Großmühlingen l Die Tore der Werkstatt stehen offen, drinnen sieht man einen weißen Kleintransporter auf der Hebebühne, einen Kleinwagen in lila und einen Oldtimer. Aus den Radioboxen dringen die Backstreetboys mit „Everybody“ und es liegt ein Hauch von Kaffee und Zigaretten in der Luft.

Die Werkstatt von Hans-Georg Becker hat gut was zu tun, an Aufträgen mangele es nicht. „Es kommt immer auf den Tag drauf an“, erklärt der Mechaniker. „Manchmal sind es zwei Aufträge am Tag, manchmal zehn.“ Das liege vor allem an der Art der Arbeit, die an einem Wagen erledigt werden müsse. „Karosserieschäden dauern länger, manchmal ein paar Tage. Reifenwechsel und TÜV gehen hingegen ganz schnell“, so Becker.

Selbstständigkeit war ein Traum

Seit einem viertel Jahrhundert ist er nun bereits selbstständig. Seit dem 1. Juni 1995. Zuerst hatte er eine kleinere Werkstatt in Großmühlingen, dann ersteigerte er das jetzige Gebäude – eine alte Scheune. „Hier wo wir sitzen war früher ein Schweinestall“, erinnert sich der 63-Jährige. Am 19. November 2005 zog die Werkstatt dann in das Gebäude, in dem sie heute noch immer ist.

Die Selbstständigkeit war für Hans-Georg Becker schon immer ein Traum: „Ich wollte mich schon damals in der DDR selbstständig machen. Das wurde aber abgelehnt, weil man keinen Bedarf an Autowerkstätten gesehen hat“, berichtet er. Nach der Wende konnte er seinen Wunsch erfüllen. Die Werkstatt sei gleich gut angelaufen, erzählt er. „Ich hatte schon privat etwas für die Leute geschraubt und hatte sozusagen schon Stammkunden. Die habe ich dann in die Werkstatt übernommen“, schildert der 63-Jährige.

Die Selbstständigkeit bringt aber auch Schwierigkeiten mit sich. Das weiß auch seine Frau Karola Becker: „In den letzten 25 Jahren gab es quasi kein richtiges Familienleben. Er war immer erst spät abends zuhause.“ Denn natürlich hängt an einer Selbstständigkeit mehr als nur das Schrauben an kaputten Autos. Die anderen Arbeiten seien das, was auch am meisten störe, berichtet Hans-Georg Becker. „Buchhaltung, Steuern, Rechnungen schreiben – eben der ganze Papierkram, das nervt. Und das sind eben auch Dinge, die ich nur machen kann, wenn kein Kunde da ist, also eigentlich nach Feierabend“, so Becker. „Dabei bin ich viel lieber in der Werkstatt und schraube, anstatt hier am Schreibtisch zu sitzen.“ Zum Glück nimmt ihm seine Frau etwas von der Arbeit ab. „Ich helfe ein bisschen bei den Sachen für die Steuer“, meint Karola Becker.

Das Schrauben an Oldtimern

Doch trotz der Unwegsamkeiten: Er mag seine Arbeit. Vor allem das Schrauben an seinem Oldtimer mache ihm Spaß. „Jetzt im Sommerloch ist da etwas Zeit, um was an dem Auto zu machen.“ Das Sommerloch, in dem weniger Aufträge reinkämen, habe man jedes Jahr, schildert er. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie hätten sie hingegen nicht gespürt. „Das hatte keine Auswirkungen, weder auf die Aufträge noch unsere Arbeit“, meint der Mechaniker.

Das Einzige, wo ihn die Pandemie wirklich tangiere, sei die Jubiläumsfeier. „Beim 20-jährigen Jubiläum haben wir abends auf dem Platz vor der Werkstatt getanzt“, schwelgt Karola Becker in Erinnerungen. Dieses Jahr müsse die Feier nun leider ausfallen. „Wir wollen sie aber nachholen“, sagt der Mechaniker. Auch die Urkunde zum 25. Firmenjubiläum von der Handwerkskammer hätten sie noch nicht bekommen – wegen Corona.