Schönebeck l Vom einstigen Gymnasium Malzmühlenfeld ist nichts mehr zu sehen. Von den Stadtvillen, die dort bald stehen sollen, aber auch noch nicht. Derzeit wird Baufreiheit geschaffen, damit es losgehen kann. Dieser Wohnungsneubau ist auch das größte Projekt der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Schönebeck für 2020. 6,1 Millionen Euro sollen alleine dort verbaut werden. „Wenn alles nach Plan läuft, soll Ende des Jahres der Hochbau fertig sein“, sagt Vorstandsvorsitzender Detlef Eitzeroth und ist zuversichtlich: „Alle nötigen Firmen sind gebunden. Im Februar kann gestartet werden.“

Vier Stadtvillen sollen an der Johannes-R.-Becher-Straße (ehemals Gymnasium Malzmühlenfeld) entstehen. 32 bis 36 Wohnungen sollen es werden, barrierefrei, mit Tiefgarage und Aufzug vom Auto bis vor die Wohnung. „Mit allem Drum und Dran rechnen wir mit 10 Millionen Euro“, so Detlef Eitzeroth, die boomende Baubranche und die teils explodierenden Preise im Blick.

Zuerst werden – natürlich – die Tiefgaragen gebaut. Der dadurch anfallende Aushub werde nicht wenig sein, ein Entsorgen kostenintensiv. Deshalb gebe es die Überlegung, so der Vorstandsvorsitzende, die anfallende Erde auf dem Gelände zu belassen. Eventuell als Erdwall.

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Villen werden parallel gebaut

Die Villen sollen parallel gebaut werden. „Es entsteht also nicht ein Haus nach dem anderen, sondern es sollen alle vier Gebäude gleichmäßig wachsen“, erklärt er und wagt einen Blick in die Zukunft: „Nach heutiger Planung – aber damit will ich ganz vorsichtig sein – soll alles am 13. Dezember 2021 fertig sein.“ Sorgen, dass die Wohnungen nicht unter die Haube kommen, braucht sich die WBG wohl nicht. Aktuell gebe es für jede Wohnung mindestens einen Interessenten. Sie seien registriert, feste Zusagen jedoch noch nicht erteilt.

Renovierung Hausflure

Weitere Gelder der Genossenschaft fließen unter anderem in Renovierungsarbeiten. Zum Beispiel für Hausflure – wie auch im vergangenen Jahr schon und im nächsten Jahr noch. „Krause-, Becher-, Brechtstraße ... Also unser Wohngebiet 1, nördlich vom Stadtfeld“, erklärt Detlef Eitzeroth. Insgesamt 14 Hausflure sollen in diesem Jahr schick gemacht werden. Diese seien rund 15, 20 Jahre alt und die Verschleißspuren unübersehbar. Das ändert sich nun. Kostenpunkt: rund 200.000 Euro.

Zudem sollen Wasserverteiler – ebenfalls 15 und mehr Jahre alt – erneuert werden. In der Kohlestraße 5, 8 und 9 bis 12 sowie Warschauer Straße 1 bis 6 und Berliner Straße 22 bis 27. 40.000 Euro sind dafür eingeplant.

Für die WBG-Spielplätze sind 50.000 Euro vorgesehen. Wo nötig, sollen Geräte ausgetauscht werden.

Alles mit Eigenmitteln

8,5 Millionen Euro will die Wohnungsbaugenossenschaft in diesem Jahr investieren. Im vergangenen Jahr sind es 5 Millionen Euro gewesen. Immer in Instandhalten, Modernisieren, Neubau. „Wir planen für 2020 mit einem Gewinn von rund 1,5 Millionen Euro“, sagt Detlef Eitzeroth optimistisch. In dem Dreh um die 1 Million Euro bewege sich die WBG Jahr für Jahr. Das sei von den Vertretern der Genossenschaft so geplant und so gewollt. Dieses Geld fließe in den Bestand. „Wir haben nie über die Zahlung von Dividenden gesprochen. Die Mitglieder sind sich einig: Sie wollen, dass das Geld wieder in die Wohnungen fließt.“

Sämtliche Maßnahmen sollen aus eigenen Mitteln finanziert werden. Kredite sollen keine aufgenommen werden, auch mittelfristig sei das nicht geplant. „Das brauchen wir nicht“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Die Altkredite seien so organisiert, dass – wenn alles nach Plan laufe – die WBG in elf Jahren schuldenfrei sei. „Und das ist unser Ziel: Langfristig gesehen wollen wir uns entschulden, damit wir später unser Geld nur noch zum Bewirtschaften brauchen und nicht, um Schulden abzubauen.“ Dies sei vor allem mit Blick auf den demografischen Wandel wichtig. Nicht, dass aufgrund zurückgehender Bevölkerungszahl zu viele Wohnungen leer stehen.

Apropos Leerstand: Die Wohnungsbaugenossenschaft hat 3.300 Wohnungen. Fast alle in Schönebeck. 48 Wohnungen gibt es zudem in Calbe. Mit der dortigen Genossenschaft sind sie einst fusioniert. Diese hat 46 Wohnungen in ihrem Bestand gehabt, ein Doppelhaus ist neu gebaut worden.

Der Leerstand sei von zehn auf elf Prozent gestiegen. Damit habe man aber gerechnet, so Detlef Eitzeroth. Der demografische Wandel eben. „Gucken Sie sich doch die Bevölkerungszahlen an. Es wird nicht besser ... Es wird noch eine Abrisswelle geben“, ist er sich sicher. Aber noch gebe es diesbezüglich bei der WBG keine Planungen.