Arbeitsplätze

Jobwunder im Salzland? Mega-Salzwerk in Staßfurt steht kurz vor Fertigstellung

Ciech-Konzern investiert 140 Millionen in Salzsiede und schafft 100 Arbeitsplätze in Staßfurt

Von Falk Rockmann

Staßfurt. Von „Salon-Bergbau“ sprachen einst die Kumpel, die im Staßfurter Salzsattel die Strecken vorantrieben und ihre relativ saubere Arbeit mit der im Kohlebergbau beispielsweise verglichen. Jetzt dürfte eine „Salon“-Fabrik in Staßfurt entstehen.

140 Millionen Euro lässt sich Ciech die neue Mega-Salzsiede kosten. Deren Fertigstellung war ursprünglich für Anfang des Jahres geplant.

Zeitweise arbeiteten 1000 Menschen auf der Baustelle. Corona-bedingt mussten jedoch im Frühjahr 2020 die Bauarbeiten unterbrochen werden. „Für den Bau war und ist die Anwesenheit vieler internationaler Experten vor Ort unverzichtbar“, erklärt Konzern-Pressesprecher Miroslaw Kuk. Die Baugruppen für die Fabrik stammen unter anderem aus Italien, der Schweiz, Polen, Kroatien und Deutschland.

„Gerade in der intensivierten Bauphase der vergangenen zwölf Monate sorgten die Einschränkungen für Verzögerungen hinsichtlich der Lieferketten und des Personenverkehrs“, so Kuk. Hinzu kamen längere Wartefristen bei der Erteilung von Genehmigungen und in der Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Ämtern während der Pandemie.

Jährliche Kapazität: 450000 Tonnen Salz

„Die Ciech-Gruppe ist stolz, dass sie diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen konnte und die neue Salzsiederei in Staßfurt nun vor der Fertigstellung steht“, zitiert der Pressesprecher die Konzernleitung.

Dieser Tage beginne die Anlaufphase, also die Inbetriebnahme der einzelnen Elemente in der Produktionslinie.

Das Salzwerk in Staßfurt sei eine der modernsten und umweltfreundlichsten Anlagen ihrer Art in Europa. Die 100 Mitarbeiter werden jährlich rund 450000 Tonnen Siedesalz produzieren können.

Das hier erzeugte Salz ist Ausgangsstoff für eine Vielzahl von Produkten: in der Verarbeitung von Lebensmitteln, in Futterprodukten, in der Wasseraufbereitung und -enthärtung, als Reinigungsmittel in Spülmaschinen sowie als Industriesalz in verschiedenen industriellen Prozessen.

Mit seiner Investition sieht Ciech die industrielle Basis in den neuen Bundesländern gestärkt. Salz sei eben eine Lebensgrundlage.

Das Börsen-Unternehmen stärke mit dem Salzwerk in Staßfurt zudem seine führende Position als europäischer Hersteller von Siedesalz in Mitteleuropa, Skandinavien und Westeuropa.

Am Standort Staßfurt betreibt der Chemie-Konzern bereits eine Anlage zur Herstellung von Natriumcarbonat (Soda) und Natriumbicarbonat (darunter auch Natriumbicarbonat in pharmazeutischer Qualität). Dabei werden für die Herstellung von Soda eigene Kalksteinvorkommen genutzt und Sole aus dem Staßfurter Salzsattel.

Die neue Salzproduktionsanlage ergänzt die bestehenden Anlagen.

Für das neue Salzwerk in Staßfurt spricht ebenfalls seine sehr attraktive Lage in Mitteldeutschland, umgeben von Autobahnen. Auch das ermögliche eine Expansion in die westeuropäischen Märkte.

Die Fertigstellung der gesamten Anlage ist für Ende des zweiten Quartals 2021 geplant.

Wasserverdampfung unter Druck führt zum Siedesalz

Wie die Konzernleitung in Warschau weiter informiert, werden in den kommenden Wochen auch die neuen Mitarbeiter der Salzsiederei Schulungen erfahren, letzte behördliche Hürden genommen und die Justierung der einzelnen Produktionslinien erfolgen.

Die Anlaufphase werde zunächst mit einem Testprozess der Solereinigung und -verdampfung beginnen, der zur Produktion von sogenanntem Feuchtsalz führt. Nach der Kalibrierung und Optimierung des Produktionsprozesses wird schließlich die Produktion von Trockensalz sowie die Herstellung und Konfektionierung von Salztabletten gestartet, welche den größten Teil des Produktportfolios der neuen Salzsiederei ausmachen.

Die Siedesalzproduktion erfolgt durch Wasserverdampfung unter Zuführung von Druckdampf.

Für den Produktionsprozess wird Strom aus einem neuen, besonders leistungsfähigen, gasbefeuerten Blockheizkraftwerk eingesetzt. Die parallel erzeugte Wärme liefert die Energie für ein effizientes Wärmemanagement in der Anlage. Mit dem Blockheizkraftwerk werden Wirkungsgrade von über 90 Prozent erreicht.

Außerdem wurde die Salzsiederei mit einem optimalen System zur Entsorgung von Produktionsabfällen ausgestattet, die in ein unterirdisches Lager abgeleitet werden.

Das neue Ciech-Werk wird zudem mit einem modernen, vollautomatischen Hochregallager ausgestattet. Der Beginn

des Vertriebs in größerem Umfang ist für das dritte Quartal geplant.

Der Ciech-Vorstandsvorsitzende Dawid Jakubowicz hebt hervor: „Wir beenden damit eine wichtige Etappe in der größten Investition in der Geschichte unserer Unternehmensgruppe.“ Trotz anhaltender Pandemie und der damit verbundenen Einschrän-kungen sowie der sehr ungünstigen Witterungsbedingungen im Winter sei die Anlage bereit für die Anlaufphase und in den kommenden Monaten schrittweise die geplanten Produktionsparameter zu erreichen.

Staßfurter Werk wirdCiech-Vorzeigeobjekt

Die Investition in Staßfurt sei ein Schlüsselelement der Strategie der Gruppe.

Ciech-Vorstandsmitglied Miroslaw Skowron, verantwortlich für die Investition, spricht dankbar über die Leistung aller Beteiligten, insbesondere in den zurückliegenden zwölf Monaten unter extrem anspruchsvollen Bedingungen. Man sei bereit für die nächste Phase des Vorzeigeprojekts.

Der Ciech-Konzern wird in Staßfurt mit dem Salzwerk dann 500 Mitarbeiter beschäftigen, weltweit insgesamt 3000.