Regenwasser

Grabenkämpfe in Osmarsleben

Den Anliegern der Ringstraße in Osmarsleben reicht’s. Bei jedem Regenguss stehen ihre Häuser im Wasser. Sie fordern eine Lösung, damit der Abfluss wieder funktioniert.

Von Falk Rockmann
In der Ringstraße in Osmarsleben fließt das Regenwasser nicht ab, weil ein ursprünglicher Abflussgraben auf einem Privatgrundstück im Hinterland zugeschüttet wurde. Die Anwohner wollen sich das nicht länger bieten lassen, dass ihre Häuser dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden.
In der Ringstraße in Osmarsleben fließt das Regenwasser nicht ab, weil ein ursprünglicher Abflussgraben auf einem Privatgrundstück im Hinterland zugeschüttet wurde. Die Anwohner wollen sich das nicht länger bieten lassen, dass ihre Häuser dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden. Foto: Heiko Herz

Osmarsleben/Güsten - „Ich sehe nicht mehr ein, dass mein Haus darunter leidet, weil irgendeiner den Abflussgraben zugeschüttet hat“, bringt Heiko Herz im Güstener Stadtrat seine Sorgen vor.

Es brauche nicht mal große Niederschlagsmengen. Zuletzt stand das Wasser nach dem Regen in der Nacht zum Montag, 21. Juni 2021, fünf bis zehn Zentimeter am Haus.

Problem von Osmarsleben schon länger bekannt

Das Problem ist offensichtlich schon länger bekannt im Rathaus und war auch schon im Bauausschuss Thema – bis dato allerdings ohne befriedigendes Ergebnis.

Im Stadtrat erklärte Bürgermeister Helmut Zander (SPD) zur Eröffnung der Einwohnerfragestunde, was bisher geschah: „Wir haben ein Riesenproblem mit einem privaten Grundstück mit zentralem Entwässerungsgraben. Der ist zugeschüttet.“ Das führe dazu, „dass die Anlieger absaufen“. Zander sieht ein Versäumnis darin: „Die Altvorderen haben nur mit Handschlag gearbeitet und kein Leitungs- oder Wegerecht vermerkt.“ Der Bürgermeister meint, dass das Problem nunmehr vermutlich nur mit Rechtsberatung zu lösen sei.

In fünf Minuten ließe sich nach Meinung des Bürgermeisters jedenfalls keine Lösung finden. Er hoffe zudem, dass das Grabensystem Bestand habe.

100 Jahre altes Grabensystem in Osmarsleben

Marlis Bey (CDU) sagte, „dass es doch noch Pläne von der Dorferneuerung geben müsste, als die Straßen in Osmarsleben gemacht wurden.“ „Die Geschichte läuft, wir müssen uns zusammensetzen“, schaltete Michael Dobritz (SPD/BfB) sich ein. Man müsse überlegen, „wollen wir die gesamte Straße neu machen? Oder die Verbandsgemeinde muss das Grundstück mit dem Graben kaufen.“ Dazu erklärte Helmut Zander, dass eine Straße das Vierfache vom Grundstück kosten würde. Es gehe um 100 Meter. Er beschrieb, wie hart die Grabenkämpfe bereits geführt werden: „Die Anlieger sind schon so weit , dass sie dem Betreffenden das Wasser in den Keller leiten wollen, wenn es wieder mal so weit ist.“

Das Grabensystem sei mindestens 100 Jahre alt. Er habe versucht, im Guten mit dem Betroffenen auszukommen, ließ Zander noch wissen. Aber mittlerweile gehe es auch um „enorme Forderungen“.

Verbandsgemeinde verhandelt mittlerweile

Mandy Konew, Fachbereichsleiterin Bau der Verbandsgemeinde Saale-Wipper, bestätigt derweil, dass sich besagter Graben auf einem Privatgrundstück befinde und Bestandteil der Entwässerungsanlage sei. „Die Verbandsgemeinde steht derzeit in Verhandlung mit dem Eigentümer bezüglich des Erwerbs des Grundstückes“, stellt sie den aktuellen Stand der Dinge dar.

Im Wissen um die Zuständigkeit der Verbandsgemeinde ist es Heiko Herz unterdessen egal, wer da vielleicht wann was „verpennt hat. So geht’s nicht weiter. Auf diesem Graben basiert die Entwässerung der gesamten Ringstraße.“

Es reiche einfach nicht, zu hoffen, dass nicht so viel Regen kommt. Denn den brauche man ja schließlich auch. In der Nacht zum Montag wurden in Osmarsleben 27 Liter pro Quadratmeter gemessen.