Umbau

Schloss Hecklingen: Unternehmer Burchard Führer baut Gebäude für vier Millionen Euro um

Von René Kiel
Die Restaurateurin Susan NItsche beim Einkitten von Schläuchen für Injektionsmörtel. Sie sorgt in aufwendiger Arbeit dafür, dass die Deckengemälde im Spiegelsaal wieder im neuen Glanz strahlen.
Die Restaurateurin Susan NItsche beim Einkitten von Schläuchen für Injektionsmörtel. Sie sorgt in aufwendiger Arbeit dafür, dass die Deckengemälde im Spiegelsaal wieder im neuen Glanz strahlen. Foto: privat

Hecklingen

Schweren Herzens hatte sich die Stadt Hecklingen vor 22 Jahren von ihrem Schloss getrennt. Aber die Kosten für die Unterhaltung und die notwendige Sanierung nicht aufbringen erdrückten die Haushaltskasse. Hinzu kam, dass ihr gleich zwei Schlösser der Familie von Trotha in Hecklingen und in Gänsefurth gehörten, die das DRK als Pflegeheim und die Lebenshilfe „Bördeland“ als Wohnstätte für seelisch behinderte Menschen bis zum Umzug in Neubauten genutzt hatten.

Da war es fast schon ein kleines Wunder, dass zu dieser Zeit mit Burchard Führer ein zupackender Mann auftauchte. Der Investor nutze das Angebot , das denkmalgeschützte Objekt zu übernehmen.

Führer hat das Schloss unter Beachtung des Denkmalschutzes zu einem Hotel um- und ausbauen lassen, dass auch von behinderten Menschen bequem erreicht werden kann. Das Objekt ist heute ein exklusives Domizil für Urlaubsgäste sowie mit seinem barocken Festsaal Veranstaltungsort für Feierlichkeiten und Tagungen. Die Räumlichkeiten werden auch gern von Hochzeitsgesellschaften genutzt, die dort nach der Eheschließung feiern und übernachten können. Das alles ist derzeit allerdings durch die Corona-Pandemie eingeschränkt. Dort sind lediglich Geschäftsreisende einquartiert. In den ersten fünf Jahren hatten sich in diesem Hotel bereits rund 4000 Behinderte aus ganz Deutschland erholt. Die meisten Gäste wussten vorher nicht, dass es in Hecklingen ein solches Schloss mit einer reichlichen figürlichen Ausstattung im Festsaal gibt, die für diese Gegend eher ungewöhnlich ist.

„Seit der Übernahme habe ich in das Stadtschloss in Hecklingen rund 3,5 bis vier Millionen Euro in den Umbau und die Sanierung investiert“, sagte Burchard Führer der Staßfurter Volksstimme. Eine solch große Summe hätte die Stadt Hecklingen, die seit Jahren unter Finanzproblemen leidet, niemals aufbringen können.

Restaurierung der Deckengemälde im Festsaal

Etwas kosten ließ sich der Unternehmer, der rund 3500 Mitarbeiter in ganz Deutschland hauptsächlich mit dem Betreibens von Einrichtungen der Alten- und Behindertenpflege beschäftigt, auch die Restaurierung der Deckengemälde im Festsaal. Damit wurde die Dresdner Diplom-Restaurateurin Susan Nitsche beauftragt. Sie hatte dort zusammen mit zwei weiteren Mitarbeitern zwei Monate lang zu tun. Die Schäden am östlichen der beiden Deckengemälde gaben den hauptsächlichen Anstoß zur Bearbeitung der Deckengemälde. „Risse, Versätze und eine Ausbeulung nach unten auf einer Fläche von eineinhalb bis zwei Quadratmeter legten die Vermutung nahe, dass der Putz sich in diesem Bereich vom Untergrund gelöst hat. Es war nicht auszuschließen, dass er runter fällt“, sagte die Restauratorin.

Aus diesem Grund hatten 2016 die beiden Diplom-Restauratorinnen Daniela Arnold und Marie Heyer eine Begutachtung und eine erste Notsicherung des Bereiches vorgenommen. „Da die Abklebung mit Gewebepapieren weder ästhetisch befriedigend war, noch dauerhaft das Herabfallen verhindern konnte, wurden die Arbeiten zur Konservierung und Restaurierung an beiden Gemälden ab Dezember 2020 in Angriff genommen“, teilte Susan Nitsche mit. Diese umfassten die Versorgung der schadhaften Putz- und Malschichtbereiche, das Kitten von Fehlstellen und Rissen, die Abnahme des verunklärenden und stark gegilbten

Firnisses, die Retusche und Integration von Fehlstellen sowie den Auftrag eines dünnschichtigen neuen Schutzfirnisses. Im Verlauf der Arbeiten waren mehrere zugekittete Schrauben in dem gelösten Bereich zum Vorschein gekommen, die vermutlich aus den 1970er Jahren stammen, teilte die Restauratorin mit.

Der auf der Malerei aufliegende Firnis war sehr dickschichtig, stark gegilbt und hatte durch die Nutzung wahrscheinlich nicht nur Schmutz, sondern auch nicht unwesentlich Nikotin eingebunden. Der nicht gleichmäßige Glanzgrad der Oberfläche störte zusätzlich zur Verdunklung die Ablesbarkeit der Malerei, stellte Susan Nitsche fest.

Zum kunstgeschichtlichen Hintergrund der beiden Deckengemälde wurden die Restaurateure in der von ihnen zurate gezogenen Literatur nicht fündig.

Darstellungen aus der griechischen Mythologie

„Offensichtlich handelt es sich um Darstellungen aus der griechischen Mythologie“, sagt Susan Nitsche. „Das Westliche der beiden Bilder zeigt vermutlich den Himmelssturz des Phaeton, des Sohnes des Kephalos und der Göttin Eos. Das Östliche trägt möglicherweise eine Darstellung von Neptun und Amymone.“

Dabei handelt es sich um eine der 50 Töchter des Danaos, des Königs von Libyen. Von welchem Maler die Gemälde stammen, konnte nicht ermittelt werden. Zum gestalterischen der Malerei falle auf, dass einerseits die Betrachtungsrichtung der beiden Bildfelder wechselt, andererseits auch die Lichtrichtung. Das komme jeweils von dem, der Malerei zugewandten Fenster. Das östliche Bild in Richtung Sonnenaufgang sei insgesamt vom hellen Blau des Himmels bestimmt, während das westliche in Richtung Sonnenuntergang vom Dunkel der von Flammen durchzückten Wolken dominiert werde. Die bewusste Gestaltung eines Tag- und eines Nachtbildes entsprechend der Himmelsrichtungen hält Susan Nitsche hier für denkbar.

Unangetastet blieben die beiden Porträtbilder des Erbauers des barocken Teils des Hecklinger Schlosses, Thilo Lebrecht von Trotha und ihm gegenüber das seiner Ehefrau Amalie von Pfuel. Er ist der letzte Ahnherr aller heute lebenden Trothas.

Das Stadtschloss der Familie von Trotha in Hecklingen gehört heute dem Unternehmer Burchard Führer. Er hat das Objekt zu einem Hotel um- und ausgebaut.
Das Stadtschloss der Familie von Trotha in Hecklingen gehört heute dem Unternehmer Burchard Führer. Er hat das Objekt zu einem Hotel um- und ausgebaut.
Foto: René Kiel
So sieht das restaurierte Deckengemälde im Spiegelsaal des Hecklinger Stadtschlosses heute aus.
So sieht das restaurierte Deckengemälde im Spiegelsaal des Hecklinger Stadtschlosses heute aus.
Foto: René Kiel