Elbenau l Komplett überrumpelt hat der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest die heimischen Jäger nicht. „Wir wussten, dass sie irgendwann kommen würde“, sagt Jens Dedow. Doch wie in Brandenburg, dort, wo die Tierseuche bisher nachgewiesen wurde, damit umgangen wurde, macht den Fachmann fassungslos.

Der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest wurde in Brandenburg am 10. September 2020 offiziell. Eigentlich hätte das Bundesland reagieren müssen. Wildzäune hätten entlang der polnischen Grenze aufgestellt werden müssen. Im Nachbarland grassiert die für den Menschen ungefährliche Krankheit schon länger. „Aber man hat dort erstmal bis Montag damit gewartet. Es fehlte an Personal“, weiß der Schönebecker Jens Dedow. Ein Skandal, wie er findet. Mehr als 20 tote, infizierte Wildschweine seien bisher in Brandenburg gefunden worden.

Für den Ernstfall gut gerüstet

Die Jäger gehen zwar noch nicht von einer schnellen Ausbreitung nach Sachsen-Anhalt aus, doch für den Ernstfall sehen sie sich gut gerüstet. „Es gibt schon lange eine Arbeitsgruppe und Konzepte für mögliche Szenarien“, sagt Dedow. „Kreisjägermeister Jens Hennicke und Amtstierärztin Dr. Martina Bradtke sind sehr wachsam.“ Außerdem lobt der Experte auch das Veterinäramt des Kreises: „Sie sind sich der Gefahr bewusst und der Wille ist da, die bestmögliche Lösung zu finden.“

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Krisenstab arbeitet

Das bestätigt auch Katharina Elvert. Sie ist Vorsitzende des Kreis-Bauernverbandes. „Der Krisenstab hat sich unlängst getroffen. Wir sind für einen kurzfristigen Ausbruch vorbereitet und können, wenn möglich, schnell eingreifen“, so Elvert. „Die Fehler, die in Brandenburg gemacht wurden, werden wir nicht machen. Wir konnten daraus lernen.“

Die Hauptleidtragenden der Afrikanischen Schweinepest seien ohnehin die Landwirte der Region. Wenn ein Tier auf einem Hof befallen sein würde, würde das die komplette Vernichtung des Bestandes bedeuten – ein wirtschaftlicher Totalschaden für den betroffenen Landwirt. Auch Futtermittel aus der betroffenen Region könne dann nicht mehr verwendet werden. „Man weiß ja nicht, ob ein infiziertes Tier über ein Mais- oder Futterfeld gelaufen ist“, so Elvert. Das würde die Situation zusätzlich erschweren.

Importverbot für deutsches Fleisch

„Das geht alle Tierhalter an. Die Dimensionen, die diese Katastrophe annehmen kann, muss uns bewusst sein“, sagt Jens Dedow. Viele asiatische Märkte hätten unlängst ein Importverbot für deutsches Fleisch verhängt. „Der Markt bricht hier sofort zusammen“, weiß die Vorsitzende des Kreis-Bauernverbandes. Hohe finanzielle Ausfälle drohen.

Seine Forderungen sind jedenfalls klar: Vor allem in Brandenburg müssten massive Zäune mit schwerem Knotengeflecht errichtet werden. Sie müssen wilddicht sein, von Fachfirmen aufgestellt. „Die normalen Forstzäune reichen nämlich nicht aus. Die halten keine Wildschweine ab“, so der Schönebecker. Und vor allem müsse schnell gehandelt werden.

Jäger sieht Wölfe

Durch die Afrikanische Schweinepest werden Jäger und Menschen, die in und mit der Natur arbeiten künftig mehr gefordert werden. Ein Problem ist allerdings unlängst in den heimischen Wäldern angekommen: der Wolf. Jens Dedow selbst sieht die scheuen Vierbeiner regelmäßig.

„Außerdem tappen sie von Zeit zu Zeit immer wieder in Fotofallen“, so der Jäger. Sie verändern das Ökosystem und damit auch das Verhalten anderer Wildtiere. „Es kommt dadurch zu Zusammenschlüssen von Rudeln“, beobachtet der Fachmann. Die Tiergruppen, etwa von Damwild oder auch Schweinen, werden größer. Wenn die großen Gruppen Felder, auf denen Futtermittel angebaut würden, befallen, könne der Schaden enorm werden.

Tiere verändern Verhalten

Zwar seien Wölfe aktuell noch keine Konkurrenz für die Jäger der hiesigen Region, dennoch würden sich durch seine Anwesenheit Probleme ergeben. „Wildschweine werden zunehmend aggressiver gegen Hunde“, so Dedow. Die Jagdtiere würden mit Schutzwesten ausgestattet, damit sie vor gefährlichen Wildschweinangriffen geschützt seien und möglichst gesund bleiben.

Um den Wolf in Sachsen-Anhalt nachzuweisen, würde viel Geld ausgegeben. Dedow: „Das sollte man besser für andere Projekte nutzen.“