Calbe l Ab sofort ist nicht mehr Kornelia Eichel die Chefin der Calbenser Wohnungsbaugesellschaft. Ab morgen wird der Geschäftsführer nämlich Jan Forkel heißen. Auf den neuen Chef an der Spitze des kommunalen Wohnungsunternehmens kommen in der Zukunft einige Aufgaben und Herausforderungen zu.

Jede vierte Wohnung im Bestand steht aktuell leer. Das ist das größte Sorgenkind des Unternehmens. Dabei hatte der Vermieter im Besitz der Kommune bereits in der Vergangenheit reichlich Wohnraum zurückgebaut, erinnert sich die scheidende Geschäftsführerin Kornelia Eichel noch gut. Der Rückbau führte zu einer guten Auslastung der Wohnungen und zu einem relativ geringen Leerstand.

Demografie bringt Probleme

Doch die Demografie setzt dem größten Vermieter der Saalestadt zu. Calbe hat die älteste Bevölkerung in Sachsen-Anhalt unter den Städten mit vergleichbar großer Bevölkerung. Viele Mieter wohnen seit Jahrzehnten in der gleichen Wohnung.

Je älter die Mieter werden, desto größer wird der Wunsch nach Barrierefreiheit. Häuser mit Treppen sind an Menschen, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können, kaum noch vermittelbar.

Geschmäcker ändern sich

Besonders zu schaffen macht das dem Unternehmen in der Neuen Wohnstadt. Das einst im real existierenden Sozialismus gebaute Viertel ließ für die dort wohnenden Menschen kaum Wünsche übrig. Eine kleine Stadt in der Stadt wurde dort gebaut. Dort gab es früher alles, erinnerte sich eine Calbenserin bei einem Klassentreffen. Von der Kinderbetreuung bis zum Einkauf konnten die Menschen dort alles vor Ort erledigen und mussten nicht in den Calbenser Innenstadt.

Praktisch sollte es sein. Die Wohnungen waren damals ihrer Zeit weit voraus. Sie waren modern und sehr begehrt. Drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer haben sich die Geschmäcker verändert. Zwar wissen Familien mit mehreren Kindern die zum Teil recht großen Wohnungen sehr zu schätzen. Doch für die immer älter werdende Bevölkerung kann der Eigentümer die vorhandene Bausubstanz kaum umbauen. Das ganze Viertel steht unter Denkmalschutz.

Denkmalschutz birgt Probleme

Mehrere Versuche startete die jetzt in den Ruhestand wechselnde Geschäftsführerin, einen Teil der Wohnungen behindertengerecht umzubauen und einen Fahrstuhl zu installieren. So sollten auch die Mieter, die seit vielen Jahren in den Wohnungen leben, auch im höheren Alter ihre Wohnungen nicht verlassen müssen. Doch die erforderlichen Genehmigungen für die Umbauten erteilte der Denkmalschutz nicht.

So wird der Denkmalschutz in der Neuen Wohnstadt zunehmend zu einem Problem für das kommunale Unternehmen. Herausforderungen gibt es für das Unternehmen aber auch in anderer Hinsicht. So muss es dem Vermieter in Zukunft gelingen, mehr junge Familien anzusprechen und an diese Zielgruppe mehr Wohnungen zu vermieten, um den Leerstand abzubauen.

Auf der anderen Seite muss die Calbenser Wohnungsbaugesellschaft für die immer älter werdenden Bestandsmieter weiter attraktiv bleiben und Wohnungen im Bestand haben, die barrierefrei im Alter nutzbar sind.

Kompromisse müssen her

Längst haben andere Vermieter hier das große Potenzial erkannt und bauen ihre Wohnungen entsprechend aus oder schaffen neuen barrierefreien Wohnraum. So wird das kommunale Unternehmen in die Zange genommen und hat zu Beginn des zweiten Jahrzehnts in diesem Jahrhundert eine große Aufgabe vor sich. Um zumindest beim Umbau des Wohnungsbestandes weiter zu kommen, wird die Frage des Denkmalschutzes in den Fokus rücken.

Dabei wird vor allem eine Rolle spielen, ob der Denkmalschutz dazu führen soll, dass Wohnungen nicht mehr genutzt werden. Kompromisse müssen in der Zukunft mit den Denkmalschützern gefunden werden, damit der Wohnungsbestand nicht an Attraktivität für die Bürger verliert. In der Bilanz des Unternehmens könnte sich dies verheerend auswirken.