Umweltschäden

Möglichen Gefahren von Öl- und Dieseltanks in Staßfurt auf der Spur

Gelände mit ehemaligen Wehrmachts- und Minol-Tanklagern wird erkundet

Von Falk Rockmann
Mitarbeiter der Gesellschaft für Entwicklung und Sanierung von Altstandorten Berlin erkunden das Umfeld des ehemaligen Mineralöl-Tanklagers An der Liethe in Staßfurt. Dabei helfen sieben Meter tiefe Bohrungen. Foto: Falk Rockmann

Staßfurt/Bonn/Berlin

Von einer Altlastensanierung will die Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben (BImA) gegenwärtig nicht sprechen. Wie Thorsten Grützner vom Stabsbereich Presse und Öffentlichkeit der Anstalt öffentlichen Rechts erklärt, sei man dabei, „Boden- und Grundwasseruntersuchungen zur Überprüfung des Altlastenverdachts“ durchzuführen.

Im vergangenen Jahr war das Gelände historisch erkundet worden, um die bisherigen Nutzungen zu ermitteln. Demnach handele es sich bei dem Gelände in Friedrichshall, am südöstlichen Stadtrand von Staßfurt gelegen, um Flächen einer einstigen Chemischen Chlorkaliumfabrik, die im Zusammenhang mit dem Salzabbau mindestens von 1912 bis 1929 arbeitete.

Wehrmachts-Tanklager von 1935 bis 1945

„In den Jahren 1935 bis 1945 wurde im Bereich des Grundstücks ein Wehrmachts-Tanklager mit einem Umschlagbahnhof betrieben“, heißt es weiter aus Bonn, „Von Anfang der 1950er Jahre bis Ende 1991 wurde ein Teil der Fläche des Umschlagbahnhofs als Tanklager des VEB Minol genutzt.“ (VEB: Volkseigener Betrieb).

Das Lager habe Betriebe in einem Umkreis von etwa 25 Kilometer mit Kraftstoffen beliefert. „Seit der Stilllegung des Minol-Tanklagers 1991 wurde das Grundstück nicht mehr genutzt“, so Grützner.

Die verwilderte, bewachsene Fläche mit unterirdischen Resten der ehemaligen Bebauung sei der BImA im Zuge der Vermögenszuordnung im Jahre 2017 zugegangen.

Auf den genannten Verdachtsflächen des einstigen Minol-Tanklagers zwischen Stahlhandel und Güschu-Werk wurden in den 1990er Jahren bereits Untersuchungen sowie Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen im Auftrag der Minol Zentraltank GmbH durchgeführt.

„Dabei ging es ausschließlich um eine mögliche Gefährdung durch die Nutzung der Minol. Etwaige Belastungen durch die Vornutzungen waren nicht in der Verantwortung der Minol“, unterstreicht Thorsten Grützner.

Untersuchungsziel: Altlast oder nicht Altlast?

Gegenwärtig erfolge eine Gesamtbetrachtung des Standortes inklusive aller Verdachtsmomente aus allen historischen Vornutzungen. „Dies umfasst zum Beispiel das Wehrmachts-Tanklager, die Gleisanlage mit Einfüllschächten und Abfüllanlage sowie drei noch vorhandene Diesel- beziehungsweise Altöltanks“, erklärt der BImA-Mitarbeiter, „Ob von diesen eine Gefährdung im Sinne des Bodenschutzrechts ausgeht, also gegebenenfalls tatsächlich von einer Altlast zu sprechen ist, werden die Untersuchungen zeigen.“

Solche Untersuchungen würden im übrigen zum Geschäft der Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben gehören. Mit ähnlichen Umweltproblemen sei man jedenfalls häufig konfrontiert, so der Pressesprecher.

Als Grundstückseigentümerin komme die BImA ihrer Verantwortung nach. Sie hat entsprechende Rückstellungen für Altlastenrisiken gebildet. „Im Rahmen des Risikoabbaus leitet die BImA bei Verdachtsmomenten auf ihren Liegenschaften systematische Untersuchungen ein und führt vollständige Gefahren-Ermittlungen durch“, heißt es noch aus Bonn.

In diesem Rahmen würden auch die Untersuchungen auf dem Standort in Staßfurt finanziert.

Eine Finanzierung über Förderprogramme erfolge dabei nicht.

Dieses Schild soll auf bestehende Gefahren bei Betreten des Geländes hinweisen.
Foto: Falk Rockmann