Kita

Kita in Glöthe bis Juli wegen Personalmangels geschlossen

Seit fast drei Wochen besuchen keine Kinder mehr die Kita in Glöthe. Die Schließung ist allerdings nur vorübergehend. Zudem wird darüber nachgedacht, wie mehr Kinder für die Einrichtung gewonnen werden können.

Von Enrico Joo
Die Kita in Glöthe steht seit Anfang Mai leer. Im Juli soll wieder Leben in die Einrichtung kommen.
Die Kita in Glöthe steht seit Anfang Mai leer. Im Juli soll wieder Leben in die Einrichtung kommen. Foto: Enrico Joo

Glöthe - Statt fröhlichem Kindergeschrei gibt es in Glöthe in der August-Bebel-Straße seit Anfang Mai höchstens Vogelgezwitscher zu belauschen. Die Kita „Winnie Puuh“ im Ort steht mit dem Rückzug der Förderstedter Kinder wieder leer. Die Kita „Abenteuerland“ im Nachbardorf Förderstedt wurde nach dem Neubau am 3. Mai wieder eröffnet. Die Kinder, die zwei Jahre lang übergangsweise in Glöthe betreut wurden, sind in die alte Heimat zurückgekehrt.

Nur: Die Kinder der Kita aus Glöthe sind nicht in Glöthe geblieben, sondern ebenfalls nach Förderstedt umgezogen. Die vier Kinder, die die Einrichtung noch besuchen, werden also seit fast drei Wochen ebenfalls in Förderstedt betreut. Der Grund für die Schließung der Kita in Glöthe ist Personalmangel. „Wir haben bis zum letzten Tag um Personal gekämpft. Leider haben wir derzeit einen hohen Krankenstand“, sagt Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur. Dazu: „Der Markt ist leer gefegt. Bei Bewerbungsrunden in der Vergangenheit waren teilweise Stellen offengeblieben. Wir mussten uns daher zu der drastischen Maßnahme in Glöthe entschließen.“ Alle Erzieherinnen, die vorher in Glöthe waren, sind mit dem Umzug nach Förderstedt zurückgegangen.

Für die Betreuung der vier Kinder in Glöthe bräuchte es zwei Erzieherinnen, um die Betreuungszeiten abzudecken. Auch die Erzieherinnen, die bis 2019 in Glöthe gearbeitet haben, können nicht zurückkehren. Eine Erzieherin ist mittlerweile im Ruhestand, die zweite wird in Förderstedt gebraucht.

Neue Personalsituation in Staßfurt ab Juli

Aber: Die Schließung der Kita in Glöthe soll nur vorübergehend sein. Denn die Betriebserlaubnis hat die Kita nach wie vor. Der Plan sieht so aus: „Wir werden in Förderstedt eine Neueinstellung bekommen und dann wird neu sortiert“, sagt Ina Siebert. Ab 1. Juli soll die Einrichtung in Glöthe wieder besetzt werden. Eine Erzieherin aus Förderstedt soll dann nach Glöthe gehen. Aus den anderen kommunalen Kitas der Stadt Staßfurt soll zudem eine Erzieherin nach Glöthe abgezogen werden.

Das Problem ist damit aber natürlich nicht gelöst. Mit nur vier Kindern ist die Kita nicht wirtschaftlich. Auf lange Sicht droht die Schließung der Einrichtung, wenn die Zahlen nicht nach oben klettern. Im Spätsommer 2020 waren erneut Diskussionen um die Kita aufgekommen. In einem Arbeitspapier der Stadt, in dem es um zukünftige Sparmaßnahmen ging, war die Schließung der Kita in Glöthe vorgeschlagen worden. So könnten 30.000 Euro im Jahr gespart werden.

Wir haben bis zum letzten Tag um Personal gekämpft. Leider haben wir derzeit einen hohen Krankenstand.

Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur in Staßfurt

In Glöthe regte sich Widerstand. Es entstand die Initiative „Pro Kita Glöthe“. Die Mitglieder der Initiative befragten Eltern und wollten nachweisen, dass zwar nur vier Kinder die Einrichtung besuchen, der Bedarf aber viel größer ist und Eltern zudem abgewiesen werden. Der Rücklauf war eindeutig. Eltern haben keine Empfehlung für die Kita Glöthe bekommen. Entweder hatten sie gezielt nachgefragt oder gar keine Info bekommen.

Stadtratsmitglied Ralf-Peter Schmidt (UBvS) hatte im November 2020 bei der Stadt nachgefragt, wo Kinder, die in Glöthe wohnen, betreut werden. Dabei stellte sich heraus, dass von damals 14 Kindern in Glöthe, für die eine Betreuung in Frage kommt, nur zwei in der Einrichtung im Ort betreut werden. Die zwölf anderen Kinder wurden zu Hause betreut oder gehen in Einrichtungen in Förderstedt, Brumby, in der Gemeinde Bördeland oder in Calbe.

Heike Schattschneider und Mario Pape von der Initiative „Pro Kita Glöthe“ haben sich kürzlich mit Vertreten der Stadt getroffen, um den aktuellen Stand der Kita Glöthe zu besprechen. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, sagte Heike Schattschneider. Dabei wurde auch darüber gesprochen, dass für die Kita in Glöthe ein neues Elternkuratorium gegründet wird. Seit dem Umzug der Förderstedter Kinder nach Glöthe war dieses auf Eis gelegt. Alle drei Eltern von Kindern der Kita in Glöthe wurden in das neue Kuratorium gewählt. Mitglied sind zudem standardmäßig auch Fachdienstleiterin Ina Siebert sowie die Kita-Leiterin Jana Berner.

Gemeinsame Ideen für mehr Kinder in Glöthe

In diesem Kreis sprachen die Beteiligten darüber, wie es weitergehen kann. „Es ging um die Perspektive für den Ort und die Kita“, sagt Mario Pape, der nicht nur Mitglied der Initiative „Pro Kita Glöthe“ ist, sondern auch selbst Papa eines Kita-Kindes in Glöthe. Er ist nun auch Mitglied des Kuratoriums der Einrichtung. „Ich hatte den Eindruck, dass Frau Siebert sehr wohlwollend gegenüber der Kita war. Es war auch extrem wichtig, die Kita-Leiterin zu hören.“ Alle Seiten waren sich einig, dass es mehr Kinder in Glöthe braucht. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir an einem Strang ziehen“, sagt Ina Siebert.

Gemeinsame Problemlösung statt Grabenkämpfe ist also die neue Marschrichtung in Glöthe. „Ein Erhalt der Kita funktioniert nur mit mehr Kindern“, so Siebert. „Derzeit sind die Kitas in Förderstedt und Brumby rappelvoll.“ Perspektivisch könne also Eltern zukünftig auch geraten werden, ihr Kind nach Glöthe zu bringen. Hier gibt es keine Wartelisten. Die Kita in Glöthe hat eine Kapazität von 40 Kindern. „Wenn 15 bis 20 Kinder die Einrichtung besuchen, wäre das schon ein wichtiger Schritt“, sagt Siebert.

Derzeit gibt es eine Voranmeldung für den Juni im Krippenbereich. Dann wird also ein fünftes Kind dazustoßen. Und wie können weitere Kinder gewonnen werden? Mario Pape schwebt ein „Tag der offenen Tür“ vor, bei dem man Werbung machen könnte. Allerdings ist so etwas bei den derzeitigen Corona-Zahlen noch nicht möglich. „Ich kann auch jeden Freitag mit der Gitarre vorbeikommen und spielen“, sagt er weiter. Ina Siebert denkt über ein kleines Sommerfest nach. „Vielleicht ist das bis August oder September möglich“, sagt sie. Solche Aktionen müssten dann durch das neu gegründete Elternkuratorium auch gemeinsam besprochen und beschlossen werden.

Heike Schattschneider berichtet zudem, dass eine Erzieherin aus Glöthe sich bei der Stadt beworben hat, um in der Kita im Ort zu arbeiten. „Wir sind erst einmal froh, dass es im Juli weiter geht mit der Kita“, sagt Mario Pape. Trotzdem hat der Glöther auch Sorgenfalten. „Die Stadt wartet ja noch auf eine Konzeption von der Saleg für alle Kitas. Wenn da nur auf die Zahlen geschaut wird, befürchte ich, dass für die Kita in Glöthe eine Schließung vorgeschlagen wird“, sagt er. Die Konzeption soll bis Herbst vorliegen.