Seehausen l Die Bewerbung abgegeben hat er noch nicht, aber sich bereits erkundigt. „Bei Amtsinhabern ist die Bewerbung nicht so aufwendig, da reicht quasi ein Zweizeiler.“ Diesen zu schreiben oder nicht, habe der Seehäuser lange überlegt. „Ich kannte die Stadtratsarbeit ja schon vorher, aber der Arbeitsumfang als Bürgermeister war mir doch nicht so bewusst.“ Wie Neumann in Erfahrung brachte, sei die Stadt Seehausen mit knapp 5000 Einwohnern sachsen-anhaltweit die größte Mitgliedsgemeinde einer Verbandsgemeinde. Zur Kernstadt Seehausen kommen die Dörfer Schönberg, Losenrade, Geestgottberg und Beuster. „Das ist wirklich nicht ohne für einen ehrenamtlichen Bürgermeister.“ Weswegen Neumann 2018 beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) auch in Teilzeit ging. Er arbeite dort jetzt noch 37 Stunden in der Woche, „so passt‘s“. Aber da gibt es ja auch die beiden Enkelkinder, die in seiner ersten siebenjährigen Amtszeit geboren wurden. „Das alles lässt einen schon nachdenken. Wir waren ja früher auch froh, wenn Oma und Opa Zeit hatten.“ Unterm Strich – „meine Frau musste ich überzeugen“ – steht aber ein eindeutiges Ja zur Kandidatur. „Am Ende hängt mein Herzblut doch einfach zu sehr an der Stadt. Und ich habe das Amt auch leben gelernt.“

Dass der Stadtrat Seehausen inklusive Bürgermeister nun statt 21 nur noch 15 Mitglieder hat, bereite Neumann nach wie vor Bauchschmerzen. „Mehr Leute bedeuten mehr Meinungen, es wird bunter.“ Das Gesetz aber schreibt es so vor. Ist eine Gemeinde unter die 5000 Einwohner gefallen, ist der Rat nur noch 16 Mitglieder stark. Die Konsequenz aus der Alleinkandidatur von Walter Fiedler dazu, sind es nun noch 14 – plus Detlef Neumann, der es im Übrigen „sportlich“ finden würde, wenn sich weitere Kandidaten aufstellen. „Und wenn ich dann nicht gewählt werde, war ich wohl nicht gut genug. Dann könnte ich damit auch leben.“

Lieber aber möchte Neumann weiter vorne mitmischen, die Stadt Seehausen, vor allem die Innenstadt weiter beleben. Und auch mal einen radikalen Schritt gehen. „Die Konservenfabrik ist für mich ein Paradebeispiel. Auch ich habe so gehangen an dem Objekt, aber manchmal braucht es eben neue Lösungen.“ Nun hat die Stadt einen Schandfleck weniger und unter anderem eine nigelnagelneue Tagespflege für Senioren. Überaus froh sei Neumann auch, dass Bewegung in den Komplex in der Salzstraße kommt, „das werden wieder Wohnungen“. Auch sei angedacht, dass dort Räumlichkeiten für ein gemeinsames Archiv von Stadt und Verbandsgemeinde geschaffen werden. Nicht auszuhalten schön wäre es überdies, wenn das Bahnhofsareal irgendwann neu gestaltet werden könnte. Vielleicht in Zusammenhang mit der Herstellung der Barrierefreiheit des Haltepunkts, den die Bahn auf ihrer Prioritätenliste habe. Auch in Bezug auf das Bahnhofsgebäude sagt Neumann, dass zur Not ein Rückkauf und Abriss in Frage kommt. Manchmal komme man um radikale Schritte nicht drumrum, um vorwärts zu gehen. Das gilt auch für die Dörfer, wobei Neumann das Gefühl habe, „dass da eine Gleichberechtigung gelebt wird“. Und das solle auch so bleiben. Mit Detlef Neumann (57) aus Seehausen/Altmark.

 

Die Bewerbungsfrist begann am 15. August und endet am 15. Oktober. Wahlunterlagen sind im Wahlbüro der Verbandsgemeinde zu erhalten und auch dort abzugeben.