Ehepaar Brauckmann stellt seit 1990 Eis nach alt-herkömmlichem Rezept her / Die Beiden gewähren einen Blick in ihr Eislabor

Süße Sünde kommt täglich frisch aus der Maschine

Von Kathleen Radunsky-Neumann

Die süße Sünde kommt in Welsleben täglich frisch aus der Maschine. Dafür stehen Annegret und Lutz Brauckmann. Seit 20 Jahren verkaufen sie in ihrem Café Eis aus eigener Herstellung. Die Kunden wissen die Nascherei nach alt-herkömmlichem Rezept zu schätzen.

Welsleben. Eine Augenweide. Schön bunt. Schmackhaft angerichtet. Nicht nur das. Es ist eine süße Sünde, der kaum einer widerstehen kann. Anders lässt sich das Eis, das Annegret und Lutz Brauckmann in 30 verschiedenen Sorten anbieten, nicht beschreiben. Seit 20 Jahren bietet das Ehepaar in Welsleben Eis aus eigener Produktion an. Bis heute haben die Beiden ihre Liebe für diese Nascherei nicht verloren, und das obwohl sie täglich ab 6 Uhr morgens im heimischen Eislabor rotieren, um die Auslage für das Eiscafé frisch zu füllen.

"Die Hygiene ist das A und O", betont Annegret Brauckmann. Schon das allein sei ein Grund, dass sie und ihr Mann Lutz täglich das frisch herstellen, was andere in wenigen Minuten wegschlecken. Seit 1990 führen die Brauckmanns ihr eigenes Eiscafé in dem Bördeland-Ort. Es war ein Herzenswunsch der Hausherrin, der Ehemann zog nach. Seither stehen sie täglich im heimischen Eislabor. Täglich um sechs Uhr startet die Produktion. 30 Eissorten werden frisch hergestellt. Dabei durchlaufen die einzelnen Zutaten zahlreiche Arbeitsschritte. Die Früchte sowie der Kakao werden gekocht und vor dem Gefrieren wird das Eis auf 87 Grad Celsius erhitzt. Dann sofort wieder runtergekühlt auf vier Grad Celsius, "damit Keime gar nicht erst die Chance bekommen, sich zu bilden", erklärt Lutz Brauckmann schlicht.

Ein kurzer Blick auf seinen weißen Kittel zeigt schnell, welche fruchtig-leckeren Sorten er bereits produziert hat. Wo gearbeitet wird, fallen eben auch Späne. Während der Kittel getrost nach Arbeit aussehen kann, achten die Brauckmann umso mehr auf die Hygiene beim Eis. "Wenn da etwas schief geht, trifft das ja gleich über hundert Menschen", malt Annegret Brauckmann ein Szenario. "Die Hygiene ist unser Erfolgsrezept", schätzt die 62-Jährige ein.

In Welsleben wird das Eis nach altem, traditionellem Rezept hergestellt. "Wir benutzen ganz selten Pasten oder Konzentrate", erklärt Lutz Brauckmann. Solche Stoffe brauchen sie für Modeeissorten wie Schlumpf und Kaugummi, erklärt Annegret Brauckmann. Auch wenn die beiden Eishersteller diese süßen Naschereien selbst nicht mögen, so richten sie sich gern nach den Wünschen ihrer Kunden. Damit auch wirklich jeder Geschmack bedient wird, stellt Lutz Brauckmann im eigenen Eislabor täglich 30 Eissorten her.

Auch wenn Brauckmanns ihrer Produktionsstätte den Namen Labor geben, so wird hier nicht geforscht. "Wir produzieren nach alt-herkömmlichen Rezept", sagt er. Und der Renner? "Das ist immer noch mit Abstand Vanille", sagt Annegret Brauckmann, die sich selbst ebenso zu den Vanille-Fans zählt. Nicht nur das. "Ich esse jeden Tag, das ist ja mein Verderb", gibt die 62-Jährige zu. Und als ihr Mann ihr eine frisch aus der Maschine gezauberte Portion Vanille-Eis anbietet, sagt sie natürlich nicht Nein. Schnell schleckt sie es weg. Es mundet eben auch noch nach 20 Jahren täglicher Eisherstellung. "Vor allem schmeckt es bei meinem Mann auch immer etwas anders", erklärt Annegret Brauckmann. Zwar richte man sich im Brauckmannschen Eislabor nach dem Rezept, "aber am Ende wird es immer noch abgeschmeckt und das entscheidet", nennt sie das Geheime am Welsleber Eis.

1988 hat Annegret Brauckmann einen Eisherstellerlehrgang belegt. Am 1. Mai haben Brauckmanns ihr Café eröffnet. "Die ersten zwei Monate lief es sehr gut", erinnert sich Annegret Brauckmann. Doch dann kamen Langnese und Co. auch nach Welsleben. Da wollten die Menschen lieber das Eis aus dem heimischen Tiefkühlschrank. "Den Kundeneinbruch mussten wir erst einmal verkraften", sagt sie.

Inzwischen ist das Eiscafé Brauckmann in Welsleben und Umgebung eine feste Größe. Ob das Eis auf die Hand oder der bunte Becher im Café, die Liebe zu der süßen Sünde ist nicht zu stoppen. "Auch heute kommen noch Kunden mit einer Thermoskanne, wie man sie zu DDR-Zeiten hatte, und kaufen ihr Eis für den heimischen Verzehr", plaudert Annegret Brauckmann aus dem Nähkästchen. "Oder wie wäre es mit dem Tierarzt-Becher?", fragt Lutz Brauckmann verschmitzt grinsend. "Unser Tierarzt hat hier einmal über zehn Kugeln Eis auf einmal gegessen", erklärt Annegret Brauckmann.