Berufsschule

Kürzere Wege für Metallbauschüler

Sollte der Bildungsgang Industriemechaniker in Schönebeck eingeführt werden, muss dieser auch in Aschersleben-Staßfurt erhalten bleiben.

28.11.2017, 15:19

Schönebeck/Staßfurt l In den Leitungsetagen von Metallunternehmen rund um Schönebeck gibt es seit Jahren einen großen Wunsch: Die Lehrlinge im Bereich der Metalltechnik sollen auch in der Elbestadt die Berufsschule besuchen können. Insbesondere beim Ausbildungsberuf zum Industriemechaniker. Bisher absolvieren die Nachwuchskräfte ihren theoretischen Unterricht in der Berufsschule Wema Aschersleben-Staßfurt. Im Rahmen der Schulentwicklungsplanung hat der Salzlandkreis als Träger für die Schulen das Profil der Bildungseinrichtung geschärft. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die demografische Entwicklung, es gibt schlichtweg zu wenig Schüler. Die Konsequenz: Nicht mehr alles wird überall angeboten. Die Schönebecker Berufsschule setzt deshalb besondere Schwerpunkte im Sozial- und Gesundheitsbereich. Aschersleben-Staßfurt bei Verkauf, Büro- und Industriekaufleuten und eben im Metallbereich (Industriemechaniker, Konstruktion, Zerspanung).

Doch nicht nur die Unternehmen beklagen, dass so weite Wege für die Azubis entstehen. Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Schönebeck und der Wirtschaftsrat der Elbestadt haben immer wieder das Gespräch mit dem Landkreis gesucht. Hauptziel ist die wohnortnahe Beschulung für die jungen Leute.

Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Denn der Kreistag soll am 6. Dezember darüber entscheiden, ob der Industriemechanikerzweig auch in Schönebeck angeboten wird. Eine entsprechende Vorlage hat der vorberatende Schulausschuss bereits mehrheitlich bestätigt. Der Beschluss jetzt ist wichtig, denn die Beantragung von Bildungsgängen für berufsbildende Schulen muss entsprechend des Landesbildungsministeriums bis Anfang März 2018 erfolgt sein.

Peter Rotter (CDU-Fraktion) fragt im Kulturausschuss, ob garantiert sei, dass die die Etablierung des Bildungsganges in Schönebeck nicht zu Lasten von Aschersleben-Staßfurt gehe. „Es ist wichtig, dass wir nicht an einer Stelle für eine Verbesserung sorgen, damit aber anderorts für selbstgemachte Probleme sorgen, nämlich wenn wir Bestehendes gefährden, weil vielleicht nicht mehr genug Schüler bei der Wema sind“, sagt er. Der zuständige Fachbereichsleiter in der Kreisverwaltung Mathias Kiegeland erklärt dazu: „Jetzt geht es zunächst um einen Beschluss, dass wir überhaupt einen Antrag stellen. Alles ist abhängig davon, dass Mindestschülerzahlen für eine Klassenbildung zustande kommen und das Schulministerium allem auch zustimmt.“ Denn Magdeburg sei für die Bereitstellung der Lehrer zuständig. Die Berufsschulleitungen müssten sich, wenn der Bildungsgang zustande komme, hinsichtlich der endgültigen Klassenbildung verständigen.

Der Kreis sorge darüber hinaus für die strukturellen Voraussetzungen, also Ausstattung, Unterrichtsräume und Werkstätten, wenn die Genehmigung seitens des Landes für das Schuljahr 2018/19 vorliege. In beiden Haushaltsjahren will Bernburg dafür rund 75.000 Euro zusätzlich in die Hand nehmen, das ist Teil des Beschlusses. Wichtiges Instrument zur Sicherung der Bildungsgänge an beiden Standorten sei auch eine Kooperationsvereinbarung in Abstimmung mit Wirtschaftsförderung und Wirtschaftsrat Schönebeck sowie verschiedenen Metallunternehmen, so Mathias Kiegeland.

Ulf-Peter Freund, Chef des Fachdienstes Bildung und des Amtes für Ausbildungsförderung im Landkreis, weist auf zwei weitere Aspekte hin. Zum einen könne mit dem neuen Angebot in Schönebeck der Berufsschulstandort in der Elbetsadt gesichert werden, der von Gesetzes wegen eine Mindestschülerzahl von 600 vorweisen muss. Zum anderen würde viele Berufsschüler, besonders aus dem Schönebecker Bereich, wegen zu weiter Wege im Salzland als Gastschüler in Magdeburg lernen. „Wir hoffen, dass wir sie zurückholen“, sagt er im Ausschuss. Das sei auch eine Frage des Geldes und der Haushaltskonsolidierung: Denn der Kreis zahle aktuell rund 264.000 Euro Gastschulbeiträge an die Landeshauptstadt. Man selbst erhalte aber nur rund 12.400 Euro für „fremde“ Schüler, die im Salzland an Berufsschulen lernen.

Der Zweig Industriemechaniker soll ab 2018/19 bis zunächst zur Schulentwicklungsplanung des Kreises 2020/21 nicht nur in der Berufsschule Aschersleben-Staßfurt, sondern auch in Schönebeck angeboten werden. Der Kreistag beschließt die Beantragung beim Land.

Ein zweiter Beschluss umfasst eine Kooperationsvereinbarung. Darin verpflichtet sich Bernburg, Voraussetzungen für den Bildungsgang in Schönebeck zu schaffen und sicher zu stellen, dass die Ausbildung in ASL-SFT nicht gefährdet ist.

Zudem verpflichten sich Firmen, „langfristig und verlässlich" Ausbildungsplätze (festgelegte Anzahl in der Vereinbarung) anzubieten.

Die Firmen sind: TM Group, Thyssenkrupp Presta SBK, Weckenmann Brumby, Metallbearbeitung Mierwald SBK, Werkzeugbau SBK, Doppstadt Calbe, Ambulanz Mobile SBK, Takata Ignition Systems SBK, Cargill Deutschland Barby, Ginsberg Metall Calbe, BTG Betonfertigteile Groß Rosenburg, Imperial Chemical Logistics/Schirm GmbH SBK.