meist zügig vor Ort, doch nicht immer so schnell, wie im Rettungsdienstgesetz gefordert.

Schönebeck l Wenn die Gesundheit oder gar das Leben von Menschen auf dem Spiel stehen, kommt es auf jede Minute an. Aus diesem Grund sind im Rettungsdienstgesetz des Landes Sachsen-Anhalt auch Fristen für die Einsatzkräfte vorgesehen. Demnach soll ein Rettungstransportwagen (RTW) innerhalb von zwölf Minuten seinen Einsatzort erreichen, ein Notarzt innerhalb von 20 Minuten. Diese Zeiten sollen in mindestens 95 Prozent aller Einsätze eingehalten werden, so die Vorgabe.

Im Rettungswachenversorgungsbereich Schönebeck, der Schönebeck, das Bördeland und Barby abdeckt, ist es im ersten Halbjahr 2020 zu 2698 RTW-Einsätzen gekommen. In 83,36 Prozent der Fälle erreichten die Rettungswagen ihren Einsatzort innerhalb der Zwölf-Minuten-Frist. Damit liegt der Rettungswachenbereich Schönebeck etwas unter dem Kreisdurchschnitt mit 87,61 Prozent.

Im gleichen Zeitraum kam es im Versorgungsbereich Schönebeck zu 965 Fällen, in denen ein Notarzt ausrücken musste. In 99,38 Prozent der Einsätze hielten die Notärzte die 20-Minuten-Frist ein. Im Kreisdurchschnitt sind die Notärzte in 97,74 Prozent innerhalb der Zeitvorgabe vor Ort. Dass die Notärzte seit mehreren Jahren kontinuierlich die Hilfsfristen einhalten können, liege unter anderem daran, dass der Salzlandkreis mit fünf Notarztstandorten gut aufgestellt ist, sagt Kreissprecher Marko Jeschor.

Dennoch zeigt sich, dass die 95-Prozent-Vorgabe des Landes nicht immer erfüllt wird – sowohl im Kreisdurchschnitt, als auch konkret im Schönebecker Bereich. Laut Marko Jeschor bildet die Vorgabe ohnehin nur eine Plangröße. „Da in einem Kalenderjahr nicht immer gewöhnliche Bedingungen herrschen und diese auch nicht zu 100 Prozent vorhersehbar sind, sind laut Landesregierung auch Quoten unterhalb dieser Grenze als ausreichend anzusehen“, teilt Jeschor mit.

Trotzdem sei man bestrebt, die Situation zu verbessern. So wurde beispielsweise nach einem Gutachten im Jahr 2018 der Beschluss gefasst, die Rettungsmittelvorhaltung für den gesamten Salzlandkreis um insgesamt 391 Wochenstunden zu erhöhen. Das wurde im September 2019 vollständig umgesetzt. „Seitdem ist für den gesamten Salzlandkreis eine Verbesserung im Hinblick auf die Hilfsfrist zu erkennen“, so Jeschor.

Die Ursachen für Verspätungen sind überdies zahlreich und oftmals kaum zu verhindern. Vor allem Straßensperrungen aufgrund von Bauarbeiten sorgen für Umwege und somit einen längeren Rettungsweg. „Ein weiterer Grund ist die sogenannte Duplizität von Einsätzen. Es kommt also vor, dass ein RTW im Einsatz oder auf dem Weg in ein Krankenhaus ist und in seinem Einsatzgebiet tritt ein weiterer Notfall auf. Dieser muss dann von Rettungskräften des benachbarten Rettungswachenversorgungsbereichs versorgt werden. Daraus resultieren wiederum längere Anfahrtswege.“

Zudem sorgen die Witterungsbedingungen für Verspätungen. Bei Schnee, Eis, Nebel oder Starkregen müssen auch die Rettungskräfte ihre Geschwindigkeit anpassen.

Im Vergleich mit anderen Landkreisen Sachsen-Anhalts schneidet der Salzlandkreis passabel ab. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Rüdiger Erben hervor. Was die Einhaltung der RTW-Fristen im Jahr 2019 angeht, so liegt der Salzlandkreis mit 86,61 Prozent nämlich im Mittelfeld. Die Angaben der Landesregierung zeigen auch, dass in keinem der Landkreise die vorgegeben 95 Prozent bei den RTW-Hilfsfristen eingehalten werden konnten.

Bei den Fristen für Notarzteinsätze sieht das anders aus. Es sieht besser aus. In über der Hälfte der kreisfreien Städte und der Landkreise wurde die 95-Prozent-Vorgabe erfüllt. Der Salzlandkreis rangiert auf dem vierten Platz. 2019 erreichen die Notärzte in der hiesigen Region in 96,90 Prozent der Fälle ihren Einsatzort in weniger als 20 Minuten.