Das Zuchtprogramm

Die Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP) sind ein zoo-übergreifendes Projekt zur gezielten und koordinierten Zucht von in Zoos gehaltenen Tierarten. Das ursprüngliche Ziel war, diese Tierarten auch ohne weiteren Erwerb von Wildfängen dauerhaft mit ausreichender genetischer Diversität in den Zoos zu erhalten. Seit den 1990er Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt mehr und mehr zur Erhaltung vom Aussterben bedrohter Arten aus Artenschutz-Gründen.

Zurzeit gibt es über 150 EEP. Sie kümmern sich mehrheitlich um die Erhaltung von Säugetieren, aber auch Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische und Wirbellose werden gezüchtet. Quelle: Wikipedia

Schönebeck l Es ist Frühling und somit die Zeit, in der im Heimattiergarten Bierer Berg besonders viel tierischer Nachwuchs auf die Welt kommt. Im Gegensatz zu anderen, werden einige der Tierkinder aber ganz besonders beobachtet und die Lebensdaten noch anderer, werden sogar in Büchern vermerkt – in sogenannten Zuchtbüchern. Denn im Heimattiergarten werden zwei Tierarten gezüchtet, deren Nachwuchs in ganz Europa gefragt ist.

EEP-Zuchtprogramme:

Zwei Tierarten sind es, auf deren Zucht die Mitarbeiter des Heimattiergartens Bierer Berg ein ganz besonderes Augenmerk legen. Schließlich ist der Nachwuchs dieser Arten in ganz Europa gefragt. Denn auf dem Bierer Berg werden sowohl vom Aussterben bedrohte Mesopotamische Damhirsche als auch Visayas-Mähnenschweine gezüchtet – mit Zuchtbuch und allem was dazu gehört. In so ein Zuchtbuch werden alle Lebensdaten der Tiere, die jeweils mit einer eigenen Nummer gekennzeichnet sind, eingetragen.

Das Zuchtbuch allerdings befindet sich nicht in Schönebeck, sondern in den Händen des jeweils zuständigen Zuchtbuchführers. Und der kann irgendwo in Europa sitzen. Denn bei den beiden Zuchtprogrammen, denen der Heimattiergarten angehört, handelt es sich um solche im Rahmen der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme (EEP).

Bilder

Als Teil zweier dieser Programme ist der Heimattiergarten dazu verpflichtet, alle Angaben über das Zuchttiere und den Nachwuchs an den Zuchtbuchführer zu übermitteln. Dieser gibt die Empfehlungen zur Verpaarung einzelner Tiere, um einen optimalen Genpool aufrechtzuerhalten (siehe Infokasten). Er oder sie bestimmt auch, welche Tiere wegen Inzuchtgefahr nicht zusammengeführt werden dürfen und kann auch neue Gruppen zusammenstellen und den Austausch zwischen den beteiligten Züchtern organisieren.

So leben in Schönebeck zwei männliche Mesopotamische Damhirsche als Zuchttiere für die Verpaarung mit anderen Damhirschen, sozusagen als Auffrischer der Genpools. Tierpfleger und Leiter des Parks Matthias Willberg berichtet, dass von dieser Art in Zoos mehr Tiere leben, als in der freien Wildbahn.

Ein wenig anders gestaltet sich die Zucht auf dem Bierer Berg bei den Visayas-Mähnenschweinen. Von diesen lebt nämlich ein Zuchtpaar im Heimattiergarten – zusammen mit einem weiblichen Jungen des Paares, die selber aber keinen Nachwuchs bekommen kann. Und auch drei Jungtiere gehören zur Zeit zu der Gruppe. Die drei Jungtiere allerdings werden schon bald in andere Tiergärten und Zoos in ganz Europa wechseln – eben in solche, in denen Artgenossen mit passender, also unterschiedlicher Genetik, leben, um dort vielleicht selber irgendwann für Nachwuchs und den Erhalt der Art zu sorgen. Denn laut Roter Liste gelten Visayas-Mähnenschweine, die ursprünglich von den Philippinen kommen, als vom Aussterben bedroht.

Monitoring:

Abseits der streng geregelten EEP stehen zwei weitere Arten auf dem Bierer Berg unter besonderer Beobachtung. Im Rahmen des sogenannten Monitorings sammeln die Mitarbeiter des Heimattiergartens um Matthias Willberg Daten über die Pakas, die im Klein-säugerhaus zu finden sind, und Flachland-Viscachas. Die allerdings sind für die Besucher des Tiergartens momentan nicht zu sehen und leben hinter den Kulissen. Sobald das sich aktuell im Bau befindliche neue Grison-Gehege fertig ist, übernehmen die Flachlandviscachas das alte Gehege der Grisons nahe der Esel.

Auch der Nachwuchs dieser Tiere – ihn gibt es zur Zeit sowohl bei den Pakas als auch bei den Flachland-Viscachas – wird den Bierer Berg irgendwann verlassen und bei anderen Artgenossen irgendwo in Deutschland oder Europa ein neues Zuhause finden.

Normale Zucht:

Was die anderen Tiere auf dem Bierer Berg angeht, wird größtenteils zwar auch gezüchtet, aber eben ohne Zuchtbuch und ohne besondere Beobachtung mittels Monitoring. Auch diese Tiere werden weniger streng geregelt an andere Tiergärten abgegeben – dorthin, wo eben Platz und Bedarf an Jungtieren ist.