Landtagswahl

Große Nachfrage bei Wahlhelfern

Von Enrico Joo

Staßfurt. In etwas mehr als sechs Wochen wird am 6. Juni in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Im Salzlandkreis wird es nach der Landratswahl am 24. Januar bereits die zweite Wahl unter Corona-Bedingungen sein. Während aber im Januar Maske, Abstand und Hygiene für die Wahlhelfer die einzigen Schutzmaßnahmen gegen eine Covid-Erkrankung waren, können sich Wahlhelfer seit vergangener Woche im Vorfeld impfen lassen. Sie rücken in die Prioritätengruppe 3 auf.

In Staßfurt wurde sehr fix reagiert. Bereits vergangene Woche wurden etwa 30 Wahlhelfer im Staßfurter Impfzentrum geimpft. „Darunter waren auch über zehn Ehrenamtliche“, teilt Staßfurts Wahlleiterin Antje Herwig mit. In dieser Woche sollen weitere Wahlhelfer mit Biontech geimpft werden, damit diese noch vor dem 6. Juni ihre zweite Impfung bekommen. Zwischen erster und zweiter Impfung sollen sechs Wochen liegen. Es hilft aber auch, wenn die Wahlhelfer bis zur Wahl die erste Impfung bekommen haben. Wahlhelfer werden dabei vorgezogen: „Die Impfzentren wurden um schnellstmögliche Berücksichtigung der Wahlhelfer bei der Impfterminvergabe gebeten“, teilt Martin Bollmann aus der Pressestelle des Gesundheitsministeriums auf Anfrage mit.

In Staßfurt hat die Stadt den Wahlhelfern eine Berufung zugeschickt. Wenn diese von den Wahlhelfern angenommen wird, können sich diese mit dem Schriftstück im Impfzentrum melden und einen Impftermin ausmachen. Viele Wahlhelfer nutzen das Angebot laut Stadt. Es gibt viele Anfragen. Antje Herwig spricht von einem „Run von Wahlhelfern“. Ob das mit dem verknüpften Impfangebot zusammenhängt? „Das ist schon denkbar“, so Herwig.

168 Wahlhelfer werden benötigt

Fakt ist: Staßfurt braucht für 24 Wahllokale je sieben Wahlhelfer. Das sind 168 Wahlhelfer, die am 6. Juni benötigt werden. Gerade bei der Landratswahl im Januar gab es Probleme, genug zu finden. „Viele Bürger hatten Angst vor Ansteckungen“, sagt Herwig. Teilweise standen in den Wahllokalen weniger Helfer zur Verfügung, als nötig wäre.

Nun ist es genau anders herum. Viele wollen helfen. Es gibt Reservelisten. Auch weil die Wahlhelfer wissen, dass sie jetzt viel besser geschützt werden als noch im Januar. Allein am gestrigen Montag habe es sechs bis sieben neue Anfragen gegeben von Staßfurtern, die noch nie bei einer Wahl als Wahlhelfer dabei waren. „Wir werden sicher den einen oder anderen vertrösten müssen“, sagt Herwig. Wahlhelfer sind in etwa zu zwei Dritteln aus Mitarbeitern der Stadt und zu einem Drittel aus ehrenamtlichen Wahlhelfern besetzt.

Noch ist die Besetzung der Wahllokale aber nicht abgeschlossen. „Wir haben am 9. April Berufungen herausgeschickt, danach haben die Bürger zwei Wochen Zeit, die Berufung anzunehmen“, so Herwig. Danach könnten Nachrücker aufrücken. Natürlich vertraut die Stadt Staßfurt auf eingespielte Teams. Fragt also Bürger an, die schon bei vorhergehenden Wahlen dabei waren und wissen, was am Wahlsonntag zu tun ist.

Förderstedterin hilft seit 18 Jahren

So wie Sandra Schulze aus Förderstedt. Die 34-Jährige ist trotz ihrer noch jungen Jahre ein alter Hase. „Ich bin schon seit meinem 16. Lebensjahr Wahlhelferin“, sagt sie. Auch am 6. Juni wird sie in der Sekundarschule in Förderstedt wieder helfen. Warum? Wegen der kleinen Aufwandsentschädigung von 30 Euro. „Nicht deswegen. Ich mach’ das einfach gerne. Es ist eine gute Truppe.“ Durch ihre Mutter ist Sandra Schulze Wahlhelferin geworden.

An Wahlsonntagen ist der Treffpunkt um 7.30 Uhr. Von 8 bis 18 Uhr darf gewählt werden, danach ist Schulze auch beim Auszählen mit dabei. „Einmal hatten wir eine Europawahl. Da hat das Auszählen bis 23.30 Uhr gedauert“, erzählt sie. Das ist aber nicht die Normalität. Sie selbst geht natürlich in dem Wahllokal auch wählen, weil sie in Förderstedt wohnt. „Es ist wichtig, zur Wahl zu gehen“, sagt sie. „Die Leute regen sich immer auf und dann sieht man doch manche Personen nur bei bestimmten Wahlen.“

Früher war Schulze einfache Wahlhelferin, jetzt ist sie stellvertretende Schriftführerin. „Ich bin gewissermaßen aufgestiegen“, sagt sie und lacht. Sie gibt also nicht nur Zettel aus, sondern hakt auch die Listen ab. Natürlich hat Sandra Schulze auch das Impfangebot angenommen. Sie hat am Sonnabend ihre erste Impfung bekommen, am 29. Mai wird sie die zweite bekommen.

Die Wahlvorbereitungen gehen derweil in die heiße Phase. Heute wird der Kreiswahlausschuss die Wahlvorschläge bestätigen. Danach können Wahlzettel gedruckt werden. Der 25. April ist der Stichtag für die Eintragung ins Wählerverzeichnis. Danach können Wahlbenachrichtigungen verschickt werden.