In der Heimatstube in Groß Börnecke gibt es für die kleinen und großen Gäste immer wieder Neues zu entdecken

Neben der Flotten Lotte steht ein großer Samowar

Von Franziska Ellrich

Ein Telefon mit Wählscheibe, eine gusseiserne Wäschemangel und Puppenmöbel aus Hühnerknochen - gestern tauchten die Viertklässler aus Groß Börnecke in eine fremde Welt ab. Die Schüler waren fasziniert, wie die Generationen vor ihnen gelebt haben.

Groß Börnecke l 100 Jahre ist der Stubenwagen alt, den sich Anne-Sarah Scholl ganz genau anschaut. Die Neunjährige ist nicht zum ersten Mal zu Gast in der Heimatstube in Groß Börnecke. "Ich bin bereits zum fünften Mal hier", erzählt die Viertklässlerin. Und trotzdem gebe es immer wieder was Neues zu entdecken. Da bleibt ihr Blick auch schon an dem großen Samowar hängen. "Und was kann man damit machen?", fragt sie neugierig in die Richtung von Rosi Köhler. Die 72-Jährige hat die Heimatstube vor zwei Jahren mit aufgebaut und antwortet geduldig: "Der war zum Wasserkochen für Tee da."

Kaum hat die Groß Börneckerin ausgesprochen, wundert sich Jonas Hoffmann über ein anderes altes Küchengerät. "Was soll das sein?", fragt der Zehnjährige und zeigt über den Herd. "Eine Flotte Lotte", antwortet Rosi Köhler. Die Kinder müssen kichern. In dem Haus an der Unteren Kirchstraße sieht es aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. In der Schlafstube steht ein fast 80 Jahre altes Bett und darin liegen alte Wärmflaschen aus Zinn.

In der Küche gibt es Milchflaschen aus DDR-Zeiten und noch ältere Schneebesen. Dunstan Bauers Blick schweift zu der eisernen Plätzchenrolle: "Das wäre doch jetzt in der Vorweihnachtszeit ganz praktisch." Langsam käme so etwas auch wieder in den Trend, weiß seine Lehrerin Cornelia Günther: "Was sich damals bewährt hat, kommt oftmals heute wieder." Währenddessen stehen die Mädchen schon vor der Puppenhausausstellung, die gerade in der auf alt getrimmten Wohnstube aufgebaut ist. Rosi Köhler zeigt den Kindern einen Puppensessel: "Den haben die Frauen früher mit geschwungenen Hühnerknochen hergestellt." Dana Alischa Siefke kann das gar nicht glauben. Die Viertklässlerin nimmt die Möbel sofort noch mal in Augenschein. Das sei das Schöne an der Heimatstube. "Die Besucher können hier auch viele Dinge anfassen und sich ganz in Ruhe anschauen", sagt Cornelia Brauner.

Auch sie gehört zu dem sechsköpfigen Team, das das kleine Museum vor zwei Jahren aufgebaut hat. Besucher gab es seitdem schon mehrere hundert. "Und alle waren begeistert", erinnert sich Rosi Köhler. Viele freuen sich, die Gegenstände aus ihrer eigenen Kindheit wiederzuerkennen. Oft organisieren Vereine mit ihren Mitgliedern Ausflüge in die Heimatstube, ehemalige Schüler treffen sich dort wieder, und auch die Hortkinder sind gern zu Gast. Die Einträge im Gästebuch reichen von Kanada über Kiel bis nach Staßfurt.

"Wenn es thematisch passt, bereiten wir die Ausstellungsecke extra vor", so Rosi Köhler. Als die Bergmänner zu Besuch waren, haben sie die verschiedensten Grubenlampen ausgestellt. Cornelia Brauner erinnert sich: "Modellautos und -eisenbahnen hatten wir auch schon mal zum Thema."

Eintritt nimmt das Team der Heimatstube nicht, dafür ist man über jede Spende froh. Jonas Hoffmann ist gerade dabei, so eine in die ganz besondere Spardose zu tun. Als der Zehnjährige den Euro vor die kleine Hundehütte legt, kommt der Hund aus seiner Hütte und greift nach dem Geldstück: "Da macht selbst das Spenden Spaß." Zum Abschluss stöbern die Viertklässler noch in den alten Fotoalben. Die Grundschüler wollen alles von Rosi Köhler wissen: Wo steht diese Mühle? Gibt es den Schornstein noch? Wie alt ist dieses Klassenfoto? Auf jede Frage weiß die 72-Jährige eine Antwort. Sie kennt sich mit der Geschichte des Ortes ganz genau aus. Rosi Köhler freut sich über jeden, der auch noch ein historisches Erinnerungsstück aus seinem Haushalt oder alte Bilder aus Groß Börnecke, vor allem Klassenfotos, abzugeben hat.

Wer sich auch einmal in der Heimatstube umsehen möchte, hat dazu am Sonntag, 23. Dezember, zwischen 14 und 18 Uhr in der Unteren Kirchstraße 1 in Groß Börnecke die Möglichkeit. Auch für Kaffee, gegen eine kleine Spende, ist gesorgt.