NordMethan stellt sich vor Biomethan-Raffinerie in Glöthe: Einwohner bangen um Dorfidylle
Für das Gewerbegebiet in Glöthe hat ein Investor Interesse bekundet. 17 Jahre lag die Fläche samt Bauruine brach. Nun plant der Biomethan-Erzeuger NordMethan die Errichtung einer Raffinerie. Am Mittwoch lud das Unternehmen zu einer ersten Informationsveranstaltung in das Bürgerzentrum Glöthe. Die Einwohner zeigten sich wenig begeistert.
Glöthe. Noch ehe Projektleiter Rainer Tögel das Unternehmen NordMethan und das geplante Bauvorhaben in Glöthe überhaupt vorstellen konnte, stieß er auf heftige Gegenwehr. "Was soll das? Warum ausgerechnet Glöthe? Die Anlage ist laut. Das Zeug stinkt. Was haben wir davon." Unzählige Fragen und Argumente prasselten auf den Unternehmensvertreter ein. So eine Voreingenommenheit habe er noch nicht erlebt, resümierte Tögel am Ende der Veranstaltung.
NordMethan Projektleiter Rainer Tögel und Prokurist Dirk Tempke hatten gemeinsam mit der Stadt Staßfurt in das Glöher Bürgerzentrum geladen, um das geplante Bauvorhaben vorzustellen und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Mehr als 50 Einwohner aus Glöthe, Üllnitz und Brumby waren der Einladung gefolgt. Und so hitzig wie die Raumtemperatur an diesem Abend war, so hitzig war auch die Diskussion.
Das Unternehmen NordMethan, eine Tochtergesellschaft der Weltec BioPower, ist auf der Suche nach einem optimalen Standort für die Errichtung einer Biomethan-Raffinerie auf die Gewerbefläche in Glöthe gestoßen. Diese erfüllt alle Kriterien, die von Nöten sind. Es umfasst die benötigte Größe, es liegt im ländlichen Raum, es verfügt über eine unmittelbare Einspeisemöglichkeit ins Gasnetz der Erdgas Mittelsachsen (EMS), und es ist ein ausgewiesenes Industriegebiet.
Allerdings liegt dieses Gewerbegebiet mit rund 400 Metern auch relativ nah an der Wohnbebauung des Ortes. Das stößt den Einwohnern bitter auf. Die Angst vor möglicher Geräusch- und Geruchsemission ist groß.
Peter Klose, ein Bürger aus Glöthe, ergreift schon nach wenigen Minuten das Wort und verweist auf seine Tätigkeit im Bereich Hallenmontage und seine bisherigen beruflichen Erfahrungen mit Biogas-Anlagen: "Die Anlagen laufen 365 Tage im Jahr und sind alles andere als leise", so der junge Mann. Andere Anlagen seien weit draußen gebaut worden, weg von der Wohnbebauung. "Aber wir haben es dann direkt vor unserer Haustür", sagt er.
Und auch Klaus Wormann aus Brumby äußert seine Bedenken: "Ich habe mir hier gerade ein Grundstück gekauft. Wenn die Anlage steht, werde ich das doch nie wieder los", sagt er. Eine junge Frau bangt um ihren Blick ins Grüne, eine andere um die Natur.
2000 Lkw transportieren Substrat
Beruhigen konnte da auch nicht die Erfahrung einiger Bürger, die bei einer Besichtigung einer ähnlichen Anlage der NordMethan in Könnern teilgenommen hatten. Kritisiert wurde hier von den Stadt- und Ortschaftsräten, einigen Bürgern und Landwirten lediglich der Geräuschpegel, der von den Gaswaschanlagen ausgehe. Dem sei man jedoch sofort nachgegangen, versichert Rainer Tögel. Schärfere Auflagen für den Produzenten, der Anlage sollen Abhilfe schaffen.
Doch noch mehr als die Geräuschbelästigung durch die Anlage selbst, fürchten die Einwohner die logistische Belastung. Die Raffinerie benötigt jährlich rund 60 000 Tonnen Substrat. Hochgerechnet sind dies etwa 2000 Lkw-Einheiten.
Glöther wollen wissen, was für sie rausspringt
"Zu viel", finden die Bürger und bangen um die Ruhe und Idylle ihres Ortes. Obwohl das Substrat von etwa 15 Landwirten aus einem Umkreis von 20 Kilometern gekauft werden soll, konnten die Bürger der Situation nichts Positives abgewinnen. Auch die künftigen Gewerbesteuereinnahmen ließen sie nicht als Argument gelten. "Davon haben wir doch nichts", so eine Einwohnerin. "Wir geben unser Land her, und das Geld geht nach Staßfurt." Acht Arbeitsplätze und zwei geplante Azubi-Stelle, fanden ebenso wenig Beachtung wie die sicheren Auftragsvergaben an hiesige Handwerker.
Projektleiter Tögel vermutet hinter der auffällig ablehnenden Haltung ein generelles Desinteresse an einer Bebauung des Gewerbegebietes und ein Identifikationsproblem mit der Stadt Staßfurt.
"Wir sind aus der Deckung gegangen, um uns mit der Öffentlichkeit vertraut zu machen", so Tögel. Das Votum haben sie aufgenommen. "Letztlich gehen wir dahin, wo wir akzeptiert und gewollt werden."
Derzeit hat das Unternehmen weder eine Bauvoranfrage gestellt noch das Gasnetz-Zugangsverfahren eingeleitet. Wie der Projektleiter mitteilte, werde er zunächst einen Besichtigungstermin in Könnern abwarten. Dieser wird rechtzeitig bekannt gegeben.