Wirtschaft

Flugzeugbauer in Cochstedt nach Insolvenz stillgelegt

Die Firma XtremeAir, die im Flughafen-Gewerbepark in Cochstedt Ultraleichtflugzeuge produziert hat, ist nach der dritten Insolvenz stillgelegt worden.

Von René Kiel
Die Firma XtremeAir stellte in einer eigenen Betriebsstätte im Flughafen-Gewerbepark in  Cochstedt aus karbongefertige Kunst- und Sportflugzeuge her, die weltweit auf Interesse stießen.
Die Firma XtremeAir stellte in einer eigenen Betriebsstätte im Flughafen-Gewerbepark in Cochstedt aus karbongefertige Kunst- und Sportflugzeuge her, die weltweit auf Interesse stießen. Foto: XtremeAir

Hecklingen/Cochstedt - Die XtremeAir GmbH war in ihren besten Zeiten auf Design, Entwicklung und Herstellung von karbongefertigten Kunst- und Sportflugzeugen vom Typ XA 41 und XA 42 spezialisiert und in diesem Bereich Marktführer. Als einer von weltweit zwei zertifizierten Herstellern von Kunstflugzeugen im unlimitierten Wettkampf war XtremeAir international nach eigenen Angaben dafür bekannt und die Flugzeuge wurden von einigen der weltbesten professionellen Kunstflugformationen geflogen.

Durch die Musterzulassungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EAS) und die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten (FAA) sowie deren Anerkennung in China und Südafrika begeisterten sich weltweit immer mehr Piloten an dem modernsten und sichersten „unlimited aerobatic“ Flugzeug der Welt, teilte das Unternehmen 2015 mit.

Mit der über Jahre hinweg hoffnungsvollen Entwicklung des Flugzeugbauers ist jetzt endgültig Schluss. Da es nach der dritten Insolvenz des auf dem Flughafen-Gewerbepark in Cochstedt ansässigen Unternehmens in Folge keine Aufträge mehr gegeben hatte, wurde die Gesellschaft, die zum Schluss noch rund zwanzig Mitarbeiter zählte, stillgelegt, sagte Karina Schwarz, die vom Amtsgericht Magdeburg zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellten Rechtsanwältin aus Magdeburg.

Sie hatte dem Gericht im März angezeigt, dass die Insolvenzmasse zur Erfüllung der fälligen beziehungsweise der künftig fällig werdenden sonstigen Masseverbindlichkeiten nicht ausreicht.

Es ist besser ordentlich zu liquidieren und alle Schulden zu bezahlen und dann etwas Neues aufzubauen.

Karina Schwarz, vom Amtsgericht Magdeburg eingesetzte Insolvenzverwalterin

Das Unternehmen gehörte zuletzt tschechichen Unternehmern unter Beteiligung von chinesischen Investoren. Bei der ersten Insolvenz waren in dem Unternehmen noch rund 80 Mitarbeiter tätig. Der Personalbestand sei nach jeder Insolvenz immer weniger geworden. „Die Qualitätsvorgaben konnten dann nicht mehr eingehalten werden“, sagte Karina Schwarz. Das Unternehmen sei nach ihrer Einschätzung nicht überlebensfähig gewesen. Man habe es nicht künstlich am Leben erhalten können. „Es ist besser ordentlich zu liquidieren und alle Schulden zu bezahlen und dann etwas Neues aufzubauen“, sagte die Rechtsanwältin.

Zu ihren Aufgaben gehört es, das vorhandene Vermögen der Firma zu veräußern. Dazu gehören die Grundstücke des Unternehmens mitsamt einer großen Fertigungshalle sowie der Betriebs- und Geschäftsausstattung und der technischen Anlagen. Dafür war ein Gesamtkaufpreis von 1.,5 Millionen Euro netto veranschlagt worden. In einem weiteren Los wurden das Projekt Gold Edition, 4 (Prototyp XA22), 6 (Projekt Grau), 7 (Projekt Schwarz), 8 (Propeller, Motor, Spinner) und 9 (Paket Ersatzteile) für einen Gesamtkaufpreis von mindestens 81 000 Euro netto angeboten und die Veräußerung der Lose 5 (Projekt Impulse), 10 (Daten, TC XA 41, 42) und der Portalfräsmaschine Belotti (Rest aus Los 2) wurde mit einem Gesamtkaufpreis von mindestens 20 000 Euro taxiert.

Wie die Insolvenzverwalterin der Volksstimme mitteilte, habe es ein Ausschreibungsverfahren und ein Bieterverfahren gegeben. „Der Meistbietende hat den Zuschlag bekommen“, sagte Karina Schwarz, wollte aber noch keinen Namen nennen, welcher Investor dort zugeschlagen hat. Sie ließ lediglich durchblicken, dass der Käufer an diesem Standort tätig werden wolle.

„Die Gläubiger könnten auch dieses Mal wieder eine 100-prozentige Quote bekommen“, so die Rechtsanwältin. Sie hat sich das Ziel gestellt, das Insolvenzverfahren bis zum Jahresende abzuschließen.

Der Bürgermeister der Stadt Hecklingen, Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen), bedauerte gestern im Volksstimme-Gespräch, „dass eine solche Firma die Segel streichen muss", zumal es sich dabei um interessante Produkte aus dem Bereich der Hochtechnologie handelte, für die es aber nur einen kleinen Markt gab.