Schulen

Staßfurt: Digitalisierung an den Schulen kommt in Schwung

Über den Digitalpakt kommt die Digitalisierung an den Schulen auch in Staßfurt so langsam in die Gänge. Alle Schulen werden im kommenden Schuljahr mit neuen Geräten wie Laptops oder Tablets ausgestattet.

Von Enrico Joo
Stück für Stück nimmt die Digitalisierung an den Schulen Fahrt auf. Auch in Staßfurt.
Stück für Stück nimmt die Digitalisierung an den Schulen Fahrt auf. Auch in Staßfurt. Symbolfoto: picture alliance/dpa

Staßfurt - Die herbeigesehnte Digitalisierung wird an den Schulen endlich Fahrt aufnehmen. Zum neuen Schuljahr werden alle Schulen in Staßfurt digitale Endgeräte für Schüler und Lehrer bekommen. Dank kräftiger finanzieller Hilfe. Die Bundesregierung hat im Mai 2019 das Förderprogramm „DigitalPakt Schule“ ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2024 sollen mit einer Summe von insgesamt fünf Milliarden Euro die Länder und Gemeinden bei Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur unterstützt werden.

Nach Angaben des Bildungsministeriums Sachsen-Anhalt, stehen dem Salzlandkreis als Schulträger der weiterführenden Schulen in der Region knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung. Die Grundschulen in Trägerschaft der Stadt Staßfurt bekommen für knapp 400 000 Euro digitale Sprungfedern.

Schon vor vielen Wochen hatte Staßfurt für die fünf Grundschulen in städtischer Trägerschaft Anträge eingereicht. „Wir haben den Fördermittelbescheid am 1. Juli bekommen“, heißt es aus dem Rathaus. Für jede Schule seien Fördermittel zur Seite gestellt worden. Was die Schulen aber konkret bekommen und wann genau, ist noch nicht klar.

Alle Anträge vom Salzlandkreis bewilligt

Die weiterführenden Schulen, mit dem Salzlandkreis als Schulträger, sind dagegen schon einen Schritt weiter. Wie das Bildungsministerium mitteilt, wurden bis Mitte Juni 26 Anträge gestellt und bewilligt. „Der Salzlandkreis als Schulträger mit insgesamt 9967 Schülerinnen und Schülern ist mit 5 062 377 Euro antragsberechtigt. Inzwischen liegen 26 Anträge mit einer Gesamtfördersumme von 5,15 Millionen Euro vor. Sämtliche Anträge des Landkreises wurden bereits bewilligt“, heißt es vom Bildungsministerium. In Sachsen-Anhalt wurden bisher 387 Anträge mit einem Fördervolumen von 64,3 Millionen Euro bewilligt. Der Salzlandkreis hat für alle Schulen Anträge eingereicht.

Nach den Sommerferien wird es losgehen. Dann bekommt das Dr.-Frank-Gymnasium in Staßfurt zum Beispiel 90 Leihgeräte für Schüler. „Das sind robuste Laptops“, beschreibt es Schulleiter Steffen Schmidt.

Das ging fix nach der Bestätigung des Ministeriums, oder? „So würde ich das nicht sagen. Wir haben ja lange genug gewartet“, so Schulleiter Schmidt. Er spielt damit auf die Corona-Pandemie an. Zwei Corona-Schuljahre lang musste auch das Gymnasium mit zum Teil mangelhafter digitaler Ausstattung Fernunterricht organisieren.

Im Gymnasium wird die Digitalisierung aus dem Digitalpakt wie überall dabei in drei Schritten absolviert. Im laufenden Schuljahr wurde die Schule bereits mit Endgeräten für den Unterricht ausgestattet (erster Schritt). Neben den zehn vorhandenen „Whiteboards“ sollen bis Ende des Jahres nun 16 weitere dazukommen. Von den 42 Räumen sind dann also 26 mit digitalen Tafeln ausgestattet. Das schon ordentliche WLAN wird dann weiter ausgebaut durch neue Verkabelungen.

Nicht nur Schüler, auch Lehrer bekommen Geräte

Neben der Ausstattung der Schüler mit digitalen Endgeräten ab dem kommenden Schuljahr (zweiter Schritt) ist der dritte Schritt die Ausstattung der Lehrer. Jeder Lehrer bekommt einen Laptop. „Das ist ein gewaltiger Fortschritt“, sagt Schmidt. „Für die Ausstattung gibt es aber noch keinen Zeitpunkt.“

Erleichtert klingt auch Uwe Oswald. Er ist Schulleiter der Ganztags-Sekundarschule „Am Tierpark“ in Staßfurt. Ihm gefällt vor allem, dass viel kommuniziert wurde. „Wir haben ein Konzept für unsere Schule geschrieben. Jede Schule einzeln wurde dann zum Salzlandkreis eingeladen. Es gab ein Gespräch darüber, was möglich ist“, lobt Oswald. „Man hat sich dann zusammen geeinigt, was man beantragt.“

Und so hatte die Tierpark-Schule freilich Mitspracherecht darüber, welche und wie viele digitale Endgeräte zum Beispiel die Schüler im kommenden Schuljahr bekommen. Es werden nun 58 „Wischgeräte“ sein, wie es Oswald bezeichnet. Die Endgeräte sind eine Mischung aus Tablet und Laptop. Wie beim Tablet kann auf dem Bildschirm getippt und gewischt werden. Die Geräte sind aber wie ein kleiner Laptop auch mit einer Tastatur ausgestattet. „Ich war erst skeptisch, ob das funktioniert. Aber das sind gute Geräte“, sagt Oswald.

Schule entscheidet selbst, wer Geräte bekommt

Welcher Schüler so ein Gerät bekommt, entscheidet die Schule selbst. Bei über 400 Schülern kann freilich nicht jeder davon profitieren. Vor allem Schüler aus einkommensschwachen Elternhäusern sollen unterstützt werden. Elternhäuser also, die bisher digital wenig angeschlossen und kaum mit Smartphones oder Laptops ausgestattet waren. In der Schule wird das schon annehmbare WLAN ausgebaut. Grundsätzlich ist die Schule bereits gut angeschlossen.

Zudem bekommen auch die Lehrer der Tierpark-Schule im kommenden Schuljahr Laptops. „Direkt vom Land“, wie Oswald betont. Für 28 Lehrer stehen 28 Laptops zur Verfügung. Auch hier: Es gab Mitspracherecht. „Wir konnten zwischen fünf verschiedenen Geräten wählen. Wer zum Beispiel bisher privat ein Apple-Gerät hat, kann ein dienstliches Apple-Gerät bekommen“, so Oswald.

Lob kommt auch vom Salzlandkreis: „Dank der zusätzlichen Mittel aus dem „DigitalPakt“ haben wir Leih-Notebooks gekauft. Diese sollen bis zum Ende des Schuljahres zur Verfügung gestellt werden. Fast 680.000 Euro standen für die Anschaffung zur Verfügung. Der „DigitalPakt“ unterstützt uns beim digitalen gesellschaftlichen Wandel“, heißt es.

Gute Nachrichten: Die digitale Wende könnte dafür sorgen, dass eine mögliche vierte Corona-Welle und der Distanzunterricht die Schulen nicht ganz so hart treffen, wie in den vergangenen beiden Schuljahren.

Kommentar von Enrico Joo:

Man kann den Stand der Digitalisierung in Deutschland am besten in Metaphern erklären. Digitalpakt bedeutet, dass jemand mit einer kleinen bunten Plastikschaufel einen meterhohen Schneeberg wegräumen will. Es bedeutet, dass jemand mit einem Spielzeugbagger ein riesiges Containerschiff freibaggern will. Die Summen, die investiert werden, sind gewaltig. Sie können den digitalen Mangel an den Schulen aber nicht ansatzweise ausfüllen. Zuviel Stillstand gab es über Jahre und Jahrzehnte. Die digitale Ausstattung an vielen Schulen wird dem Industriestandort Deutschland nicht einmal ansatzweise gerecht. Der Digitalpakt sollte nicht das Ende, sondern der Beginn einer digitalen Finanzoffensive sein. Der Zugang zur digitalen Welt muss ein menschliches Grundrecht sein und genauso behandelt werden.