Friedhof

Stadt Staßfurt will Bürger entlasten

Die Friedhofskosten in der Stadt Staßfurt und ihren Ortschaften sollen reduziert werden. Das kommt in Ortschaftsräten gut an. Die Debatte ist noch nicht beendet.

Von Falk Rockmann

Staßfurt - Abgelaufene oder verwahrloste Grabstellen sollen künftig schneller zurückgebaut, die Nutzungszeiten von 40 auf 15 Jahre drastisch reduziert werden. Freie Flächen sind für die Gestaltung durch Steinmetze oder Gartenbaubetriebe anzubieten. Auf eine Sicherheitsreserve für künftige Flächenerweiterungen will die Stadt verzichten. Zudem sollen Bestattungsleistungen an Bestattungsunternehmen übertragen werden. Das gleiche gilt für friedhofsgärtnerische Leistungen, wobei die Stadt dazu auf dem Friedhof in Atzendorf zuerst Erfahrungen sammeln will.

Das sind die sechs Schwerpunkte, mit deren Hilfe sich die Stadt eine Reduzierung der Friedhofskosten verspricht. Ein entsprechender Stadtrats-Beschluss dazu soll diese Grundlage für die anstehende Kalkulation der Friedhofsgebühren auf den Weg bringen.

In den Ortschaftsräten Förderstedt und Hohenerxleben fand das Vorhaben jetzt Anklang. Zwölf Befürworter in Förderstedt bei einer Enthaltung und vier bei einer Gegenstimme in Hohenerxleben sind deutliche Zeichen für den Stadtrat, der noch im Juni darüber abschließend bestimmen sollte.

Nutzungszeit soll verkürzt werden

Eines der wichtigsten Argumente für die Friedhofspläne ist wohl das Versprechen der Stadt, auch die Bürger von einer Gebührenreduzierung profitieren zu lassen. Die reduzierten Nutzungszeiten auf 15 Jahre können optional im Fünf-Jahres-Rhythmus verlängert werden. Damit sei „eine Reduzierung der Nutzungs-Entgelte zum Vorteil der Bürger zu erwarten“, wird es im Beschlussvorschlag deutlich.

Nicole Heine, Sachbearbeiterin Friedhof, gab in Hohenerxleben zu, dass einige Bestatter anfangs nicht sehr erbaut über die geplante Übertragung von Bestattungsaufgaben an sie waren. „Die Mehrheit der Bestatter in Kommunen ringsum führen solche Leistungen aber bereits durch.“ Und so müssten sich auch hiesige Bestatter neue Wege erschließen. Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) ergänzte, dass es dabei nur um Urnenbestattungen gehe, nicht um Erdbestattungen. Diese Leistungen blieben beim Stadtpflegebetrieb. Zudem bleibe die Stadt auch Ansprechpartner für die Hinterbliebenen, was Friedhofsfragen betrifft.

Diskussionsbedarf gab es in Hohenerxleben derweil zu einem anderen Thema. „Warum tut sich die Stadt so schwer mit anonymen/halbanonymen Erdbestattungen?“ eröffnete Ilona Franke (Einzelbewerber) den Austausch. Es könne doch nicht so schwer sein, solche Leistungen auszurechnen. Ihrer Meinung nach gebe es Bedarf. „In kleineren Orten ist es sicher unrealistisch, aber in der Stadt?“

Toilette auf dem Friedhof?

Nicole Heine versicherte, dass sie an dem Thema dran sei. Sie argumentierte dennoch, dass die Tendenz von Erdbestattungen generell zurückgehe. 2020 gab es auf allen zwölf Friedhöfen der Stadt Staßfurt 417 Urnenbestattungen und nur zwölf Erdbestattungen. Man sei dabei, Freiflächen zu schaffen und möglicherweise auch für den genannten Wunsch anbieten. „Aber später. Anhand der Zahlen ist das im Moment kein Thema“, so Heine. Das Anliegen werde man aber weiter betrachten. Ihr Verwaltungsleiter erklärte, dass man ohnehin alle drei Jahre neu kalkulieren müsse. Jetzt sei man erstmal dazu beauftragt, nach Kosteneinsparungen zu suchen.

Ein weiteres spezielles Friedhofsthema interessierte in Hohenerxleben mit der Schaffung eines WC. „Warum geht’s damit nicht weiter?“ wollte Helmut Müller (Linke) in Fortsetzung wissen. „Damit geht’s weiter“, entgegnete Nicole Heine. Man habe entsprechende Angebote bereits eingeholt. Jetzt sei auch der Haushalt genehmigt. Noch in diesem Jahr soll ein WC errichtet werden, war auf Anfrage des Ortsbürgermeisters zu vernehmen.