Erste-Hilfe-Kurse liegen meist Jahre zurück / DRK will zum Auffrischen des Wissens animieren

Schlaganfall, Herzinfarkt, Atemstillstand: Nur wenige wissen, was zu tun ist

Von Karolin Aertel

In Notsituationen wissen viele Menschen nicht, was zu tun ist. Erste-Hilfe-Kurse liegen häufig Jahre, manchmal Jahrzehnte zurück. Die Ausbildungsbeauftragte des Deutschen Roten Kreuz Staßfurt-Aschersleben, Anne-Katrin Voß, will das ändern und veranstaltet mit ihrem Team einen Erste-Hilfe-Aktionstag am 23. März in Staßfurt.

Staßfurt l Beinah jeder kennt die aktuellen Benzinpreise oder weiß, wie viel Steuern er zahlen muss. Aber die wenigsten wissen, wie sie sich in Notsituationen zu verhalten haben. Was ist zu tun, wenn jemand einen Stromschlag bekommen hat? Wie führt man eine Herz-Lungen-Massage durch und wie ging doch gleich nochmal die stabile Seitenlage? Wenige können diese Fragen beantworten.

"Der Großteil hat im Rahmen des Führerscheinerwerbs einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und danach nie wieder."

"Bedenklich", wie Anne-Katrin Voß findet. Die grundlegenden Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte man ihrer Ansicht nach ebenso beherrschen wie das Alphabet. Anne-Katrin Voß ist Ausbildungsleiterin beim Deutschen-Roten Kreuz (DRK)Staßfurt-Aschersleben.

Seit drei Jahren bringt sie Menschen sowohl Erstversorgungs- als auch lebensrettende Sofortmaßnahmen bei. Aufgefallen sei ihr in dieser Zeit, dass viele Menschen erst zu ihr kommen, wenn schon etwas passiert ist. "Der Großteil hat im Rahmen des Führerscheinerwerbs einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und danach nie wieder", erzählt sie. Kommen diese Menschen dann in eine Situation, in der sie Erste-Hilfe leisten sollen, sind sie meist ratlos. "Soweit muss und sollte es nicht kommen", meint sie. " Bei der Ersten-Hilfe ist es wie bei vielen anderen Sachen auch: Um sie zu können, muss man sie üben."

Anne-Katrin Voß rät, das Wissen etwa alle zwei Jahre aufzufrischen. Dies allein, weil auch die Erste-Hilfe-Maßnahmen stetig weiterentwickelt werden. Wurde bei der Herz-Lungen-Massage vor Jahren noch ein Rhythmus von 15 Herzdruckmassagen zu zwei Atemspenden gelehrt, so wird jetzt, entsprechend der aktuellen medizinischen Erkenntnisse, in einem Rhythmus von 30 zu zwei wiederbelebt. Für Säuglinge und Kleinkinder gelten zudem besondere Wiederbelebungsmaßnahmen.

"Die meisten Unfälle passieren im Haushalt."

Aus diesem Grund bietet das DRK-Schulungszentrum in Staßfurt neben den Grundkursen auch Kurse für Erste-Hilfe am Säugling und am Kleinkind an. "Die Nachfrage ist relativ groß", weiß Anne-Katrin Voß. Schließlich könne es schnell passieren, dass das Kind etwas verschluckt oder Giftiges in den Mund nimmt.

Doch auch die Nachfrage nach den Grundkursen steigt; vor allem in Betrieben. "Die Berufsgenossenschaften, die die Kosten meist übernehmen, nehmen das Thema sehr ernst", macht die Ausbildungsbeauftragte deutlich. Können Betriebe die notwendigen Bescheinigungen nicht vorzeigen, warten empfindliche Strafen. Von 15 Kursteilnehmern sind im Durchschnitt 13 betriebsbedingt dabei.

Dabei sollten ihrer Ansicht nach wesentlich mehr Privatpersonen das Angebot nutzen. "Die meisten Unfälle passieren im Haushalt", weiß sie. Bei den Frauen seien es vorwiegend Stürze aus niedrigen Höhen, "zum Beispiel wenn zum Gardinenaufhängen ein Stuhl anstelle einer Leiter verwendet wird". Und bei den Männern seien Stromschläge an der Spitze der häufigsten Unfallarten. Zudem werde es im Zuge des demografischen Wandels und der damit zusammenhängenden Zunahme an älteren Menschen immer wichtiger zu wissen, was bei einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall zu tun ist.

Um die Staßfurter wieder dafür zu sensibilisieren, ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen, wird das DRK am 23. März in der Zeit von 9 bis 12 Uhr einen Aktionstag auf dem Parkplatz des Real-Einkaufszentrums, in der Hohenerxlebener Straße 50, anbieten. "Wir planen zahlreiche Vorführungen", verrät Anne-Katrin Voß. "Wir werden beispielsweise zeigen, was bei einem Kreislaufstillstand oder einer Bewusstlosigkeit zu tun ist. Wir werden über Ausbildungsmöglichkeiten informieren und unseren Sanitätszug vorstellen." Zudem können Kinder sich schminken lassen - allerdings keine Schmetterling- oder Löwengesichter, wie es sonst üblich ist, sondern: "Wir wissen, dass es bei den Kindern gut ankommt, sich Wunden schminken zu lassen."

Alles in allem will das aus neun Ausbildern bestehende Team an diesem Tag die Aufmerksamkeit auf das Helfen in Unfall- oder Notsituationen lenken. Anlass dazu gibt auch das 150-jährige Bestehen des DRK-Bundesverbandes, das in diesem Jahr begangen wird.

Wer nicht bis zum 23. März warten will, um sich über Erste-Hilfe-Kurse zu informieren, der kann mit Anne-Katrin Voß telefonisch unter der Rufnummer (0 39 25) 37 21 37 Kontakt aufnehmen oder macht sich im Internet unter: www. drk-stassfurt-aschersleben.de schlau.